07.07.2015
Erschienen in: 12/ 2014 aerokurier

Ultraleichte mit TurboPilot Report: Savage Cruiser Turbo

Runways are optional. Mit diesem Slogan bewirbt Konstrukteur Pasquale Russo die Savage, deren Design sich an der legendären Piper Cub orientiert. Jetzt gibt’s das UL mit Turboantrieb. Ein Garant für maximalen Spaß?

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Savage – viele Liebhaber dieses Flugzeugs sprechen seinen Namen besonders vornehm aus, als käme er aus dem Französischen. Aber kein Dictionnaire kennt dieses Wort, denn Savage ist ein englischer Begriff und bedeutet: Wilder, Rüpel, Rohling. Der Name erscheint angemessen. Mit einer Savage fliegt man nicht zu Geschäftsterminen, ihre Domäne ist eine ganz andere: kleine Flugplätze mit Graslandebahnen, alpines Gelände, im Extremfall sogar Gletscher oder auch Flussbetten. Bereits mit den 100 Pferdestärken des Rotax 912 S motorisiert, beeindruckt die robuste Savage mit respektablen Start- und Steigleistungen. Startrollstrecken von 80 bis 100 Metern sind kein Fliegerlatein, auch nicht bei maximaler Startmasse.

Tom Huber, der Musterbetreuer der Savage für Deutschland und Österreich, hat als Pilot in den letzten Jahren mehrmals demonstriert, was dieses Flugzeug alles zu leisten vermag. 2008 landete er – werbewirksam für die gesamte UL-Bewegung – auf der Zugspitze. 2009 folgte ein nächstes Highlight: Er begleitete die Motorrad-Rallye „Sahara Masters“ und sorgte für deren logistische Unterstützung aus der Luft. Ebenfalls legendär: der F-Schlepp eines Wakeboarders im Flussbett des Po.

Logisch, dass es Tom Huber reizte, die Savage auch mit dem Turbo-Rotax 914 zu motorisieren und die UL-Baureihe mit einem Topmodell zu krönen. Eine Startleistung von nunmehr 115 PS (85 kW) sowie die Souveränität des Turboladers auch unter Hot-and-High-Bedingungen, darin sah er jenes Quäntchen an Performance, das einem höchst anspruchsvollen Flugbetrieb gerade noch gefehlt haben könnte. Es erfolgte der „Roll-out“ der D-MCAT, die als erstes Flugzeug die neue Werkstatthalle am oberbayrischen Flugplatz Antdorf verlassen hatte. Öffentlich zu bewundern war sie erstmals – in ihrem unverwechselbaren Janosch-Look – auf der AERO 2014. Seit Juli desselben Jahres besitzt die Turbo-Savage ihre deutsche Musterzulassung.

Äußerlich sieht man der neuen Savage nicht an, welche enorme Entwicklungsarbeit nötig war, um das Flugzeug zur Serienreife zu bringen. Der Turbo-Rotax wiegt acht Kilogramm mehr als seine konventionellen 912er-Kollegen, und leider genau an der falschen Stelle, denn alle Savage-Flugzeuge neigen von jeher zur Kopflastigkeit. Also musste das Junkers Rettungssystem im Leitwerksträger so weit nach hinten versetzt werden, bis die Balance wieder stimmte. Eine Gewichtsersparnis erzielte Tom Huber vor allem durch den Einbau leichterer und dennoch stabiler Sitzschalen aus GFK sowie durch eine LiFePo-Batterie, die nur ein Kilogramm wiegt. Diese und eine Reihe weiterer Diätmaßnahmen haben bewirkt, dass die D-MCAT trotz ihrer großen Ballonräder nur 308 kg Leergewicht auf die Waage bringt.

Das zweite große Thema war die Modifikation der Motorhaube. Drei zusätzliche Einlässe, rechts und links sowie an der Oberseite, befriedigen den erhöhten Bedarf an frischer Luft. Das Instrumentenbrett wartet mit ein paar Turbo-typischen Besonderheiten auf: Anzeigen und Warnleuchten sorgen für die Kontrolle des Ladedrucks und der Abgastemperatur. Unter einer roten Klappe sitzt der Schalter zum Deaktivieren des Ladedruckreglers (TCU). Erhebliche Fluktuationen von Ladedruck und Drehzahl wären die Symptome, sollte die TCU nicht korrekt arbeiten. Wie jeder Kolbenmotor mit Turbolader, will auch der Rotax 914 gefühlvoll bedient werden, damit es nicht zum Overboost kommt.

Um dies auch im Flugbetrieb der D-MCAT zu vermeiden, setzte Tom Huber eine pfiffige Idee denkbar einfach in die Praxis um. An der Kulisse des Gashebels sitzt nun ein unauffälliges Formteil aus Plexiglas. Es schränkt den Weg in Richtung Vollgas um die letzten zwölf Millimeter ein und verhindert so, dass man dem Motor unbeabsichtigt zu viel Ladedruck aufhalst. Für Huber ist diese Vorsichtsmaßnahme von großer Bedeutung, da er sein Flugzeug auch zur Schulung einsetzt und gelegentlich verchartert. Erst wenn man den Riegel seitwärts wegdreht, ist der Jugendschutz aufgehoben und der Turbo-Rotax läuft zu Hochtouren auf.

Kein Eindruck gründet so tief wie ein Vergleich. Darum habe ich mich – als mehrjähriger Savage-Pilot – mit großer Neugier auf die erste Live-begegnung mit der „Turbo-Katze“ gefreut. Die beiden Kontrolllämpchen der TCU leuchten kurz auf und melden somit den Selbsttest dieser Systemkomponente. Der Motor springt sofort an und läuft, das spüre ich jetzt schon, wohltuend vibrationsarm.


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