05.01.2017
Erschienen in: 12/ 2016 aerokurier

Offener Side-by-Side-SitzerPilot Report: Trixy Spirit

Tragschrauber mit offenem Cockpit gibt es einige, bislang aber nur als Tandem. Mit dem Spirit macht Trixy nun den Weg frei für das luftige Nebeneinander.

Wenn man eine Weltneuheit präsentiert, dann braucht das auch einen entsprechenden Rahmen, erklärt Rainer Farrag, Inhaber von Trixy Aviation. Und der „Spirit“ ist in der Tat solch ein Novum. Zweisitzige Tragschrauber mit offenem oder geschlossenem Cockpit, in denen man hintereinander sitzt, gibt es schon lange. Auch geschlossene Side-by-side-Sitzer sind keine Seltenheit mehr. Doch einen offenen Tragschrauber, in dem man nebeneinander sitzt, gibt es mit offizieller Zulassung erst seit dem 8. Oktober. Damit das offizielle Roll-out auch eine adäquate Vorstellung bekommt, lud der Unternehmenschef über 300 honorige Gäste aus Luftfahrt, Wirtschaft und Politik an den Flugplatz Slovenske Konjice, 75 Kilometer nordöstlich von Ljubljana, ein.

Rassiger Sportwagen mit Rotorblättern

Im Gegensatz zu den Tragschraubermodellen der Mitbewerber kann man das Design des Spirit mit dem eines rassigen Sportwagens vergleichen. Er ist sehr flach und hat vor jedem Sitzplatz eine separate Windschutzscheibe. Der dreiseitig abgestrebte Mast trägt auf halber Höhe einen mit einem Zusatzgebläse gekühlten, 120 PS starken Zweizylinder-Boxermotor mit BMW-Technologie und das von Trixy erprobte und ausgereifte Rotorsystem mit fester Vorrotationswelle. Push-Pull-Kabelzüge, die mit einem Steuerknüppel auf der Mittelarmlehne verbunden sind, ersetzen das sonst übliche Steuergestänge.

Das Platzangebot ist bei beiden Sitzen enorm, und selbst große Menschen bekommen ihre Beine problemlos unter das Panel. Sitzt man zu zweit im Flieger, gibt es keine Berührung mit der Nachbarschulter. Der rechte Arm des Piloten kann entspannt auf der Mittelarmlehne liegen und den Steuerknüppel führen, ohne beim Ziehen mit dem Ellbogen an die Rückwand zu geraten. Am Stick selbst befindet sich neben der elektrischen Trimmung auch der Handhebel für die hydraulische Bremse des Hauptfahrwerks. 

Die Motorleistung regelt man über ein Drehgas an der linken Seite des Panels. Auf der Instrumententafel sind standardmäßig Kombiinstrumente für Flugbetriebsdaten und das Funkgerät platziert. In der Mitte befinden sich die Sicherungen sowie ein Farbdisplay mit Anzeigen für Motorbetriebsdaten. Im hinteren Bereich der Mittelkonsole liegt der Tankwahlschalter und an der Rückwand das Schaurohr für den Tankinhalt.

Die Gewichtsbilanz des mit 560 Kilogramm zugelassenen Tragschraubers ist bemerkenswert: Die Leermasse beträgt 264 Kilogramm. Rechnet man für zwei schwergewichtige Insassen 200 Kilogramm und addiert für den vollen 80-Liter-Tank 60 Kilo, verbleiben ungefähr 30 Kilogramm für Gepäck. Dafür ist reichlich Platz vorhanden: Unter der Schnauze gibt es ein leicht zugängliches Staufach, außerdem je eines hinter den beiden Rückenlehnen und hinter den Sitzen noch einen aufklappbaren Kofferraum.

Rekordzeit bis zur Zulassung

Der Trixy Spirit erfüllt nicht nur die Bedingungen der deutschen Bauvorschrift (BUT), sondern auch die Regeln der englischen Section T. Alle Belastungstests hat er problemlos bestanden. Selbst mit etwa zehn Prozent Überschreitung der Lastforderungen entstanden keine Deformierungen oder Beschädigungen.

Wie bei den anderen Trixy-Entwicklungen schafften Rainer Farrag und seine Crew auch beim Spirit wieder eine Rekordzeit bis zur Erteilung der vorläufigen Verkehrszulassung. „Wir haben vor genau einem Monat mit dem Bau der Form begonnen, und jetzt, nach nur vier Wochen, fliegt die Maschine!“, stellt Davorin Podpecan, der Betriebsleiter des Unternehmens, stolz fest. Denn in dieser kurzen Zeit ein Luftfahrzeug durch das umfangreiche Zulassungsverfahren bis zum Erstflug zu bringen, ist eine ungeheure Leistung. Die ersten Rollversuche führte der Werkspilot Dr. Michael Ullrich am Nachmittag vor dem feierlichen Roll-out durch. Gegen Abend waren dann schon kurze Flüge entlang der Startbahn in niedriger Höhe möglich, und am nächsten Vormittag gestattete das Feintuning bereits ausgiebige Platzrundenflüge. Nachmittags konnten die Gäste den Trixy Spirit schließlich im endgültigen Outfit bei Demonstrationsflügen bewundern. Auch der wolkenlose Himmel begünstigte ein optimales Gelingen der Veranstaltung.

Damit der Gyro bei schlechten Wetterlagen nicht am Boden bleiben muss, ist als Zusatzausstattung neben einer Heizung auch ein speziell entwickelter Mantel erhältlich, der sich mittels Klettbandsaum mit der Zelle verbinden lässt. So bleiben Innenraum und Besatzung warm und trocken.

Bemerkenswert am neuen Trixy ist auch der avisierte Preis: Der Spirit soll in der flugfertigen Basisausstattung netto weniger als 40 000  Euro kosten.

aerokurier Ausgabe 12/2016



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