22.01.2014
aerokurier

LuftraumverletzungenUnd immer sind es angeblich Segelflieger

Es ist fast schon ein Automatismus: Geht es um unangemessenes Verhalten im Luftraum, werden gleich einmal Segelflieger verdächtigt. So auch im Spiegel-Online-Bericht über ein Ufo in Bremen, das den Luftverkehr beeinträchtigt hat.

HortenIV_cockpit

Sieht fast danach aus, ist aber kein UFO: Cockpit der Horten IV. Foto: gema  

 

In einem Interview zu diesem Bericht hat DFS-Mitarbeiterin Kelek zum Besten geben, dass man schon mal „verirrte Segelflieger“ hätte, aber Ufos bisher noch nicht. Nicht nur Torsten Beyer sieht darin eine bodenlose Unverschämtheit. Er hat der DFS seine Verärgerung in einem Brief mitgeteilt. Bezeichnend ist die Antwort der DFS-Pressestelle auf die Kritik von Torsten Beyer.

Brief an die DFS
Torsten Beyer schrieb: …, ich muss schon sagen, ich bin einigermaßen verärgert über Ihr Interview im Spiegel Online. Sie sagen dort: „Es kommt schon mal vor, dass sich ein Segelflugzeug verirrt“. Was wollen Sie der Öffentlichkeit damit suggerieren? Dass Segelflieger unvorbereitet in der Weltgeschichte rumfliegen – der Realität scheint es nicht zu entsprechen, wenn ich mir die BFU Berichte durchlese. Das würde zweifellos zu Ihrer Kampagne passen, mit der Sie in Dortmund, Münster und Paderborn gegen die Spielregeln des AUL verstoßen und gegen zum großen Schaden der Allgemeinen Luftfahrt TMZs in Lufträume D umwandeln.

Oder gibt es andere sachliche Gründe, eine Luftsportart besonders hervorzuheben? Sie hätten ja auch darüber sprechen können, wie häufig Airliner im Luftraum E die dortigen Spielregeln verletzen (siehe Hahn, Lübeck Blankensee, Dortmund). Oder über UL- oder E-Klasse Piloten, die sich „verirren“. Oder darüber, dass auch Ihre Lotsen niemals fehlerfrei arbeiten. Wie auch – es sind überall ganz normale Menschen am Werk.

Warum ausgerechnet Segelflieger? Mir scheint, Ihr Unternehmen hat –  nicht zuletzt durch die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schießenden TMZs zum ersten mal realisiert, dass wir Segelflieger mit zirka zwei Millionen Flugbewegungen fast so viele Flugbewegungen im unteren Luftraum vollführen, wie die von Ihnen im wesentlichen betreuten kommerziellen Luftraumteilnehmer (2,1 Millionen waren es 2011 laut ADV) und das passt natürlich nicht so recht ins Weltbild eines Unternehmens, dass sich gern als den Gralshüter in Sachen Flugsicherheit darstellt. Für die Masse der Flugbewegungen sind Sie das nicht.
Ich persönlich würde eine Entschuldigung an die Adresse der 32000 Segelflieger für eine derartige sprachliche Verfehlung für angemessen halten.“

"Es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen"
Der Leiter der Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Axel Raab, schrieb als Antwort: „Sehr geehrter Herr Beyer, ich erlaube mir, Ihre Email an meine Mitarbeiterin, Frau Kelek, zu beantworten:
Wenn Frau Keleks Äußerung im spiegel-online-Interview Sie verärgert hat, weil sie sich möglicherweise diskriminiert fühlen, dann tut uns das leid. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es keineswegs so gemeint war. Frau Kelek hat mit keiner Silbe behauptet, dass Segelflieger unvorbereitet in der Weltgeschichte rumfliegen. Sie hat die Frage der spiegel-online-Redakteurin, ob denn so ein Vorfall oft vorkomme, ganz klar verneint. Auf weiteres Nachfragen hat sie dann das Beispiel mit dem Segelflieger genannt, was keinesfalls diskriminierend ist, sondern die Realität darstellt. Ich selbst bin mittlerweile seit 40 Jahren bei der Flugsicherung, davon 20 Jahre als Fluglotse und muss Ihnen leider sagen, dass solche Luftraumverletzungen öfter vorkommen , als Sie es sich vermutlich vorstellen können, auch durch Segelflieger. Daher hat die DFS erst vor kurzem eine diesbezügliche Pressemeldung herausgegeben, die ich Ihnen als Anlage zur Kenntnis gebe. Es handelt sich in dieser Meldung hierbei natürlich generell um VFR-Verkehr und nicht nur um Segelflieger. Aber ein Segelflugzeug eignete sich in dem vorliegenden Fall gut als Beispiel, da es meist nicht auf dem Radar angezeigt wird, wie es im Vorfall in Bremen auch der Fall war.

Es gibt keinen Grund, sich bei 32000 Segelfliegern zu entschuldigen, da wir nicht einen von diesen beleidigt haben. Wenn Sie sich diesen „Schuh anziehen“, dann ist das m. E. Ihr persönliches Problem und nicht unseres.“ Soweit Axel Raab von der DFS.

Ganz schön frech
Torsten Beyer ist nach diesem Briefwechsle beeindruckt von der Chuzpe dieser Firma. Er will wirklich durchaus nicht alle über einen Kamm scheren, „wir alle kennen ja aus dem täglichen Umgang mit den Lotsen viele positive Beispiele. Aber wie viel kritische Selbstreflektion, wie viel Bereitschaft, auch die Meinung des anderen zu akzeptieren, kann man überhaupt noch aufbringen, wenn man so über sich denkt?“

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Gerhard Marzinzik



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