16.11.2015
Erschienen in: 06/ 2015 aerokurier

120-kg-KlasseRoland Aircraft Z120 Relax

Roland Aircraft mischt ab sofort in der 120-kg-Klasse mit. Die Z120 Relax ist eine komplette Neuentwicklung und technisch viel raffinierter, als es der erste Eindruck vermuten lässt.

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Die Z120 Relax vereint eine Menge Know-how in nur 120 Kilogramm Leermasse: Ausgelegt ist sie als freitragender Ganzmetall-Schulterdecker, unter ihrer Cowling steckt ein 35 PS (26 kW) starker Wankelmotor des Krefelder Herstellers Woelfle, und in der Luft soll sich das Leichtgewicht wie ein ausgewachsenes Flugzeug anfühlen. „Wir haben bei diesem Projekt ganz schön viel über Leichtbau gelernt“, sagen Judith und Roland Hauke, die beiden Eigentümer von Roland Aircraft. Seit gut drei Jahren arbeitet das zehnköpfige Team am Standort Mendig an dem leichten Einsitzer. 2012, als das Projekt seinen Lauf nahm, stand noch nicht fest, wohin die Reise in der 120-kg-Klasse genau gehen wird. Aus heutiger Sicht hat sich der unternehmerische Mut gelohnt. Die technischen Eckdaten für die Leichten Luftsportgeräte sind abgesteckt, es gibt Richtlinien für die Ausbildung, und immer mehr Flugzeuge drängen auf den Markt. Der Zeitpunkt, mit der Z120 einen Mitbewerber in solider Metallbauweise zu etablieren, ist gut.

Von Anfang an war ein freitragender Schulterdecker gewünscht, der leer nicht mehr als 120 Kilogramm wiegen durfte. „Um dieses Ziel zu erreichen, mussten wir um jedes Gramm feilschen“, sagt Roland Hauke. Zum Einsatz kommt ein extrem dünnes und damit sehr leichtes, gleichzeitig aber auch extrem festes Blech. Mit diesem Werkstoff kennt sich der Flugzeugbauer aus Mendig aus. Verarbeitet wird das Rohmaterial im eigenen Haus mit Hilfe einer computergesteuerten Fräse. Von Hand gesetzte Bohrungen für die Endmontage sind damit nicht mehr nötig. 

Auch bei den übrigen Elementen verfolgt man die Philosophie, möglichst viel im eigenen Haus zu fertigen. „Angesichts der kleinen Stückzahlen würde sich eine Zusammenarbeit mit Zulieferern kaum lohnen“, sind sich die beiden Haukes sicher. Zu speziell und zu hoch sind die Anforderungen an die einzelnen Teile. So sind die Felgen eigens für den Einsatz in dem 120-kg-Einsitzer entwickelt worden. Auch die hydraulischen Scheibenbremsen stammen aus eigener Fertigung. „Wir haben jetzt die leichtesten Bremsen am Markt“, sagt Roland Hauke. Die Felgen hätten sich als sehr robust erwiesen, so dass sie jetzt auch bei den Doppelsitzern zum Einsatz kommen sollen. 

Ganz ohne fremde Hilfe ging es dann aber doch nicht. Der Motor kommt vom Krefelder Wankel-Spezialisten Woelfle Engineering. Knapp 19 Kilogramm wiegt das 35 PS (26 kW) starke Kraftpaket, das sich bereits in Trikes bewährt hat. Für Roland und Judith Hauke eine Vernunftentscheidung: Ein Zweitakter lässt sich heutzutage nur schwer an den Kunden bringen, während die kleinen Viertakter, die aktuell in der 120-kg-Klasse zum Einsatz kommen, oft schwer und dabei eher schwach auf der Brust sind. Der Woelfle-Wankel platziert sich zwischen beiden Welten: Er ist sehr laufruhig, arbeitet nach dem Viertaktprinzip, tankt aber Gemisch. Mittels einer Untersetzung werden die hohen Drehzahlen von bis zu 7000 U/min auf ein für Propeller geeignetes Niveau reduziert. Eine Besonderheit ist die Fliehkraftkupplung: Erst ab einer bestimmten Drehzahl greift sie und lässt den Zweiblatt-propeller drehen. Dieser stammt wiederum aus dem eigenen Haus.  

Als Ende vergangenen Jahres die Belastungstests anstanden, war die Anspannung groß. Doch die Konstruktion hielt, was die Berechnungen versprachen. 1,6 Tonnen lasteten beispielsweise auf den Flügeln. Der Rumpf zeigte anfangs eine Schwachstelle am Leitwerksträger, an der jetzt zusätzlich Verstärkungen für die notwendige Festigkeit sorgen. 300 Kilogramm Abflugmasse, getestet bis 6 g, soll die Z120 Relax aushalten. 

Im Laufe der Entwicklungsarbeiten waren immer wieder Änderungen notwendig. Die Flügel waren ursprünglich kleiner ausgelegt. Um die Forderungen in Sachen Flächenbelastung aus den Bauvorschriften LTF-L zu erfüllen – erlaubt sind nur maximal 25 Kilogramm pro Quadratmeter –, bekamen sie nachträglich ein neues Profil mit größerer Tiefe. In den Flügeln ist auch der 25 Liter fassende Tank untergebracht. 

Das Fahrwerk erwies sich zunächst als nicht optimal. Seine Lage wurde verändert, und auch die Einstiegsschwelle ist jetzt niedriger. Die gekürzten Beine des Prototyps wirken derzeit noch wenig elegant, doch die Auslegung für die Serie ist jetzt gefunden. Das letzte Wort hatte dabei Judith Hauke, die sich beim Probesitzen mehr Komfort gewünscht hatte.


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Patrick Holland-Moritz


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