29.01.2016
Erschienen in: 05/ 2012 aerokurier

FrühjahrstrainingWarmfliegen in einer Stunde

Wenig geflogen im Winter? Fliegerisch ein wenig steif geworden? Hier ein kleines Programm, das Sie wieder in Schwung bringt.

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Zu zweit macht's mehr Spaß: Am besten fliegt man sich mit einem „Könner" als Co warm. Foto und Copyright: Holland-Moritz  

 

Zu kalt für den Flugplatz, mieses Wetter. Die Zeit des Wenig-Fliegens, bei manchen auch des Nicht-Fliegens ist vorbei. Der Winter ist gelaufen. Vor allem, wer vielleicht in den vergangenen Monaten lieber im Warmen statt im Cockpit saß, hat sich zum Saisonbeginn ein fliegerisches Fitnessprogramm verdient.

Nicht schaden kann es, sich vor dem ersten Start noch einmal einen Blick ins Flughandbuch zu gönnen. Kennt man noch die Geschwindigkeiten für die kürzeste Startstrecke und bestes Steigen? Wie hoch muss der Motor beim Start mindestens drehen? Was ist die Geschwindigkeit für bestes Gleiten im Falle eines Motorausfalls? Das sind nur einige der Werte, die man sich noch einmal ins Gedächtnis rufen kann.

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Zum Warmfliegen gehört eine gute Vor- und Nachbereitung. Das Programm sollte vor dem Start immer abgesprochen werden. Foto und Copyright: Holland-Moritz  

 

Am besten holt man sich noch einen Freund mit ins Cockpit, der sich besonders gut mit dem jeweiligen Flugzeugmuster auskennt, besser noch einen Einweisungsberechtigten oder Fluglehrer. Geklärt werden sollte dabei gleich, wer im Cockpit, falls eine unklare Situation auftritt, das Sagen hat.

Obligatorisch vor dem Trainingsflug: Erst mal das Programm besprechen. Was will man machen? In welcher Reihenfolge? Nichts ist uneffektiver, als ein Training ohne strukturiertes Programm zu fliegen. Bevor es dann los geht, der alte Grundsatz: Niemals ohne Checkliste – vom Ground- bis zum Landecheck! Immer wieder gibt es Menschen, die meinen, alle Punkte im Kopf zu haben. Haben sie nicht, wie jedes Jahr aufs Neue Unfälle beweisen, die ein simples Abhaken von Checkpunkten mit Sicherheit verhindert hätte. Noch ein Grundsatz: Keep cool. So mancher, der länger nicht geflogen hat, neigt zu leichter Nervosität. Sich vor dem ersten Flug mal ins Cockpit setzen und mental das Kommende durchgehen, ist ein gutes Mittel dagegen.

Genug der Vorrede. Wir wollen fliegen. Vor dem Anrollen zum Start noch einmal ein Crosscheck mit den wichtigsten Punkten. Und dann die Fragen: Woher kommt der Wind? Was mache ich bei einem Motorausfall im Startlauf oder nach dem Abheben. Wohin kann ich im Notfall ausweichen? Ist alles beantwortet, kann es losgehen. Schön die Geschwindigkeit für bestes Steigen halten. Und dann raus. Die Freiheit ruft. Nicht gleich Platzrunden drehen. Erstmal sollte Luftarbeit auf dem Programm stehen. Über geeignetem Gelände, dort, wo man niemanden stört, kann man sich in ausreichender Höhe wieder an die Reaktionen des Flugzeugs gewöhnen.

Fangen wir mit simplen Kreisen an. Linksrum und rechtsrum, immer schön die Nase am Horizont langführen und die Höhe halten. Jetzt mal im Kreisen auf eine vorher definierte Höhe steigen. Anschließend wieder auf dem gleichen Weg zurück in die Ausgangshöhe. Anschließend nocheinen Zwei-Minuten-Vollkreis nach dem Turn Coordinator fliegen: Libelle in der Mitte, Flügelsymbol am Strich. Dann sollte das klappen. Der Co sagt anschließend die tatsächlich benötigte Zeit an.

Nun kommt der Langsamflug dran. Erst ohne Klappen, anschließend mit Klappeneinsatz das Flugzeug an den Stall heranführen. Abkippen darf, muss aber nicht sein. Es reicht, zu spüren, dass das Flugzeug gleich nicht mehr fliegen will. Dann das Ganze noch einmal mit Gaseinsatz. Dabei das Vario auf Null halten und das Flugzeug langsam wieder ohne Höhenverlust aus dem extremen Langsamflug herausführen. Eine prima Koordinationsübung, die das Vertrauen ins Flugzeug und zu sich selbst stärkt.

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Hier passt alles. Im Endanflug wird ein gedachter Punkt vor der Schwelle angepeilt. Foto und Copyright: Holland-Moritz  

 

Jetzt noch einmal im Langsamflug ohne und mit Klappeneinsatz kreisen und dabei die Höhe halten. Um das Gefühl dafür zurück zu gewinnen, wie schnell das Flugzeug bei Leerlauf absteigt, kann man auch das noch einmal durchexerzieren. Teil zwei unseres Warmfliegens ist damit beendet. Es kann zurück zum Platz gehen. Schon im Gegenanflug bereiten wir das Flugzeug für die Landung vor: Geschwindigkeit reduzieren, Klappen erste Stufe, Vergaservorwärmung ziehen, richtige Drehzahl zum Halten der Platzrundenhöhe wählen, gegebenenfalls Prop auf kleine Steigung und „drei Grüne“ vom Einziehfahrwerk checken. Habe ich Seitenwind zu erwarten? Spätestens im Endanflug heißt es in der Regel, volle Klappen zu setzen. Frühzeitig einen Punkt etwas vor dem Pistenanfang anpeilen. Stimmt die Geschwindigkeit, passt der Gleitwinkel? Wir erinnern uns: Gleitwinkel mit Gas regulieren, Speed mit dem Höhenruder. Basics, aber trotzdem wichtig. Ist der Endanflug verpatzt und auch nicht mehr zu retten, macht das nichts. Je eher man sich dabei zum Durchstarten entscheidet, umso besser ist es.

War die Landung okay, heißt es, nach dem Abrollen von der Piste erst einmal stehen zu bleiben und das Flugzeug in „Taxi-Stellung“ zu bringen. Mindestens gehört dazu Vergaservorwärmung aus, Klappen einfahren und den Transponder auf Stand-by stellen. Nun noch zwei Platzrunden, dann sollte auch diese Übung sitzen.

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Und so schaut eine gelungene Landung aus Zuschauersicht aus. Passt sie so perfekt wie hier, kann die neue Saison ja kommen. Foto und Copyright: Holland-Moritz  

 

Den Abschluss machen dann noch ein oder zwei Ziellandeübungen. Sie kennen es sicher noch. In 2000 ft über der Schwelle Gas rausnehmen, Vergaservorwärmung ziehen und die Geschwindigkeit und Klappenstellung für bestes Gleiten wählen. Dann geht es in einem großen Bogen und ständig die Postion und Höhe zum Aufsetzpunkt beobachtend nach unten. Dabei lieber etwas weiter im Landefeld aufsetzen als zu kurz kommen. Klappt auch dies einigermaßen, sollte man eigentlich wieder fit für weitere entspannte Flüge sein.

Doch damit ist das kleine Trainingsprogramm noch nicht beendet. Genauso wichtig wie die Vorbereitung ist die Nachbereitung des eben Erlebten. Was hat prima geklappt, was könnte man künftig noch einmal üben? Wer sich darüber klar ist, hat schon mal einen wichtigen Schritt für seine ganz persönliche Flugsicherheit getan. Viel Spaß beim Trainieren.

aerokurier Ausgabe 05/2012




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