12.09.2012
aerokurier

Kartenproduktion bei der DFSDie Kartenmacher

Bis im Frühjahr die neue ICAO-Karte im Maßstab 1:500000 erscheinen kann, haben die Kartenspezialisten der DFS eine Flut von Daten bewältigt. Zuweilen ist detektivische Kleinarbeit gefordert, um an die aktuellste Information zu kommen. <br />

Zuweilen melden sich Piloten bei der DFS und weisen auf vermeintliche Fehler in der populären ICAO-Karte 1:500000 hin. Ein  „Klassiker“ dabei: Windräder sind nicht eingezeichnet. Etwa 20 solcher Hinweise von Piloten auf vermeintliche Fehler gehen im Jahr im „Sachgebiet Luftfahrtkarten“ der DFS ein. Hier gilt die Erklärung, dass nur solche Hindernisse symbolisiert werden, die höher sind als 100 m über Grund. Für Deutschland bedeutet dies, dass von den zirka 22000 Windrädern etwa ein Zehntel auf der 1:500000er-Karte zu finden ist.

Hinweise von Kartennutzern würden stets „sehr ernst“ genommen, versichert Hartmut Wiethaup, Leiter der Kartenproduktion im „Büro der Nachrichten für Luftfahrer“ bei der DFS. Immer wieder lösen sie geradezu detektivische  Kleinstarbeit aus. Wenn es zum Beispiel von Eisenbahnstrecken heißt, sie seien mittlerweile stillgelegt, so werden auch schon mal Fahrpläne durchforstet, um die Behauptung zu bestätigen oder widerlegen. Es ist auch schon vorgekommen, dass in besonders hartnäckigen Fällen Kartenmacher der DFS in ein Flugzeug steigen, um Veränderungen in der Landschaft mit eigenen Augen zu sondieren.

Manchmal wissen die Kartenmacher mehr, als sie in der Karte preisgeben können. Zum Beispiel dann, wenn sich auf einem Segelfluggelände eine andere Frequenz eingebürgert hat. Hier lautet die Maßgabe für die Kartendarstellung: Die neue Frequenz kann erst dann erscheinen, wenn sie offiziell beantragt und genehmigt wurde und eine Urkunde der Bundesnetzagentur und Genehmigung des Bundeaufsichtsamtes für Flugsicherung vorliegt.

14 hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich im Sachgebiet Luftfahrtkarten als Teil des Büros der Nachrichten für Luftfahrer (NfL) der DFS in Langen um Frequenzen und eine Flut anderer Informationen, um die unterschiedlichen Kartenprodukte auf einem stets aktuellen Stand zu halten. Es sind diplomierte Kartografen, Geografen und Geodäten darunter, technische Zeichner und Flugdatenbearbeiter.
Die DFS hat  alleine in Deutschland 76000 Luftfahrthindernisse in ihrer Datensammlung registriert. Hinzu kommen 22000 weitere im benachbarten Ausland. 2400 deutsche Flugplätze sind in der Datenbank erfasst, 1900 Landebahnen, 13000 Luftraumsegmente , 270 Funknavigationsanlagen, 2600 Routen und 6600 Wegpunkte. Mit Hilfe dieser aeronautischen Datenbank entstehen unter anderem 205 IFR-Flugplatzkarten, 711 VFR-Sichtflugkarten, 658 VFR-Flugplatzkarten und 300 Karten für das Ausland. Insgesamt sind es gut 2600 Karten und Grafiken, die die DFS herstellt. Ein Spezialfall ist die VFR-Karte im Maßstab 1:500000 für die Niederlande. Diese amtliche Karte stellt die DFS seit 2010 im Auftrag der niederländischen Flugsicherung LVNL her. Es ist eine ICAO-Karte, so wie fast alle von der DFS vertriebenen Karten ICAO-Karten sind, nicht nur die 500000er-Sichtflugkarte als das wohl bekannteste Produkt.
Für alle Bauwerke oder Veränderungen, die einer luftrechtlichen Genehmigung bedürfen, gibt es klar vorgezeichnete Wege: über die Landesluftfahrtbehörden erfährt die DFS immer davon. Für alle Informationen gilt: sie tauchen erst dann in der Karte auf, wenn sie amtlich sind.

Ein grundlegender Schritt bei der Kartenherstellung ist die Erarbeitung einer Topographie. Die Kartenabteilung der DFS verwendet eine eigene, in mühevoller Kleinarbeit hergestellte Topographie, die speziell auf die Bedürfnisse von Piloten abgestimmt ist.

In dieser Phase der Kartenherstellung ist sehr viel Handarbeit im Spiel. Die ausgewählten Straßen etwa werden mit der Hand, sprich: mit der Maus, glattgezogen. Oder Textfelder werden manuell so platziert, dass sie möglichst gut lesbar sind und keine anderen Symbole überdecken. Alle Arbeitsschritte werden dokumentiert und sind später jederzeit nachvollziehbar.

Bei dem Druck schließlich kommt ein technisch anspruchvolles Acht-Farben-Verfahren zur Anwendung. Um auch kleinste Farbabweichungen auszuschließen, werden die acht Farben in einem Durchgang gedruckt. Etwa eine Woche braucht die Druckerei, um die komplette Auflage der 500000er zu drucken. Stolz ist man bei der DFS auf das Papier, das eigens für die DFS-Karte wird.

Mindestens 600 Doppelfalzungen hält es nach ISO 5626 aus, was für ein Papierprodukt ein sehr langes Leben bedeutet. Andererseits gibt es ja in jedem Frühjahr eine frische Karte, und des wäre doch schade um die viele Arbeit, die in jeder neuen Ausgabe steckt.


Häufig gestellte Fragen

Warum fehlt der UL-Platz auf der Karte?

In Absprache mit den Landesgehmigungsbehörden werden nicht sämtliche UL-Gelände dargestellt.

Warum ist das Hindernis nicht dargestellt?

Die DFS kennt 5400 Hindernisse und Hindernisgruppen in Deutschland. Es werden entsprechend § 14 LuftVG nur solche dargestellt, deren Höhe über Grund mehr als 100 m beträgt. Etwa 2200 Windräder (von 22000) sind auf der Karte 1:500000 verzeichnet. Insgesamt sind etwa zehn Prozent aller Hindernisse dargestellt.

Warum ist der Platz auf der Karte, aber es gibt es keine Sichtanflugkarte in der AIP?

Es werden nur Sichtanflugkarten von Flugplätzen publiziert, die öffentlich anfliegbar sind. 

Warum wird nicht die tatsächliche Pistenlänge genannt?

Auf der ICAO-Karte wird nicht die Pistenlänge dargestellt, sondern die kürzere Landestrecke der längsten (befestigten) Bahn.

Die aufgedruckte Frequenz ist falsch(?)

Es werden nur Frequenzen veröffentlicht, für die eine Frequenzurkunde des Bundesnetzagentur vorliegt (AIP VFR Gen 0-17).




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