03.04.2017
Erschienen in: 04/ 2017 aerokurier

LuftfahrtmesseAERO 2017: Neuheiten Motorflug und Business Aviation

Das Highlight der AERO ist die P2012 Traveller von Tecnam, die in Friedrichshafen ihr Debüt gibt. Andere Hersteller sind indes mit überarbeiteten Versionen ihrer Muster vertreten, während die Geschäftsreise-Luftfahrt mit Minimalbesetzung auftritt.

Die Freude im italienischen Capua war groß, als die Tecnam P2012 Traveller im Juli des vergangenen Jahres ihren Erstflug erfolgreich absolviert hatte. Die Flugerprobungen sind mittlerweile in vollem Gang, soll das Flugzeug doch bis 2018 die Zulassung nach CS-23 und FAR 23 erhalten. Vorgestellt wurde das Konzept im Jahr 2011, und nun bietet sich mit der AERO eine günstige Gelegenheit, die neue Maschine in voller Pracht zu präsentieren. Daher wurden die Flugerprobungen unterbrochen und das Flugzeug nach Friedrichshafen gebracht.

Die P2012 Traveller ist das bisher größte Flugzeug von Tecnam.  Es handelt sich dabei um einen zweimotorigen Hochdecker mit einer Spannweite von 14 Metern. Er bietet Platz für zwei Piloten und neun Passagiere, wobei der Zustieg über eine Kabinentür im hinteren Bereich des Rumpfes erfolgt.

Angetrieben wird die Traveller von zwei 375 PS starken Lycoming-Motoren des Typs TEO-540-C1A, die in Verbindung mit einem Dreiblatt-Constant-Speed-Propeller für den nötigen Schub sorgen. Sie ist auf eine Reisegeschwindigkeit von 180 Knoten ausgelegt, die Maximalgeschwindigkeit beträgt 240 Knoten. Bei einem Verbrauch von 30 US-Gallonen pro Stunde ist die P2012 Traveller in der Lage, Distanzen von mehr als 1100 nautischen Meilen zurückzulegen. Das maximale Abfluggewicht ist auf 3600 Kilogramm limitiert, die Nutzlast beträgt 1350 Kilogramm. Im Cockpit ist Garmins neueste Avionik, das G1000 NXi, verbaut.
„Wir bringen mit der P2012 eine echte Innovation“, ist Tecnam-Direktor Paolo Pascale überzeugt. Bei der Entwicklung legten die Ingenieure nicht nur Wert darauf, den Passagieren eine sichere und komfortable Reise zu ermöglichen, auch Aspekte wie möglichst geringe Betriebskosten und lange Wartungsintervalle spielten bei der Konzeption eine Rolle. Daher entschieden sich die Ingenieure für ein Festfahrwerk, das im Vergleich zu einem Einziehfahrwerk mit einem geringeren Wartungsaufwand verbunden ist.

Die Flugzeugbezeichnung leitet sich wie bei der ganzen Tecnam-Flotte vom Anfangsbuchstaben des Designers Luigi Pascale und dem Entwurfsjahr ab. Der Zusatz „Traveller“ ist der Tatsache geschuldet, dass Tecnam mit dem Flugzeug eine neue Commuter-Ära einläuten möchte.

Im Gegensatz zur restlichen Flotte, die vor allem zu Schulungszwecken und für den privaten Gebrauch konzipiert ist, soll die Zweimot auch den Bedarf regionaler Fluggesellschaften decken. Ob VIP- oder Krankentransporte, ob als Absetz- oder Frachtflugzeug: Die P2012 Traveller soll universell einsetzbar sein. Durch den großen Abstand zwischen Propeller und Boden sowie einer verhältnismäßig kurzen Startstrecke ist es mit dem Hochdecker beispielsweise unproblematisch, auf unbefestigten Pisten zu starten und zu landen.

Auf der AERO ist Tecnam in Halle 4 am Stand 319 mit der ganzen Produktpalette vertreten. Zugleich ist die Messe Treffpunkt für mehr als 60 Tecnam-Händler aus aller Welt.

Pipistrel hält sein Mogas-Versprechen

Auch im benachbarten Slowenien war man derweil nicht untätig: Pipistrel hat die viersitzige Panthera inzwischen mit einem Sechszylinder-Lycoming IO-540V ausgestattet. Der neue Motor wurde notwendig, da Lycoming den bisher verbauten IO-390 nicht für Mogas freigab und der Betrieb mit bleifreiem Benzin eines der Kernversprechen war, der Hersteller  bei der Vorstellung der Panthera vor fünf Jahren gab. Da der neue Motor unter die alte Cowling passt, werde sich das Äußere der Panthera nicht verändern, hieß es 2014 bei Pipistrel. Auch die Tankkapazität von 220 Litern bliebe erhalten, da bei den vorgesehenen Leistungsdaten kein Mehrverbrauch zu erwarten sei. Pipistrel strebe weiterhin 200 Knoten Reisegeschwindigkeit an, so die Slowenen.

Der Hersteller konnte sein Versprechen erfüllen. Durch den schwereren Motor verringert sich die Nutzlast zwar um 45 auf 500 Kilogramm. Dank einer Mehrleistung von 50 PS verkürzt sich zugleich die Startstrecke auf 540 Meter, die Steigrate erhöht sich auf 1550 Fuß pro Minute und die Dienstgipfelhöhe auf Flugfläche 250. Die Reisegeschwindigkeit auf Flugfläche 80 bei 75 Prozent Leistung beträgt beachtliche 198 Knoten. Obwohl der neue, leistungsstärkere Motor zehn zusätzliche Liter Treibstoff pro Stunde verbrennt, kann die Panthera nach wie vor nonstop Strecken über 1000 nautische Meilen zurücklegen.

Mit der Entwicklung eines Flugzeugs, das für den Einbau eines klassischen Verbrennungsmotors, eines Hybrid- oder eines reinen Elektroantriebs ausgelegt ist, traf Pipistrel den Nerv der Zeit. So
gewann die windschnittige Panthera bereits im Jahr 2014 den „aerokurier Innovation Award“ in der Rubrik Motorflugzeuge. Pipistrel wird sowohl die Panthera als auch die Virus SW 121 zur diesjährigen AERO mitbringen. Der slowenische Hersteller wird in Halle B3 am Stand 201 anzutreffen sein.

Cirrus zeigt sechste Generation der SR

Im Frühjahr kündete Cirrus die sechste Generation der Modelle SR20, SR22 und der SR22T an. „G6 ist unsere innovativste, leistungsfähigste und funktionsreichste Update-Reihe, die wir bisher für die SR-Produktlinie verwirklicht haben“, erklärt Todd Simmons, der bei Cirrus für die Kundenbetreuung verantwortlich ist. Damit spielt Simmons auf die Cockpits an, die mit dem neuesten Avioniksystem, dem Cirrus Perspektive+, ausgestattet sind.

Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit Garmin auf Basis des G1000 NXi. Durch die höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit ist es dem System möglich, Informationen wie Anflughilfen und Wetterdaten darzustellen. Cirrus integriert auch das Flight Stream von Garmin ins Cockpit und ermöglicht damit einen kabellosen Datentransfer zwischen der Garmin-Pilot-App und dem Perspektive+. Dank Tastatur gestaltet sich die Bedienung intuitiv.

Neu entwickelte LED-Leisten, sogenannte Spectra Wingtips, zieren die Flügelspitzen der SR-Reihe. Sie sorgen für bessere Sichtbarkeit und somit auch für mehr Sicherheit im Luftraum. Die SR20 wurde
mit einem 215 PS starken Lycoming IO-390 ausgestattet. Damit werden sowohl die Leistung als auch die Nutzlast erhöht, die nun 467 Kilogramm beträgt. Am Stand 421 in der Halle A3 stellt der amerikanische Hersteller eine SR20, eine SR22T und ein Mockup des Vision Jets mit der Cirrus-Perspective-Touch-Avionik aus.

Textron Aviation setzt auf moderne Avionik

Die neue Avionik von Garmin, das G1000 NXi, hält auch bei Textron Aviation, dem Mutterkonzern von Cessna, Beechcraft und Hawker, Einzug. Seit diesem Frühjahr sind die Modelle Cessna Skyhawk, Skylane, Turbo Stationair HD sowie die Beechcraft Bonanza G36 und Baron G58 damit ausgestattet. „Diese Neuerung wird nicht nur die Arbeitsbelastung für den Piloten verringern“, betont Doug May, der für die Produktion der Kolbenmotorflugzeuge zuständig ist, „sondern wirkt sich durch das effizientere und modernere Cockpitdesign nachhaltig auf das gesamte Flugerlebnis aus.“

Das System verarbeitet Daten und rendert Grafiken schneller. Das Display ist dank der LED-Hintergrundbeleuchtung besser ablesbar geworden. Funktionen wie etwa das Unterlegen der Karte im Horizontal Situation Indicator, die Ansicht von VFR- und IFR-Anflügen auf der Moving Map und animierte Wetterdaten entlasten den Piloten. Optional können weitere Funktionen wie Flight Stream oder SurfaceWatch, ein System zur Navigation auf Flughäfen, integriert werden. Die Cessna Skylane, die in Halle A3 bei Textron Aviation ausgestellt ist, verfügt bereits über die neue Avionik.

Piper präsentiert die neue M600

Im Juni 2016 zertifizierte die amerikanische Luftfahrtbehörde die Piper M600. Die ersten
Modelle verließen das Werk bereits einen Monat später. Weltpremiere feierte die Turboprop 2016 in Oshkosh; somit ist es für Piper jetzt an der Zeit, die M600 auch in Europa vorzustellen.

Die Piper M600 löst die M500 als Flaggschiff der M-Klasse ab. Dank der neuen PT6A-42A-Turbine von Pratt & Whitney mit einer Leistung von bis zu 600 Wellen-PS erreicht die M600 Geschwindigkeiten von maximal 274 Knoten. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei Flugfläche 300. In Reiseflugkonfiguration legt sie knapp 1500 nautische Meilen zurück. Die M600 fliegt dabei nicht nur schneller und weiter als ihre Vorgängerin, auch die Zuladung hat sich um 319 Kilogramm auf 1089 Kilogramm erhöht.

Im Cockpit hat sich mit Einzug des Garmin-G3000-Panels einiges getan. Die Bedienelemente sind benutzerfreundlich angelegt und werden durch den Garmin-GTC-570-Touchscreen-Controller stark vereinfacht. Piper ist auf der AERO mit einer M600 in Halle A4, Stand 409 vertreten. Dort wird auch eine Lightwing AC4 präsentiert, für die Piper Deutschland den Vertrieb übernimmt.

Evolution statt Revolution bei Daher

Der französische Flugzeughersteller führt mit dem Modelljahr 2017 einige Neuerungen bei den Modellen TBM 900 und TBM 930 ein. Das schon oft erwähnte Garmin G1000 NXi kommt nun auch bei Dahers Verkaufsschlager TBM 900 zum Einsatz. „Dieses Upgrade beinhaltet ein neues Flight Display mit markanten Verbesserungen und zusätzliche Funktionen wie etwa eine drahtlose Cockpitverbindung für mobile Geräte“, erklärt Nicolas Chabbert, Verantwortlicher der Daher Airplane Business Unit.

Auch das Topmodell, die TBM 930, hat seit dem Modelljahr 2017 eine umfassende Überarbeitung erfahren. Bislang nur optional erhältliche Ausstattungsmerkmale sind  jetzt in der Standardausführung enthalten. Diese umfasst nun beispielsweise einen Transponder von Garmin des Typs GTX 345 ADS-B IN, der in den USA Verkehrs- und Wetterinformationen empfangen kann. Ein Stick-Shaker, der direkt an die Überziehwarnanlage gekoppelt ist und bei drohendem Strömungsabriss spürbar vibriert, ergänzt die Funktionalität des Geschäftsreiseflugzeugs. Als Avionik kommt Garmins G3000 zum Einsatz. Mit Hilfe des „Flight Stream 210 Gateway“ können sich bis zu zwei mobile Geräte, auf denen die App „Garmin Pilot“ ausgeführt wird, drahtlos mit dem System verbinden. An zahlreichen USB-Ports (5V/3A), die an verschiedenen Stellen des Cockpits verbaut sind, können Handyakkus wieder aufgeladen werden.

Das Modell-Update umfasst indes auch eine Umgestaltung des TBM-930-Interieurs: Neue Sitzpolster, Kopfstützen, Armlehnen und Sitznähte verleihen der Kabine in Kombination mit gebürsteten
Chromelementen ein frisches Aussehen. Insgesamt sind drei Ausstattungsvarianten erhältlich: Black Diamond, Beige Luxor und Agate Grey. Daher werden auf der AERO die 2017er-Versionen von TBM 900 und TBM 930 am Stand 321 in der Halle A3 ausgestellt sein.

Pilatus auf Erfolgskurs mit der PC-12NG

Eigentlich wollte der Schweizer Flugzeughersteller die Produktion seines Dauerrenners PC-12NG dieses Jahr etwas reduzieren – auch in Anbetracht der Fortschritte des Testprogramms des Business Jets PC-24. Doch die Turboprop kommt nach wie vor sehr gut an, weshalb die Schweizer auf der AERO mit einer PC-12NG vertreten sein werden. Die ab dem Jahr 2016 erhältliche NG-Version verfügt über einen Fünfblattpropeller aus Verbundwerkstoffen sowie weitere aerodynamische Änderungen, die die maximale Reisegeschwindigkeit der Turbo-prop auf 285 Knoten (528 km/h) erhöhen.

Gleichzeitig wurde die Kabine besser gedämmt, womit der Geräuschpegel weiter gesenkt werden konnte. Die Teilnahme eines PC-24-Prototyps konnte man auf Nachfrage nicht bestätigen. Pilatus ist in Halle A3, Stand 121 zu finden. Auch Air Alliance, offizieller Pilatus-Händler in Deutschland, stellt eine PC-12NG auf dem Static Display aus.

Bombardier, Gulfstream und Stratos werden dieses Jahr nicht auf der AERO vertreten sein. Auch Dassault wird wohl fehlen. Eine mögliche Erklärung dafür: Die Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen konzentrieren sich auf die bevorstehende EBACE in Genf, die als europäische Fachmesse für die Business Aviation einen höheren Stellenwert besitzt als die AERO.

Bestätigte Teilnahmen gibt es dennoch einige: Den Anfang macht Honda; die Amerikaner sind auch dieses Jahr mit einem HondaJet in Halle A3 am Stand 321 mit von der Partie. Am Stand von YourPlane AG (Halle A3, Stand 419) werden gleich zwei Eclipse-Jets von One Aviation ausgestellt sein. Embraer ist mit drei Mustern vertreten: Neben einer Legacy 450 und einer Legacy 500 ist auch eine Phenom 300 am Start, die vergangenes Jahr laut aktueller GAMA-Statistik die meisten Auslieferungen ihrer Klasse hatte. Die Embraer-Jets sind auf dem Static Display zu sehen.

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Tashi Dolma Hinz/Alex Mitropoulos



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