23.01.2014
aerokurier

Probleme und Lösungen in der 120-kg-KlasseDeutschland und die 120-kg-Frage

Aus der einst als Modell für einfaches Fliegen gedachten 120-kg-Klasse ist ein bürokratisches Ungetüm entstanden. Der „Verband zur Förderung motorisierter Leichter Luftsportgeräte“ geht auf die Probleme ein – und präsentiert einen Lösungsvorschlag.

Weller Uli V2

Roman Wellers Uli V2 hat die Musterprüfung Ende 2013 bestanden. Foto und Copyright: Weller Flugzeugbau  

 

Unsicherheit und Verwirrung herrscht bei Piloten und Herstellern rund um die 120-kg-Klasse. Zentrales Problem ist die Anerkennung europäischer UL-Zulassungen in Deutschland für Leichte Luftsportgeräte (LL) – Airsport, der tschechische Hersteller des Motorseglers Song, hat diesen Weg im vergangenen Jahr als erster beschritten. Deutsche Hersteller sehen sich dadurch gegenüber zur internationalen Konkurrenz benachteiligt. Für sie ist eine Musterprüfung nach LTF-L ist zurzeit ohnehin nicht mehr möglich. Die befristete Berechtigung des DAeC ist Ende 2013 ausgelaufen, eine neue Prüfstelle ist noch nicht in Sicht.

Welche Muster- oder Gerätezulassungen eines europäischen Partnerlandes muss ein 120-kg-Dreiachser vorweisen, damit er ohne Musterprüfung gemäß LTF-L in Deutschland „wie“ ein Leichtes Luftsportgerät betrieben werden darf?

Paragraph 11 LuftGerPV (Verordnung zur Prüfung von Luftfahrtgerät) regelt den Nachweis von Lufttüchtigkeitsforderungen für alle Kategorien „Leichter Luftsportgeräte“, also Dreiachser und gewichtskraftgesteuerte Geräte mit den zwei Unterkategorien „Schirm“ und „Fläche“. In Absatz 4 heißt es:

"(4) Muster- oder Gerätezulassungen eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder eines Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum sind unmittelbar gültig und ersetzen die Prüfungen nach den Absätzen 1 und 2."

Schon die Formulierung „wie“ hat eine spezielle Bedeutung. „Als“ Leichtes Luftsportgerät darf nur ein Gerät bezeichnet werden, das die Musterprüfung tatsächlich durchlaufen hat.

Die Lufttüchtigkeitsforderungen sind bei den gewichtskraftgesteuerten Kategorien für die „Leichten Luftsportgeräte“ und die „großen“ ULs identisch – bis auf das 120 kg-Limit beim Leergewicht. Allein das entscheidet, ob ein Gerät ein zulassungspflichtiges UL ist oder die Freiheiten eines deregulierten Leichten Luftsportgeräts genießen darf.

Bei den Dreiachsern gibt es dagegen für Leichte Luftsportgeräte eigene Bauvorschriften. Diese LTF-L unterscheiden sich in mehreren Eckwerten von den Bauvorschriften für „große“ ULs, die LTF-UL aus dem Jahr 2003. Insbesondere geht es um die Flächenbelastung und um die Mindestgeschwindigkeit.

Kompliziert wird die Angelegenheit durch den zitierten Absatz 4 des § 11 LuftGerPV, der den europäischen Warenaustausch erleichtern soll. Als „Muster- oder Gerätezulassungen“ gelten europäische Zulassungen, die mit dem Gedanken der nationalen 120-kg-Klasse vergleichbar sind.


WEITER ZU SEITE 2: Deutsches Luftrecht in der Zwickmühle

1 | 2 | 3 | 4 | 5 |     
Mehr zum Thema:
Michael Anderson (VMLL)/pat


Weitere interessante Inhalte
Bestes Wetter, beste Stimmung Jubiläumstreffen: 25. Sachsenmarathon

27.07.2017 - 72 Ultraleichtflugzeuge, drei Länder und rund 1130 Kilometer in der Luft – die Höhepunkte der 25. Auflage des Sachsenmarathons. … weiter

ICON A5 Leitender Ingenieur stirbt bei Absturz

09.05.2017 - Ein Amphibienflugzeug von ICON Aircraft ist in der Nähe des Testgeländes des Herstellers verunglückt. Beide Insassen sind bei diesem Unfall ums Leben gekommen. … weiter

Überladung Luftrecht: Vertrag oder Gefälligkeit?

29.04.2017 - Ein UL verunglückt mit zwei Personen an Bord, der Pilot stirbt. Im Rechtsstreit um Ansprüche des Mitfliegers haben Gerichte nach sieben Jahren ein Urteil gefällt. … weiter

GP 15 Jet A AERO 2017: Peszke Glider steigt in Rennklasse ein

07.04.2017 - GP Glider beschränkt sich nicht mehr auf ULs und auf die 13,5-Meter-Klasse. Auf der AERO zeigt der polnische Hersteller mit Produktionsstätten in der Slowakei ein Modell für die Rennklasse, die GP 15 … weiter

In Eisenach geht's weiter AERO 2017: Flight Design präsentiert neues LSA in Friedrichshafen

07.04.2017 - Dass der vor allem für seine ULs bekannte deutsche Flugzugbauer auch die Echo-Klasse kann, hat er bereits mit der CTLS-ELA bewiesen. Nun kommt ein neuer Tiefdecker hinzu. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

aerokurier 08/2017

aerokurier
08/2017
28.06.2017

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Faszination: Die besten Fotos aus sechs Jahrzehnten Fliegen
- Zukunft der General Aviation: Elektroflug und Urban Mobility
- Wahre Legenden: Zehn Fluggeräte der Superlative
- Praxis: Überleben auf hoher See
- Pilot Report: Piper M350 im Test

Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:

aerokurier Online-Markt

Be a pilot