21.02.2013
Erschienen in: 01/ 2013 aerokurier

Tipps für LaternenparkerFlugzeug winterfest machen

Kälte, Regen und Schnee: Im Winter haben Flugzeuge viel auszuhalten. Egal ob sie im Freien oder im Hangar geparkt sind, man kann einiges zu ihrem Schutz tun.

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Harte Zeiten für im Freien geparkte Flugzeuge. Sie vor dem Winterwetter zu schützen, ist nicht so schwer. Foto und Copyright: Müller  

 

Jetzt ist sie da, die kalte, nasse Jahreszeit. Es wird weniger geflogen. Manche legen sogar eine längere Winterpause ein. Für Flugzeuge, erst recht wenn sie kein Dach über dem Kopf haben, bedeutet das Stress. Der Wechsel zwischen niedrigen Temperaturen und wärmender Sonne produziert, wenn auch in kleinen Mengen, Schwitzwasser in den schlecht gelüfteten Rümpfen und Flügeln. Der Avionik ist das auch nicht eben zuträglich. Und für den Motor sind lange Standzeiten erst recht keine Wohltat. Grundsätzlich sollte das Flugzeug einen wirksamen Korrosionsschutz erhalten. ACF 50 oder eine Kombination aus LPS 1 und LPS 3 wird dazu mit Sprühlanzen in die letzten Winkel der Flugzeugzelle eingebracht (siehe auch aerokurier 8/2010). Dabei wird von manchen Experten dem etwas zäheren LPS-System eine längere Haltbarkeit als dem ACF-50-Schutzmittel zugeschrieben, das schneller erneuert werden muss. Doch reicht diese Schutzmaßnahme allein nicht aus. 

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Widerstandsfähige Bezüge, und sei es nur über dem Kabinenbereich, sind eine Möglichkeit zum Schutz des Flugzeugs. Doch sie allein reichen nicht. Foto und Copyright: Müller  

 

Man sollte auch bei einem so geschützten Flugzeug etwas tun, um es nicht zum Korrosion fördernden Feuchtraum werden zu lassen. Erst einmal muss Wasser aus der im Flugzeug eingesperrten Luft „geschöpft“ werden. Einfache Luftentfeuchter, die mittels einer Granulatfüllung in einem Beutel der Luft die Feuchtigkeit entziehen und in einem darunterliegenden Behälter sammeln, erledigen das ganz ausgezeichnet. Man bekommt die kompakten Wassersammler für wenige Euro in jedem Baumarkt, manchmal noch billiger auch bei Discountern. Das Granulat zersetzt sich allerdings, und die Beutel müssen von Zeit zu Zeit erneuert werden. Vorsicht ist im Umgang mit dem aufgefangenen und mit chemischen Bestandteilen der Entfeuchter versetzten Wasser geboten! Erfahrungen haben gezeigt, dass es hoch korrosiv wirkt, wenn es versehentlich in einer Metallzelle verschüttet wird. Eine Alternative sind kleine Säcke mit einem Silikatgemisch. das der Luft die Feuchtigkeit entzieht. Sie sind nicht ganz so leistungsfähig wie die erstgenannten Luftentfeuchter. Dafür kann das Silikatgemisch aber mehrfach verwendet werden. Wenn es seine Sättigungsgrenze erreicht hat, kann es in einem Backofen immer wieder aufgefrischt werden. Die Abwehr nicht nur winterlicher Wetterunbilden von „Laternenparkern“ versprechen auch Schonbezüge. Völlig unumstritten sind sie nicht. Mancher hält es für besser, das Flugzeug ohne einen solchen Schutz zu parken, dafür aber eine gute Durchlüftung zu gewährleisten.

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Korrosionsschutz ist wichtig. Die Mittel werden in alle Winkel der Zelle gesprüht. Foto und Copyright: ISS Protect  

 

Die Kritik ist sicher berechtigt bei selbstgestrickten Lösungen mit auf Maß zugeschnittenen einlagigen Planen. Unter ihnen bildet sich schnell Schwitzwasser. Hinzu kommt, dass das Material oft zu hart ist und für Kratzer im Lack und in der Cockpitverglasung sorgt. So wird aus der vermeintlich schützenden Hülle schnell ein Leichenhemd fürs Flugzeug. Als gute Wahl gelten dagegen professionell entwickelte Schutzbezüge, die meist mehrschichtig aufgebaut sind. Ihr Außenmaterial ist wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv. Jaxida, und ISS Protect, Skygraphics Clima Cover oder die englischen Cambrai Covers sind hier gängige Produkte. Jaxida aus Münsingen verwendet dabei inzwischen ein Sympatex-ähnliches Obermaterial, nachdem es früher Probleme mit dem Außenstoff gegeben hatte. Die innere Lage besteht aus einem weichen Stoff, der Lack und Fenster vor Kratzern schützt. Die zweilagige Hülle soll sogar vor leichtem Hagel schützen. Dabei ist sie nach Angaben des Herstellers mit etwa 3,5 Kilogramm für einen Viersitzer recht leicht. Ähnlich hat Skygraphics aus dem bayerischen Landsberied seine Schutzbezüge aufgebaut. Für ganzjährig draußen geparkte Flugzeuge sind die Clima Cover Heavy gedacht. Sie kombinieren eine Außenhaut aus einem 450 g/m2 schweren Nylon-Silber-Stoff mit einem weichen Flies auf der Innenseite. Skygraphics arbeitet eng mit dem amerikanischen Hersteller Bruce Custom Covers zusammen, der Schnittmuster für über 1000 verschiedene Flugzeugmuster liefern kann. Geradezu „Heavy Duty“-Qualitäten haben die Allwetterbezüge von ISS Protect aus Gingen. Sie sind sogar dreischichtig aufgebaut. Ihre Besonderheit: Zwischen einer nanoversiegelten Außenhaut und der weichen, anitstatischen Innenseite besitzen sie eine Space-Flex Protector genannte Zwischenlage. Dabei handelt es sich um ein 15 Millimeter starkes Polyester-Abstandsgewebe, das sogar Schutz vor stärkerem Hagel bieten soll. In Tests hat die so ausgestattete Schutzhülle den Beschuss mit 25 Gramm schweren und 200 km/h schnellen Hagelkörnern ausgehalten. Zusätzlich sorgt das Abstandsgewebe für eine permanente Hinterlüftung der Plane. Ein solcher Bezug ist naturgemäß schwerer als einfacher aufgebaute.

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Auch bei einem vollständig eingepackten Flugzeug heißt es, Schwitzwasser zu vermeiden. Foto und Copyright: Müller  

 

Deshalb bietet ISS unter anderem am Standplatz des Flugzeugs zu verankernde, wetterfeste Taschen für diese Schutzhüllen an. Nicht nur die Zelle, auch der Motor verlangt eine besondere Behandlung, wenn er die Winterpause gut überstehen soll. Wichtig vor längeren Flugpausen ist ein Ölwechsel. Damit vermeidet man schon mal aggressive Säuren, die sich in einer Emulsion aus altem Öl und darin gebundenem Kondenswasser bilden und für Korrosion im Motor sorgen können. Oft angewandte Praxis ist es, den Motor während längerer Flugpausen regelmäßig per Hand durchzudrehen, um das Öl im Motor zu verteilen. Doch das bringt nichts. Der gewünschte Effekt wird damit nicht erreicht. Bei diesem Prozedere baut die Ölpumpe erst gar nicht den notwendigen Druck auf. Ebenfalls nicht empfehlenswert sind regelmäßige kürzere Standläufe. Bei großer Kälte erreichen die Flugmotoren nicht die notwendigen Temperaturen, um eventuell entstandenes Schwitzwasser verdampfen zu lassen. Wirksamen Schutz für den Motor verspricht dagegen das Befüllen mit speziellen Konservierungsölen vor der Winterpause. Die Motorenhersteller empfehlen sogar schon bei Standzeiten von wenigen Wochen die Verwendung solcher Öle. Damit kommt der Motor korrosionsfrei durch die kalte Jahreszeit.

aerokurier Ausgabe 01/2013




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