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H55Anna Pizzolante

Elektroflug

Bristell Energic startet zum Erstflug

Mit der Bristell Energic, einem Metall-Tiefdecker mit einem vom Schweizer Unternehmen H55 entwickelten Elektroantrieb, ist erneut ein zweisitziges Elektro-Schulflugzeug flügge geworden. Mastermind hinter dem Projekt ist Solar-Impulse-Pilot André Borschberg.

Die am 21. Juni erstmals in die Luft gegangene Energic basiert auf dem Leichtflugzeug Bristell des tschechischen Herstellers BRM Aero, das mit einem elektrischen Antriebssystem von H55, einem Spin-off von Solar Impulse, ausgestattet wurde. Die Bristell Energic ist ein 6,45 meter Langer Tiefdecker mit einer Spannweite von 8,13 Metern und einer Flügefläche von 10,5 Quadratmetern. Bei einer maximalen Abflugmasse von 850 Kilogramm soll die Nutzlast 200 Kilogramm betragen. Der von H55 entwickelte Elektroantrieb stellt eine Maximalleistung von 90 Kilowatt und eine Dauerleistung von 65 Kilowatt bereit. Die Kapazität der Akkus beträgt laut Pressemitteilung des Unternehmens 50 Kilowattstunden, womit eine Flugzeit von maximal 90 Minuten möglich sein soll. Das Laden des Akkus soll in lediglich einer Stunde erledigt sein.

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Bis zu einer Stunde Flugzeit plus Reserve soll die Bristell Energic bieten.

„Die Elektrofliegerei wird die städtische Mobilität tiefgreifend verändern und verbessern“, kommentierte André Borschberg, der das Projekt Energic als Station auf dem Weg hin zu elektrischen Antriebssystemen für VTOLs und Flugtaxis sieht, den erfolgreichen Erstflug. „Der elektrische Antrieb hat die Welt der Drohnen erst möglich gemacht, und diese Entwicklung wird vor der bemannten Luftfahrt nicht halt machen.“ Die Bristell Energic sei ein Sprungbrett für die Entwicklung solch neuer Luftverkehrslösungen, die sicher und zuverlässig wie herkömmliche Luftfahrtsysteme sein sollen, aber gleichzeitig die Umwelt schützen können. Das Flugzeug sei ein Erprobungsträger, mit dem man im laufenden Betrieb vor allem Daten sammeln wolle, die für die Weiterentwicklung der Antriebssysteme notwendig seien, so Borschberg weiter.

Dabei konzentriert sich H55 laut eigener Aussage nicht allein auf das Antriebssystem, sondern habe den gesamten Energiekreislauf beginnend bei der Energieerzeugung im Blick. Weiterhin gelte es, die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine weiter zu verbessern und schließlich auch die Zulassungsverfahren für derartige Fluggeräte weiter zu entwickeln.

Das Cockpit mutet schlicht, aber modern an. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle ist einer der Punkte, auf die H55 seinen Fokus legt.

Laut Pressemitteilung zeigten vor allem Flugschulen und Luftfahrtvereine Interesse an der Bristell Energic. Mit ihrer Endurance von einer Stunde zuzüglich Reserve erfülle sie die Anforderungen der Flugausbildung und sei mit einem Kraftstoffpreis von nur etwa sieben US-Dollar pro Stunde zudem deutlich günstiger als klassische Schulflugzeuge mit Verbrennungsmotor.

Milan Bristell, CEO von BRM Aero, äußerte sich zuversichtlich zu den Erfolgschancen des Konzepts. „Die Entstehung neuer, großer Märkte für die Allgemeine Luftfahrt wie beispielsweise in China und Indien zeigen eine große Nachfrage nach Trainern wie der Bristell. Hier wartet man regelrecht auf Muster, die dank Elektroantrieb sauber, leise und günstig im Betrieb sind.“

Gegründet von André Borschberg, Sébastien Demont und Gregory Blatt, allesamt ehemalige Mitglieder des Senior Management Teams von Solar Impulse, positioniert H55 das Unternehmen und sein Heimatland Schweiz als wichtigen Akteur im Bereich elektrischer Antriebe und saubere Luftfahrt. Neben den Fördermitteln des Bundes, des Kantons Wallis über die Ark Foundation und der Stadt Sitten, profitierte das Unternehmen auch von der Finanzierung durch den Risikokapitalfonds Nanodimension.