07.12.2015
Erschienen in: 07/ 2015 aerokurier

CockpitApps für Tablets

Was passt eigentlich nicht auf diese Träger? Apps über Apps für Tablets schaffen heute dem Piloten der Allgemeinen Luftfahrt eine Rundumversorgung.

Längst gibt es die Anwendungen nicht nur hauptsächlich für das Apple iPad mit dem Betriebssystem iOS. Inzwischen haben die Android-Anwendungen deutlich aufgeholt.

Apps für Tablets und Smartphones helfen schon dem Flugschüler in der Ausbildung und bei der Prüfungsvorbereitung, ermöglichen in Form von Trainingsprogrammen das Kennenlernen komplexer Avionik, unterstützen bei der Flugplanung, der Flugplanerstellung und -aufgabe und bieten im Flug mit GPS-basierter Moving Map ausgereifte Navigationsunterstützung. Mit Zusatzgeräten realisieren sie Primary Flight Displays inklusive Synthetic Vision. Als Electronic Flight Book (EFB) komprimieren sie ganze Luftfahrthandbücher. Aber so viel die Apps auch bieten, allein auf sie verlassen kann man sich im Cockpit nicht. Dem Apple iPad zum Beispiel wird es schnell zu warm. Dann schaltet sich das Gerät in einer Art Selbsterhaltungsfunktion einfach aus. Das iPad muss abkühlen, meldet dann das ansonsten schwarze Display. Die Mitteilung erhält man auch, wenn man sein iPad an einem heißen Sommertag im eigentlich schattigen Cockpit eines Schulterdeckers liegen gelassen hat.

Auf Karten, Routenplanung, Frequenzen – all die Infos, die man so fürs Fliegen braucht – und die Navigationsunterstützung muss man dann erst einmal verzichten. Bei einem längeren Flug können die App-Funktionen auch leicht verloren gehen, wenn vor dem Start nicht darauf geachtet wurde, dass der Akku geladen ist. Es empfiehlt sich zudem, ihn im Flug weiterzuladen.

Von diesen sicherlich ärgerlichen Ausfallmöglichkeiten abgesehen, die sorgsam umschifft werden wollen, findet jeder – vom Flugschüler bis zum IFR-Piloten – eine Fülle an App-Angeboten, die das Theorie-Lernen und die Cockpitarbeit erleichtern. Es gibt die Programme teils kostenlos oder zu geringen Preisen. Professionelle Anwendungen mit verlässlicher Datenbasis lassen sich die Entwickler hingegen gut bezahlen.

Für Flugschüler und Piloten gleichermaßen wichtig ist es, im Funkverkehr in Übung zu bleiben. Unter dem Stichwort ATC findet sich da für die iOS- wie Android-Welt gleich eine ganze Reihe von Apps, die dies unterstützen. Allerdings gibt es sie fast ausschließlich in Englisch.

In den Lern- und Übungsbereich fällt auch iVOR zu 4,49 Euro für iOS. Der Simulator hilft , das Fliegen nach VOR zu trainieren. Das Basiswissen in Sachen VOR-Navigation muss man sich aber zuvor selbst aneignen.

Fernlehrgänge und Tests von Profis

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Für die Rumdumversorgung im Cockpit gibt es inzwischen viele Apps. Foto und Copyright: Müller  

 

Mit professionellem Anspruch hat Peters Software seine Fernlehrgänge fürs iPad konvertiert. Nutzer von EXAM eAcademy finden in der App die Trainings- und Prüfungsmodule zum Selbststudium und zur Simulation von theoretischen Prüfungen zum Erwerb der unterschiedlichsten Lizenzen und Berechtigungen. Mit Grafiken, Audio und Filmsequenzen werden die Möglichkeiten des Mediums genutzt. Der Lernstoff ist so leichter zu erfassen. Die Lern- und Befragungsstände werden konserviert und sind später wieder abzurufen, sodass persönliche Schwachstellen gezielt angegangen werden können.

Geht es ans Fliegen, lassen sich die meteorologischen Bedingungen mit angepassten Webanwendungen und speziellen Apps checken. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet den Upload wesentlicher Informationen auf iOS und Android-Systemen. Bei den meisten Navigationsprogrammen ist der Download von Wetterdaten (Wind, Sicht und Bedeckung) im Übrigen heute längst Standard.

Bei der Erstellung des Flugsicherungs-Flugplans helfen Apps und Websites von RocketRoute und Blitzplan. Dem IFR-Piloten sind sie eine unschätzbare Hilfe. Die Flugrouten werden hier automatisch generiert und geprüft, sie sind damit bei Aktivierung über diese Dienste sofort nutzbar.

VFR-Flugrouten werden vor dem Flugvorhaben komfortabel in den verschiedenen Navigationsprogrammen geplant. Diese Flugpläne brauchen dann nur noch im Cockpit aufgerufen zu werden. Rund um die Kurslinie sind dann die GAFOR-Einstufungen, Stationsmeldungen, Wettersymbole und sogar das Niederschlagsradar zu sehen. Per Mobilfunk lassen  sich die Informationen während des Fluges aktualisieren. Zur Meteo-Info schaffen die professionellen Programme auch Flugsicherungsinformationen aufs Display (NOTAM).

Der Beladeplan mit Gewichtsübersicht und Schwerpunktberechnung ist wie die Treibstoffberechnung entsprechend aktuellem Wind und gewählter Flughöhe ebenfalls Standard guter Navigationsprogramme.

Ein Höhenprofil zeigt an, ob die gewählte Flughöhe zu Konflikten mit Lufträumen führt und gegebenenfalls ausgewichen werden muss. Im Flug wird vor drohenden Luftraumverletzungen und Hindernissen gewarnt. Sind während des Fluges Kursänderungen erforderlich, lassen sich auf den Touchscreens mit einfachem Fingerdruck ganz unkompliziert neue Wegpunkte setzen.

Die Route wird gut sichtbar auf der Karte gezeigt, die eigene Position ist anhand eines Flugzeugsymbols immer klar erkennbar. Dazu werden Flugrichtung sowie die  Geschwindigkeit über Grund und die GPS-Höhe angezeigt.

Alternativ zur Moving Map können auch Flugführungsinstrumente bis hin zum künstlichen Horizont und synthetischer 3D-Darstellung aufs Display geholt werden. Verlässlich wird solch eine 3D-Darstellung aber erst, wenn ein externes, fest mit dem Flugzeug verbundenes AHRS (Attitude Heading Reference System) genutzt wird. Das gibt es schon ab rund 900 Euro.

Über die Anschaffungskosten für eine App hinaus sind gerade bei den professionellen Anwendungen die Folgekosten im Auge zu behalten. Mit Kartenwerken (Anflugkarten, Flugplatzkarten) wird es schnell teuer.

aerokurier Ausgabe 07/2015

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Gerhard Marzinzik


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