29.09.2015
Erschienen in: 11/ 2014 aerokurier

Reich der MitteBusiness Aviation in China

Die Geschäftsluftfahrt hatte und hat kein leichtes Leben in China. Doch es kommt Bewegung in die äußerst restriktive Politik. Die Regierung erkennt mehr und mehr den Wert privater Luftfahrt für das riesige Land.

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Chinesische Kunden lieben große Business Jets. Nicht von ungefähr ist Gulfstream hier der Marktführer. Foto und Copyright: ABACE  

 

Dassault hat etwas Ungewöhnliches vollbracht: Die Franzosen haben ein Testprogramm mit der Falcon 7X in China durchgeführt mit dem Ziel, die Zulassung für den Flughafen Daocheng zu erhalten. Der Platz in der Sichuan-Provinz liegt 4411 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit der am höchsten gelegene kommerzielle Flughafen der Welt. Die erfolgreiche Erprobung war auch insofern eine Premiere, als zum ersten Mal ein Zulassungsprogramm in China mit einem ausländisch registrierten Flugzeug absolviert wurde. Die Initiative für das Zulassungsprogramm sei, teilte Dassault mit, von chinesischen Kunden ausgegangen, die gerne mit ihren Business Jets im Westen Chinas mit seinen vielen kleinen, hoch gelegenen Flugplätzen unterwegs sein möchten. China sei, ließ Dassault außerdem wissen, nach den USA der zweitwichtigste Markt für den Langstrecken-Business-Jet. Fast 30 Falcon 7X seien dort beheimatet. Im selben Monat hat das Charterunternehmen NetJets nach jahrelanger Vorarbeit aus den Händen der chinesischen Zivilluftfahrtbehörde CAAC die Genehmigung erhalten, Charterdienste in China anzubieten – als erstes global agierendes Unternehmen aus dem Westen überhaupt. Die NetJets-Basis ist in Zhuhai in der südlichen Provinz Guangdong. Von hier aus sind wichtige Wirtschaftszentren wie Hongkong, Macao und Shenzhen schnell erreicht. 

Keine Frage: Das riesige Land ist ein höchst interessanter Markt für die Hersteller von Geschäftsreiseflugzeugen und die Anbieter von Dienstleistungen. Und mittlerweile machen die Chinesen Zugeständnisse, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar waren. Die chinesische Business-Flugzeug-Flotte hat eine überschaubare Größe – in absoluten Zahlen und erst recht gemessen an der Bevölkerungszahl. Ende 2013 waren gerade einmal 248 Business Jets im chinesischen Kernland beheimatet. In Hongkong waren es 97, in Taiwan 15 und 11 in Macao. Aber die Flotte ist schnell gewachsen: Waren es im Jahr 2007 noch 64 Flugzeuge in dieser Region, so waren es 2011 bereits 203. Bis Ende 2014 wird eine Zunahme auf etwa 450 Flugzeuge erwartet. Es gibt keinen Zweifel, dass der Bestand weiter wachsen wird. Der Bombardier-Konzern erwartet in einer aktuellen Marktstudie ein durchschnittliches Wachstum von 11 Prozent in den nächsten 20 Jahren. Im Jahr 2033 werde, prognostiziert Bombardier,  die chinesische Flotte mehr als 2500 Business Jets umfassen. Damit wird China der drittgrößte Markt für Business Jets sein. Verheißungsvoll für die Hersteller ist dabei die erwartbare Zusammensetzung der Flotte, denn die chinesischen Käufer bevorzugen, wie die Kundschaft in den reichen Golfstaaten,  die großen und kostspieligen Langstreckenflugzeuge.  Und so erstaunt es nicht, dass der Hersteller mit dem größten Marktanteil in der Region Gulfstream heißt. Etwa 40 Prozent hat sich der Langstreckenspezialist aus Savannah über die Jahre erarbeitet. Und konsequenterweise sind es die Modelle G550 und G450, die die Masse der Gulfstreams  in der Region bilden – etwa 150 sind es aktuell. Gulfstream ist auch deswegen so erfolgreich, weil man früh ein Händler- und Serviceangebot aufgebaut hat. Auf den Plätzen zwei und drei folgen nicht überraschend Bombardier und Dassault. Der kanadische Konzern hält etwa 30 Prozent Marktanteil, der Falcon-Hersteller etwa acht Prozent.  Dassault hat im vergangenen Jahr 15 Falcons in die Region geliefert, darunter 11 Falcon 7X. Cessna dagegen hat sich bislang mit seinen leichten und mittelgroßen Modellen schwergetan auf dem chinesischen Markt. 

Aber die Haltung gegenüber kleinen Business Jets beginnt sich zu verändern, wie manches andere auch. Die chinesische Politik hat bisher der Business Aviation das Leben sehr schwer gemacht: durch hohe Importzölle, massive Luftraumbeschränkungen, maßlose Gebühren, lähmende Bürokratie und unzureichende Infrastruktur. Ein Schritt in die richtige Richtung war Ende 2013 die Übertragung der Zulassung von zivilen Flugzeugen auf die Zivilluftfahrtbehörde CAAC. Bis dahin oblag diese Aufgabe dem schwerfälligen Militär.

Ein großes Thema für das Riesenland ist das Angebot an Flugplätzen. Der zwölfte Fünfjahresplan sieht vor, 56 neue Plätze bis Ende 2015 aus dem Boden zu stampfen, um dann 230 zur Verfügung zu haben. Selbst reine General-Aviation-Plätze sind kein Wunschdenken mehr: Unweit Pekings entsteht gerade die „Superior Aviation Town“ mit 2400-m-Bahn, Messehallen,  FBOs, Produktionshallen und Wohnraum für 200 000 Menschen. Sogar ein Luftsportclub und eine Flugschule sollen dort beheimatet sein. Und es soll schnell gehen: In zwei Jahren soll die Stadt fertig sein.

aerokurier Ausgabe 11/2014



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