15.12.2011
aerokurier

Aschewolke AVOID Mit der CT der Vulkanasche auf der Spur

easyJet und Nicarnica Aviation, ein Ableger des Norwegischen Instituts für Luftforschung, haben über dem Ätna eine neue Technologie getestet, um Vulkanasche in der Atmosphäre aufzuspüren. Versuchsflugzeug ist eine ultraleichte CTSW mit deutschem Kennzeichen. Ziel ist es, großräumige Luftraumsperrungen bei künftigen Vulkanausbrüchen zu vermeiden.

AVOID (Airborne Volcanic Object Imaging Detector) ist ein System, bei dem eine vom US-Militär entwickelte Infrarot-Technologie am Flugzeug angebracht wird. Diese Technologie versorgt die Piloten während des Flugs mit Informationen über die Verteilung von Aschepartikeln im zu durchfliegenden Luftraum. Eine Aschewolke lässt sich mit AVOID bereits in 100 Kilometern Entfernung erkennen. Die Besatzung eines Airliners kann die Flugroute entsprechend anpassen und die Aschewolke umfliegen. Das Konzept von AVOID ähnelt dem eines Wetterradars, bei der Erprobung des Systems für Verkehrsflugzeuge war ein Ultraleichtflugzeug vom Typ CTSW Versuchsträger.

Rund zwei Wochen dauerten die Tests über dem sizilianischen Ätna und über der ebenfalls vulkanisch aktiven Insel Stromboli. Trägerflugzeug für das AVOID-System ist eine CTSW des schwäbischen Leichtflugzeugbauers Flight Design  – der spätere Einsatz der Sensoren ist geplant für die A320- und A319-Flotte von easyJet.

CT-Pilot war Flight-Design-Vertreter Uwe Post aus Kamen, der bereits bei früheren Messflügen der Aschewolke im deutschen Luftraum auf der Spur war. Für die Tests war die CTSW mehr als 30 Stunden in der Luft. Für die Auftraggeber entscheidend waren Beweglichkeit, kompakte Größe und die schnelle Einsatzbereitschaft des Ultraleichtflugzeugs. Das Projektteam konnte die Luftbestandteile in verschiedenen Höhen und unter unterschiedlichen Wetterbedingungen messen.

Mit den Informationen des AVOID-Systems lässt sich am Boden ein präzises Bild der Aschewolke entwerfen. Dank dieser Informationen lässt sich ermitteln, welche Bereiche des Luftraums ohne Beeinträchtigung beflogen werden können. Verzögerungen im Flugverkehr  könnten reduziert werden, so die Idee.

Dr. Fred Prata, er ist Senior-Wissenschaftler bei Nicarnica Aviation und Erfinder des AVOID-Systems, nutzt bereits heute die Infrarotdaten des europäischen geostationären Satellitensystems SEVIRI und verbindet sie mit den Daten eines atmosphärischen Disper-sionsmodells. Auf dieser Basis lässt sich vorhersagen, wo und in welcher Konzentration Asche in der Atmosphäre vorkommt. Die SEVIRI-Daten und die Dispersionsmodell-Analyse vom Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 zeigen: Auch während der akuten Eruptionsphase machten die Bereiche hoher Konzentration weniger als zwei Prozent des europäischen Luftraums aus.

Dieses analytische Modell wurde 2011 als Reaktion auf die Eruption des Grimsvötn eingesetzt. Die Sperrungen des Luftraums verringerten sich dadurch deutlich.

Beim den weiteren Tests der AVOID-Technologie werden Airbus und easyJet künftig kooperieren. Als nächste Stufe der Tests soll das System an einem kommerziellen Flugzeug angebracht werden, das in 30.000 ft Höhe fliegt.

Die AVOID-Technologie soll den Zertifizierungsprozess der EASA (European Aviation Safety Agency) durchlaufen und in Serie gefertigt werden. easyJet plant die Einführung der Technologie für einen Teil seiner Flotte ab dem Sommer 2012. Ziel ist es, Betriebsstörungen durch Vulkanasche zukünftig auf ein Minimum zu reduzieren.

easyJet ist davon überzeugt, dass durch rund 100 mit dem AVOID-System ausgestatte Flugzeuge (20 davon von easyJet) eine flächendeckende Messung des europäischen Luftraums erreicht werden kann. "Sicherheit steht an erster Stelle. Daher kam es in den letzten zwei Jahren zu strengen Schließungen des Luftraums als Reaktion auf Vulkanasche", sagt Ian Davies, Technik-Chef bei easyJet. In der AVOID-Technologie sieht er eine Chance, ähnlich umfassende Luftraumsperrungen durch entsprechende Daten zu vermeiden.

Unterdessen halten Vulkanologen einen baldigen Ausbruch des isländischen Vulkans Katla in naher Zukunft für möglich. Im Vergleich zu Eyjafjallajökull und Grimsvötn könnte seine Eruption deutlich stärker sein.



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