01.05.2015
aerokurier

Viermot, Hubschrauber und SchwächlingeCessnas glücklose Modelle

Citation, Caravan, Skyhawk: Alles, was Cessna anfasst, scheint zum Verkaufsschlager zu werden. Doch nicht jedes Modell ist gelungen, der erfolgsverwöhnte Hersteller hat sich im Lauf seiner Geschichte auch einige Missgriffe geleistet.

Cessna 620 Viermot

Die viermotorige Cessna 620 war zu teuer, nur ein Prototyp wurde gebaut. © Foto und Copyright: Cessna Aircraft  

 

Nur ein kurzes Leben und ein klägliches Ende war Cessnas einziger Viermot vergönnt. Zu Beginn der 1950er Jahre setzten mehr und mehr große Unternehmen auf firmeneigene Flugzeuge, um unabhängig von den Flugplänen der Fluggesellschaften zu werden. Andererseits galten Verkehrsflugzeuge als sicheres Transportmittel auch bei schlechten Wetterbedingungen. Vor diesem Hintergrund stellt Cessna 1956 das Model 620 vor, ein optisch ansprechendes, viermotoriges Reiseflugzeug mit Druckkabine. Als Antrieb dienten vier Continental-GSO-526-Motoren mit 350 PS. Immerhin neun Passagiere fanden in der Kabine Platz. Der Basispreis sollte 375 000 Dollar betragen, und darin waren die Avionik und die Tragflächenenteisung noch nicht einmal enthalten.

Viel zu viel für einen Markt, auf dem gerade ein Überangebot an Flugzeugen traditioneller Bauweise herrschte. Zudem standen für Reiseflugzeuge dieser Größenordnung die Zeichen der Zeit längst auf Jetantrieb. So geriet das Management unter den Druck der Aktionäre, die bei diesem Modell keine Gewinnaussichten erkennen konnten. Und so fand Cessnas erstes Viermot-Projekt ein abruptes Ende, nur ein einziger Prototyp wurde gebaut.

Aus diesem wurden, wie Cessna-Mitarbeiter Don Powell berichtet, „die Motoren ausgebaut, anschließend fuhr man mit einem Bulldozer über das ganze Ding.“

Ausgesprochenes Pech hatte Cessna mit einer Flugzeugentwicklung für die Regierung zu Beginn der 1950er Jahre. Für die US-Armee konstruierte Cessna 1951 einen Modell 308 genannten Sechssitzer als Ambulanz-, Beobachtungs- und Frachtflugzeug. Die Armee hatte zunächst die kanadische de Havilland Beaver ins Auge gefasst, doch stand ihrer Anschaffung die Weisung entgegen, keine Flugzeuge von mehr als 2270 kg zu betreiben.

Cessna baute einen Prototypen mit 375-PS-Lycoming-Motor und stellte ihn der Armee zur Erprobung zur Verfügung. Doch während der Erprobungsphase änderte die Armee ihre Gewichtsvorgaben und wandte sich wieder der Beaver zu. Cessna arbeitete unerschrocken weiter an dem Modell und präsentierte es im Frühjahr 1953 der Armee erneut, die wiederum dankend ablehnte. Das erste und einzige Exemplar der 308 wurde nach Wichita zurückgebracht und auseinander gebaut.


WEITER ZU SEITE 2: Die Modelle 187 und 177 und ein Militärtrainer auf CitationJet-Basis

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