12.01.2016
Erschienen in: 08/ 2015 aerokurier

SeenotretterRettungswesten für Piloten

Bei Notwasserungen können sie über­lebenswichtig werden. Doch viele Piloten schenken Rettungswesten kaum Aufmerksamkeit. Worauf sollte man bei der Auswahl der Lebensretter achten?

Der Wochenend-Ausflug soll mal etwas Besonderes bieten. Es soll zu einer Insel gehen. Helgoland, Bornholm? Ach ja, da brauchen wir doch eine Rettungsweste für den Flug über Wasser. Im Schrank findet sich noch so ein gutes Stück. Eines, wie es unter Airlinersitzen klebt. Einfach, leicht und signalgelb. Wann das Teil zum letzten Mal gewartet wurde, wissen wir nicht. Egal, Hauptsache Rettungsweste. – Solch eine Einstellung kann im Fall einer Notwasserung das Leben kosten.

Wann muss man eigentlich eine Rettungsweste dabeihaben? Das regeln zwei Vorschriften der 3. DV LuftBO für nicht kommerziell betriebene Flugzeuge. Nach Paragraf 14 muss für jede Person an Bord von einmotorigen Landflugzeugen eine Weste vorhanden sein, wenn beim Flug über Wasser die Entfernung zur Küste größer als die Gleitdistanz ist.

Paragraf 15 fordert Westen für alle Überwasserflüge weiter als 50 NM und bis zu 100 NM vom Land entfernt. Darüber hinaus ist ein Rettungsfloß mitzuführen. Eine luftfahrtzugelassene Rettungsweste ist für nichtgewerbliche Flüge der Allgemeinen Luftfahrt nicht zwingend. Die 3. DV LuftBO lässt dies offen.

Die früher in den Vorschriften zu findende Rettungswestenpflicht bei Starts und Landungen auf einem Flugplatz, dessen Piste so zum Wasser gelegen ist, dass ein Flugzeug bei einer Störung möglicherweise zu einer Notwasserung gezwungen wäre, gibt es nicht mehr. Doch in der Praxis kann dies immer noch sinnvoll sein, wie zum Beispiel die Notwasserung einer Long-Ez auf dem Bodensee wegen Leistungsverlusts gleich nach dem Start vom Flugplatz Altenrhein zeigt.

Bei der Auswahl einer geeigneten Rettungsweste gibt es mehrere Kriterien: Sie sollte leicht anzulegen und flach gefaltet sein, um sie bequem unter dem Gurtzeug tragen zu können. Wichtiger als diese Komfortfrage ist natürlich, dass die nach einer Notwasserung ausgelöste Weste den Piloten zuverlässig in eine (Rücken-)Lage drehen muss, um seine Atem­wege von Wasser freizuhalten. Und zwar auch dann, wenn der im Wasser Treibende das Bewusstsein verlieren sollte oder zum Beispiel Lufteinschlüsse in der Kleidung die Einnahme dieser Lage erschweren. Dieses Kriterium ist besonders wichtig.

Bewusstseinsverlust durch Unterkühlung kann schon nach kurzer Zeit eintreten. Tatsächlich ist der Wärmeverlust des Körpers im Wasser sehr hoch. Die Wärmeleitfähigkeit des Wassers ist 23-mal größer als die der Luft. Die Tabelle auf Seite 41 zeigt dabei nur breit gespreizte Zirkawerte. Denn wie schnell jemand unterkühlt, hängt sehr von der Isolierfähigkeit der Kleidung und der körperlichen Konstitution des Verunglückten ab. Auch kann die Einnahme einer Embryonalhaltung beim Treiben im Wasser den Verlust an Körperwärme reduzieren.

Der Fachhandel bietet eine ganze Palette verschiedener Westen an. Für die Verwendung im Flugzeug müssen die entsprechenden Modelle mit einer Leuchte zur besseren Erkennbarkeit ausgerüstet sein.

Außerdem müssen sie eine manuelle Auslösung besitzen, um erst dann aktiviert zu werden, wenn man das Cockpit sicher verlassen hat. Deshalb scheiden automatisch auslösende Westen jedoch nicht von vornherein aus. Spezielle Tabletten, die sich bei Wasserberührung sofort zersetzen und die Auslösung der CO2-Patronen freigeben, können häufig durch Kunststoff-Dummys ersetzt werden. Dann sind auch diese Westen nur noch manuell durch Zug an einem kurzen Stropp aktivierbar.

Weit verbreitet sind einfache Luftfahrt-Rettungswesten wie die AC/1000, die etwa Siebert Luftfahrtbedarf anbietet. Die Westen sind mit 400 Gramm extrem leicht, aber auch technisch sehr schlicht. Vakuumverpackt, müssen sie erst nach neun Jahren gewartet werden. Allerdings ist das Mitführen einer so verpackten Weste auf Überwasserflügen zweifelhaft. Im Notfall bleibt vielleicht gar nicht mehr die Zeit, sie anzulegen. Sinnvoller ist, die Westen auch zu tragen.

Doch Siebert und andere Flugbedarfshändler bieten auch höherwertige Alternativen an. Wer noch höhere Ansprüche an seine Sicherheitsausrüstung stellt, ist mit manchen Produkten aus dem maritimen Bereich besser bedient. Der deutsche Hersteller Secumar hat zum Beispiel die Ultra AX plus im Angebot, die aufgrund ihrer flachen Bauweise sehr bequem auch in engen Cockpits zu tragen sein soll. Sie besitzt ein qualitativ hochwertiges Gurtzeug mit einem zusätzlichen Schrittgurt, der den Sitz der aufgeblasenen Weste wesentlich verbessern und sie somit sicherer machen soll. Ein ähnliches Modell gibt es auch von Seago. Solche Westen bieten in Sachen Sicherheit Vorteile. Um die Sicherheit zu erhalten, sollen sie allerdings alle zwei Jahre überprüft werden.

aerokurier Ausgabe 08/2015




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