11.08.2016
Erschienen in: 08/ 2016 aerokurier

Manufaktur der Moderne60 Jahre Becker Avionics

Als Max-Egon Becker Ende der 40er Jahre seine Radiowerkstatt aufbaut, ist in Deutschland die Fliegerei noch verboten. 1955 fällt das Verbot der Alliierten, und für den passionierten Flieger ist der Weg in die Luft frei. Dank innovativer Avionik wird der Name Becker weltweit bekannt.

Was haben die Piloten eines Eurocopters, einer King Air, einer Hercules, einer PC-12 und einer 172er gemeinsam? Wenn der Lotse fragt: „How do you read me?“, ist es nicht unwahrscheinlich, dass alle dasselbe antworten: „On a Becker.“

Becker Avionics gehört zu den Global Playern der Avionikbranche. Seit Gründung des Unternehmens vor 60 Jahren dreht sich für die Mitarbeiter alles um Bordkommunikation, Such- und Rettungssysteme, Boden-Luft-Kommunikationsgeräte und Air Traffic Management. Die Produktpalette reicht von Bordfunkgeräten und Transpondern für Segel- und Kleinflugzeuge über integrierte GPS-Systeme und komplexe Bordkommunikationsanlagen für Militär und kommerzielle Luftfahrt bis hin zu Bodenfunkanlagen und ADS-B-Sendern. Sogar Boden-Applikationen, um Fahrzeuge im Flughafenverkehr im Blick zu haben, stehen im Katalog.

Bei der Entwicklung arbeitet Becker Avionics eng mit vielen großen Flugzeugherstellern zusammen und vertreibt seine Produkte in alle Welt, 70 Prozent des Gesamtumsatzes stammen aus dem Export. Die Allgemeine Luftfahrt ist eher ein Nebengeschäft, Militäraufträge machen den Löwenanteil der Becker-Produktion aus. So ist Becker Avionics Lieferant der Bundeswehr und anderer Armeen in den Bereichen VHF/FM-Truppenfunk, VHF/AM-Flugsicherungsfunksprechgeräte, Navigationsempfänger, Aufschalt- und Interkommunikationsanlagen sowie Notfunkgeräte für Luftwaffe, Heer und für die Marine. Allerdings profitiert die Qualität der Produkte für die Allgemeine Luftfahrt deutlich von den hohen Militärstandards. Bevor die Geräte die Fertigung verlassen, müssen sie harte Testreihen über sich ergehen lassen.

Bei der Gründung 1956 in Baden-Baden konnte sich die Funkgeräteschmiede auf den guten Namen ihrer Schwesterfirma Becker Autoradio stützen, die in den späten 40ern von Max-Egon Becker gegründet wurde. Durch eine frühe Kooperation mit Mercedes-Benz hatte er sich bereits einen Namen gemacht, fuhr selbst Autorennen und betrieb erfolgreiches Marketing, indem er zu den großen Rennen seine neuen Geräte vorstellte. Als Freizeitpilot und Besitzer einer Bücker war Becker mit der Flugpraxis verbunden und brachte unternehmerische und fachliche Erfahrung mit. Der Schritt von der Radio- zur Flugfunktechnik war daher nicht weit und versprach zudem wirtschaftlichen Erfolg, da 1955 das Flugverbot durch die Alliierten aufgehoben wurde. Nach der Anfangszeit am Flugplatz Baden-Oos und einem Zwischenspiel in Rastatt ab 1982 hat die Firma seit 1994 Stammwerk und Firmenzentrale am Baden-Airpark in Rheinmünster, wo derzeit etwa 90 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Hier werden die Produkte entwickelt und zum Teil auch endmontiert. Darüber hinaus hat Becker heute Produktions- und Entwicklungsstandorte in Frankreich, den USA, Brasilien, Polen, China und Taiwan. „Der Slogan ‚Made in Germany‘ hat für uns als Qualitätshersteller einen hohen Wert“, beschreibt Marketingchef Thomas Knapp das Selbstverständnis der Firma. Viele der Module kämen aus Frankreich, die Einzelteile aus der ganzen Welt, aber die Produkte würden nach wie vor in Deutschland zusammengesetzt. „Wir setzen hochwertige Materialien ein, denn die Anmutung und Zuverlässigkeit – insgesamt die Qualität unserer Produkte – sind uns wichtig.“

Vorsprung durch Einsatz neuer Technologien

Seinen starken Stand in der Avionikbranche verdankt Becker nicht zuletzt zahlreichen Innovationen. Durch die Nutzung moderner Bauteile wie Transistoren anstelle von Röhren und des modularen Aufbaus der Geräte in den 60er Jahren sicherte sich Becker einen Vorsprung auf dem von amerikanischen Firmen dominierten Markt. Von Anfang an seien alle Entwicklungsaktivitäten auf Benutzerfreundlichkeit, geringes Gewicht, geringe Einbaumaße und einfache Bedienbarkeit der Geräte ausgerichtet gewesen, heißt es. Die Zusammenarbeit mit dem Militär brachte anfangs Sicherheit – so gewann Becker mit dem Personal Locator Beacon (PLB) MR 506 eine Ausschreibung für eine Notfunkbake. Bis heute wurde das Gerät tausendfach in mehr als 50 Länder verkauft und wird in weiterentwickelter Form noch heute als MR510 angeboten. Ein weiterer Meilenstein war 2006 die erste digitale zertifizierte Bordkommunikationsanlage für die Allgemeine Luftfahrt, das 

Digital Voice Communication System DVCS 6100, das sich in vielen Cockpits als Standardgerät etablieren konnte. Auch die Funkanlage für den NH90-Helikopter der Bundeswehr, die auf Lichtwellenleiter statt auf Kupferkabel setzt, ist eine Innovation aus dem Hause Becker – zu innovativ für den Zivilmarkt. „Hier gilt eher Reformation statt Revolution“, so Knapp. Auch 2016, 60 Jahre nach Firmengründung und 35 Jahre nach dem Tod von Max-Egon Becker – er verstarb im Alter von 63 Jahren –, gibt es noch immer eine starke Identifikation mit dem Familiennamen Becker. Roland Becker, der nach dem Tod seines Vaters die Leitung übernahm, kommt noch regelmäßig ins Büro und sieht nach dem Rechten, mischt aber nicht mehr im operativen Geschäft mit. Bis 2013 firmierte das Unternehmen als Becker Flugfunkwerk GmbH. Der Schritt ins Englische, zu Becker Avionics, war nicht zuletzt Folge der wachsenden internationalen Märkte. Internationalisiert hat sich auch die finanzielle Seite des Unternehmens: Seit 2012 ist ein Investor von der Arabischen Halbinsel bei Becker „on board“.

aerokurier Ausgabe 08/2016




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