17.04.2018
aerokurier

AERO 2018Startschuss mit Weltneuheiten

Einen Tag vor Messebeginn konnte die Presse bereits drei Weltneuheiten bestaunen: Magnus und Siemens zeigen die Fusion Hybrid, Lange Research das Mockup der Antares E2 und Onix seinen Elektro-Motorsegler Phoenix.

Magnus eFusion in Formation

Die zwei Magnus E-Fusion zeigten Formationsflüge über dem Airport Friedrichshafen. Foto: Tashi Dolma Hinz  

 

Knappe 24 Stunden vor dem offiziellen Messeauftakt der AERO 2018 kamen die zahlreichen Journalisten in den Genuss einer exklusiven Flugvorführung. Erstmals zeigten zwei Magnus E-Fusion Formationsflüge über dem Fridrichshafener Flughafen. Die E-Fusion ist eine Variante der ungarischen Magnus Fusion, die von einem Siemens-Elektromotor angetrieben wird und wurde bereits vor zwei Jahren in Friedrichshafen erstmals gezeigt. Direkt im Anschluss demonstrierte die Lange Antares 20E mit ihrem Flug, dass der Elektroantrieb in Segelflugzeugen keine Zukunftsmusik mehr ist. Seit 2004 läuft die Serienproduktion, mehr als 60 Flugzeuge sind inzwischen ausgeliefert.

Motorsegler mit Elektroantrieb

AERO 2018: Onyx

Der Phoenix ist ein Side-by-Side-Motorsegler mit Elektroantrieb. Foto: Tashi Dolma Hinz  

 

Eine Neuheit kam indes nur bis zum Abflugpunkt: Der Elektro-Motorsegler Phoenix. Das Flugzeug ist ein Gemeinschaftsprojekt des Konsortiums ONIX, in dem sich der Flugzeughersteller Phoenix Air, die Propellerschmiede Sport Prop, der Elektronikkomponentenhersteller MGM Compro und PEG, ein Entwickler für elektrische Ladesysteme, zusammengeschlossen haben. Der Phoenix hat eine Spannweite von bis zu 15 Metern, der 60 kW leistende Elektromotor soll den Motorsegler auf 200 km/h Reisegeschwindigkeit bringen. Weiterhin versprechen die Konstrukteure eine Gleitzahl von 32 bei 130 km/h. Das MTOW soll bei 600 Kilogramm liegen, das Aufladen der Akkus nur 18 Minuten dauern. Die Endurance wird mit 2,5 Stunden angegeben. Kurz vor dem Start gab es Probleme mit den Bremsen, sodass der Flug nicht stattfinden konnte.

Hybrid-Technologie im Kleinen als Blaupause für die Großluftfahrt

Frank Anton und Hybrid-eFusion

Die Hybrid-Fusion ist ein weiteres Projekt, in dem Siemens an der Elektrifizierung der Luftfahrt forscht. Foto: Tashi Dolma Hinz  

 

Am Boden demonstriert wurde die Magnus Fusion Hybrid. Die Gemeinschaftsentwicklung des Ungarischen Herstellers Magnus und Siemens E-Aircraft vereint einen Siemens-Elektromotor und einen Commonrail-Dieselmotor von Flyeco sowie einen Batteriesatz. "Der Elektromotor leistet 60 Kilowatt und kann in Verbindung mit den Batterien den Start komplett elektrisch ermöglichen", erklärte Dr. Frank Anton, Leiter E-Aircraft bei Siemens. "Damit bleibt der Lärm, den der Verbrenner verursacht, vom Boden weg, denn der Diesel wird erst im Reiseflug zugeschaltet und versorgt das System über einen Generator mit Stom.

Das Engagement in der General Aviation ist für Siemens die Blaupause für die Elektrifizierung der Großluftfahrt. "Wir denken an Regionalverkehrsflugzeuge mit 60 bis 100 Sitzplätzen, die 1000 Kilometer Reichweite haben und mit Hybridantrieb fliegen", so Anton. Als nächster Schritt stehe die Ausrüstung einer BAE-146-Jets mit einem 2000 kW leistenden Elektromotor an, der seinen Strom über einen von einer Gasturbine angetriebenen Generator bezieht. Die Gasturbine komme von Rolls-Royce, Siemens liefere den Antriebsstrang und Airbus die System zur integration des Antriebs in das Flugzeug.

Antares E2 enthüllt

Lange Aviation Antares E2

Die Antares E2 soll künftig unbemannte Missionen über bis zu 40 Stunden fliegen. Foto: Tashi Dolma Hinz  

 

Noch nicht flugfertig ist indes die Lange E2. Das als Sensorträger für Missionen von bis zu 40 Stunden Dauer ausgelegte Flugzeug zeigte das Unternehmen Lange Research den Pressevertretern in der nahezu vollständig mit Elektroflug bestückten Halle 7. Aerodynamisch eng an die erfolgreichen, hauseigenen Segelflugzeuge angelehnt, verfügt die E2 neben dem typischen schlanken Rumpf und der Flächen mit sehr hoher Streckung über sechs Elektromotoren mit Druckpropellern, die oberhalb der Tragfläche montiert sind. Ihre Energie beziehen sie aus sechs Brennstoffzellen, die wiederum in zwei Pods unter der Fläche hängen. Zwei weitere Pods enthalten insgesamt 300 Kilogramm Methanol. Aus diesem Alkohol wird in einem Reformprozess Wasserstoff abgespalten, aus dem die Brennstoffzellen elektrischen Strom produzieren. Dieses sehr effektive Antriebssystem, dass einen Gesamtwirkungsgrad von etwa 45 Prozent erreicht, führt in Verbindung mit der ausgefeilten Aerodynamik eines Leistungssegelflugzeuges zu einer Flugdauer von bis zu 40 Stunden und einer Reichweite von bis zu 5500 Kilometer.

"Die Anwendungen sehen wir im großräumigen Monitoring", sagte CEO Axel Lange und nannte die Überwachung von Schiffahrtswegen und Fischerei sowie das Eismonitoring in Polarregionen als Beispiele. Der Prototyp werde derzeit am Firmenstandort in Zweibrücken für den Erstflug vorbereitet, der für Mitte des Jahres avisiert ist. "Der Prototyp wird bemannt fliegen, im Einsatz später ist die Antares E2 autonom unterwegs", so Lange.

Die Organisatoren der AERO um Messechef Klaus Wellmann und Projektleiter Roland Bosch zeigten sich bereits einen Tag vor Messestart zufrieden. Mit 630 Ausstellern aus 38 Ländern seien noch einmal gut vier Prozent mehr Firmen in Friedrichshafen vertreten als 2016. Ein Vergleich mit dem Vorjahr könne nicht gezogen werden, weil da zum einen mit der 25. AERO ein Jubiläum begangen wurde, zum anderen in den ungeraden Jahren die Segelflughersteller mit dabei seien.

Neben vielen bewährten Sparten gibt es auch Neues auf der AERO. So wird in der Flight Simulator Area der Fokus auf das Fliegen am Computer und im Bereich der Virtual Reality gelegt - möglicherweise eine Chance, um die Generation Smartphone für die "richtige" Luftfahrt zu begeistern.




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