11.11.2015
Erschienen in: 11/ 2014 aerokurier

Edles aus ThüringenTragschrauber Rotorvox C2A

Der Rotorvox C2A aus Obermehler möchte sich als Premiumprodukt für Piloten mit höchsten Ansprüchen etablieren. Der Blick auf den Prototyp macht Lust auf mehr.

Für einen studierten Fahrzeugbauer sollte es eigentlich ein Traumjob sein, im Rennstall eines renommierten Automobilherstellers zu arbeiten. „Ist es auch, denn wir haben nicht nur entwickelt, sondern auch weltweit erprobt“, bestätigt Ronald Schoppe. Und weil dabei immer wieder Hubschrauber eingesetzt wurden, begann er sich auch für die dritte Dimension zu interessieren. „Ich analysierte Vor- und Nachteile und suchte nach besseren Alternativen“, erzählt der 43-jährige Ingenieur, dessen Favorit schließlich der Tragschrauber wurde. 

In seiner Freizeit befasste er sich mit den am Markt etablierten Gyrokoptern und kam zu dem Ergebnis, dass es hier noch erhebliches Verbesserungspotenzial gibt. „Wenn du Konstrukteur bist, dann versuchst du, überall zu optimieren“, begründet Schoppe seinen Entschluss, eine Firma zu gründen und selbst einen Tragschrauber zu bauen.

Rotorvox profitiert von Erfahrung im Rennsport

Auf die Frage, warum er sich als Fahrzeugspezialist für die Entwicklung eines Tragschraubers geeignet hält, führt er viele Gemeinsamkeiten mit dem Rennsport an. So sind sich beispielsweise die Sicherheitsstrukturen, der zielgerichtete Einsatz von Carbon und die Aerodynamik bei den Zellen sehr ähnlich. Flugspezifische Strömungsverhältnisse bleiben aber die Sache von Spezialisten. „Uns kommt es darauf an, dass sich der Tragschrauber in Qualität und Design vom Massenprodukt abhebt.“ 

Da man für die Entwicklung eines Tragschraubers mit einem siebenstelligen Investitionsvolumen rechnet, mussten neben Eigenmitteln und staatlicher Förderung auch noch eine Reihe von Investoren gefunden werden. 

Im März 2011 war es so weit: Ronald Schoppe gründete das Start-up-Unternehmen GGC GmbH mit Sitz im thüringischen Obermehler. Der 32-jährige René Pilz steht ihm bei flugtechnischen Angelegenheiten und bei der Erprobung zur Seite. Acht weitere Angestellte befassen sich mit Konstruktion und Berechnung, Dokumentation und Realisierung der Pläne. Unmittelbar neben dem Flugplatz Obermehler konnte das Unternehmen 3600 Quadratmeter Fläche samt Gebäudebestand erwerben und begann im Herbst 2013, nach Erteilung der vorläufigen Verkehrszulassung, mit der Flugerprobung unter der Führung des DULV.

Der Rotorvox C2A ist ein Side-by-Side-Sitzer der 560-Kilogramm-Klasse, dessen Zuladung über 200 Kilogramm liegen wird. Auf den ersten Blick dominieren die weichen Linien der weit nach vorne gezogenen und üppig verglasten Zelle. Markante Stummelflügel nehmen die Räder auf, die in Längsrichtung gefedert sind. Besonders auffällig ist das weit auseinandergezogene Fahrwerk für optimale Kippstabilität am Boden. Vom Fahrwerk aus führt der doppelte Leitwerksträger zum Heck. Die gesamte Struktur, einschließlich dem Mast, ist aus Kohlefaser aufgebaut. 

Das Vorrotationssystem für die Rotorblätter von Averso arbeitet hydraulisch. Die elektrische Trimmung um zwei Achsen erfolgt über einen Vierwegetaster am Steuerknüppel. Angeschoben wird der Rotorvox C2A derzeit vom turbogeladenen Rotax 914 (85 Kilowatt/115 PS), der einen starren Dreiblattpropeller von DUC antreibt. Bis zu 90 Liter können getankt werden.

Bequemer Einstieg, tolle Rundumsicht

Das Einsteigen gestaltet sich dank der weit nach vorne aufklappbaren Kabinenhaube und den gebogenen Steuerknüppeln auch für große Menschen unkompliziert. Einmal Platz genommen, gibt es ungewöhnlich viel Beinfreiheit. Die Rundumsicht ist optimal und wird auch nicht durch den Instrumentenpilz beeinträchtigt. Dieser trägt derzeit nur analoge Anzeigen, aber digitale Versionen sind bereits vorgesehen. Auf dem Overhead-Panel liegen die Sicherungen und Schalter, an der Rückwand die Bremse für den Rotor.

aerokurier Ausgabe 11/2014

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Toni Ganzmann


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