25.09.2015
Erschienen in: 08/ 2014 aerokurier

Offene KlassePilot Report: Lange Aviation Antares 23T

Ihren Einstand hat die Antares 23 noch als Prototyp bei der Weltmeisterschaft 2012 gegeben und gleich mit Superleistungen überzeugt. Jetzt konnte das Serienmodell zeigen, ob es auch über die Steuerungscharakteristik verfügt, die den guten Ruf der Antares-Muster begründet hat.

IN DIESEM ARTIKEL

Bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Texas flog die Antares 23T noch mit dem Rumpf und dem  Leitwerk des Elektromotorseglers Antares 20E. Dem Briten Peter Harvey gelangen mit diesem Prototyp gleich drei Tagessiege und die höchste Geschwindigkeit dieser Weltmeisterschaft überhaupt. Am siebten Wertungstag hatte er 553 Aufgaben-Kilometer mit schwindelerregenden 161 km/h zurückgelegt.

Seine Leistungsfähigkeit hat Langes Renner damit schon bewiesen. Bei dem Superwetter in Texas kam der Hauptvorteil dieses kleinen Offene-Klasse-Schiffs in der T-Version voll zur Geltung: die hohe maximale Flächenbelastung von 58 kg/m2. Für diese Flächenbelastung müssen die insgesamt zwölf einzeln ansprechbaren Flügeltanks mit 353 Litern Wasser gefüllt werden, das beste Gleiten liegt dann bei einer Vorfluggeschwindigkeit von 148 km/h! Notfalls kann die Antares 23 auch langsamer, in schwächsten Bedingungen kann sie mit 32 kg/m2 geflogen werden. Auch dann liegt das beste Gleiten, das Lange Aviation mit 60 angibt, noch bei vorteilhaften 115 km/h.

In der Serienversion hat die Antares 23 jetzt ein angepasstes Seitenleitwerk erhalten. Die Veränderung gegenüber dem Rumpf des Ausgangsmusters besteht in einem um 25 Zentimeter in die Höhe gewachsenen Seitenruder.

Auch der Flügel stammt von der Antares 20E. Die Spannweite wurde im inneren Bereich mit rechteckigem Grundriss um je 1,5 Meter vergrößert. Diesen Bereich hat Konstrukteur Axel Lange in weiser Voraussicht angelegt. Er hat die Verkleinerung der Antares 20E für die 18-m-Klasse und jetzt die Vergrößerung ermöglicht, ohne dass sich dabei negative Auswirkungen auf den Flügelgrundriss ergaben. Die Antares mit kleineren wie größeren Spannweiten verfügen über den leistungsoptimalen, superelliptischen Grundriss.

Im Cockpit unterscheidet sich die Antares 23T nicht von der kleinen Schwester 18T. Die Sitzposition lässt sich mit den vertikalen wie horizontalen Verstellmöglichkeiten der Sitzschale optimal an die Körpergröße anpassen. Die Bedien-elemente liegen dann allesamt in bequemer Reichweite und führen bei Betätigung nicht zum Anecken mit dem Ellbogen. Die Neigung der Rückenlehne lässt sich ebenfalls noch im Flug anpassen.

Für den Flug mit der ersten Antares 23T, die Hartmut Lodes in Mühldorf zur Verfügung stellt, hat sich am Pfingstsamstag brütend heißes Sommerwetter eingestellt. Nur weit im Süden über den Alpen zeichnen Wolken den Himmel. Der Schlepp in die erhoffte Blauthermik führt durch bedenklich ruhige Luft. Ein bloßer Abgleiter wird dann doch nicht draus.

In einer Warmluftblase am Abbruch zum Inntal kann ich die Antares wieder auf rund 1000 Meter über Grund aufkurbeln. Ohne Verzögerung folgt sie den Ruderausschlägen und lässt sich so zielgenau ins Steigzentrum bringen. Auch mit ihren 23 Metern Spannweite ist die Antares ein wendiges Flugzeug geblieben. Wie von der Antares 20E gewohnt, erfordert die leichtgängige Steuerung nur kleine Bewegungen aus dem Handgelenk heraus. Der steife Flügel teilt gut mit, wo es hebt.

Als schweißtreibend erweist sich unter der großen – eine hervorragende Sicht ermöglichenden – Haube die volle Sonneneinstrahlung. Das Auffinden und schnelle Zentrieren der Blauthermik wird rasch zum Spiel. Dabei zieht die Antares, einmal in einem runden Bart platziert, weiter ihre Kreise ohne ein Nachsteuern zu erfordern.

Die Vergrößerung des Seitenleitwerks zahlt sich aus. Ein ein wenig längerer Seitenruderausschlag ist  notwendig, um ein sauberes Drehen zu erreichen. Im Vergleich zu den notwendigen Seitenrudereingaben bei den großen Offene-Klasse-Flugzeugen bleibt er minimal.

Im Langsamflug gibt sich die Antares 23T gutmütig. Bei stetig reduzierter Fahrt verschwindet der Horizont weit unterhalb des Bugs, und rappelnde Motorraumklappen weisen auf den überzogenen Flugzustand hin. Die Antares ist bis dahin noch voll steuerbar. Das gilt für den Geradeaus- wie für den Kurvenflug.


WEITER ZU SEITE 2: Offene Klasse

1 | 2 | 3 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Gerhard Marzinzik


Weitere interessante Inhalte
Lange Aviation Autoschleppstarts mit der Antares 18T

13.11.2015 - Lange Aviation macht ernst mit der Zulassung der Antares 18T für den Autoschlepp. Im Oktober wurden auf dem Flugplatz Reinsdorf ausgiebig Testflüge absolviert. … weiter

Aufgefrischt Lange Aviation mit neuem Webauftritt

26.10.2015 - Zu High-Tech-Flugzeugen gehört ein ebenso aktueller und frischer Webauftritt. Ganz in diesem Sinne ist jetzt der Webauftritt von Lange Aviation in neuem Design online gegangen. … weiter

Turbo der neuen Generation Pilot Report: Lange Aviation Antares 18T

21.10.2015 - Für die Entwicklung der Antares 18T hat sich Lange Aviation Zeit genommen. Ob sich der Aufwand des Herstellers mit dem neuen Turbo gelohnt hat, beantwortet unser Pilot Report. … weiter

Motorsegler im Arbeitseinsatz Antares als Beobachtungssystem

19.01.2015 - In der Verbrechensbekämpfung, bei Entführungsfällen, Drogenhandel oder der Beobachtung von Vorbereitungen terroristischer Aktivitäten sind hoch aufgelöste Echtzeit-Luftbilder und Live-Übertragung … weiter

Euroglide 2014 In vier Tagen durch Europa

27.06.2014 - Die ersten Teilnehmer der Euroglide 2014 sind schon im Ziel. Nach dem Start am Montag, 23. Juni, bewältigten vier Teilnehmer die 2500-km-Strecke in den Süden Deutschlands, über die Schweiz nach … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

aerokurier 12/2016

aerokurier
12/2016
23.11.2016

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Pilot Report Me 262
- Reise: Südwest-Frankreich
- Pilot Report Remos GXiS
- Trixy Spirit
- Flugzeug einmotten
- Ventus Generation 3
- Fliegen über der Kalahari

Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:

aerokurier Online-Markt

aerokurier iPad-App