12.07.2013
aerokurier

Meteo JuniJuni für den Streckensegelflug sehr viel besser als erwartet

Nach einem sehr durchwachsenen Mai hingen alle Hoffnungen am Juni – dem einzigen Monat dieser Saison mit zehn Wochenendtagen.

Satbild 20.06.2013

Der 20. Juni hatte richtig was zu bieten, riesige Gewittercluster und Bedingungen für 1000-km-Strecken.  

 

Ein Blick auf die Klimazahlen lässt am Juni 2013 nichts Ungewöhnliches erkennen. Die Temperaturen und die Sonnenscheinstunden trafen fast punktgenau das statistische Mittel. Anders verhielt es sich aber mit dem Niederschlag: Es waren extreme Abweichungen in beide Richtungen zu beobachten.

Wenig einheitlich zeigte sich dann auch das Segelflugwetter: Im Gegensatz zum Frühjahr hatte vor allem der Norden das Nachsehen, immer wieder wurde er von Tiefdruckgebieten heimgesucht. Die guten Tage waren dort rar. Der Süden profitierte dagegen häufiger von guten Bedingungen.

Der Monat begann mit einer Nullnummer: Bis 2007 lassen sich die OLC-Listen zurückverfolgen, und noch nie gab es in der Saison zwischen Mai und August einen Wochenendtag, an dem nicht wenigstens ein paar Flüge gemeldet wurden. Samstag, der 1. Juni 2013, war erstmals einer – punktgenau zum meteorologischen Sommeranfang.

Der Monat schickte sich dann an, das Versäumte – auch der Vormonate – aufzuholen. Bereits am 2. Juni standen als Bestleistung mehrere Flüge über 800 km in den Wertungslisten: Kaltluft, Hochdruck, kräftiger Wind, aber auch Reihungen bot der Rückseitentag im Nordwesten. Die Flugspuren zogen vom Niederrhein entlang der im Nordwind aufgereihten Cumuli bis ans Ijsselmeer. Die punkthöchste Strecke war 704 km lang und wurde von Max Mensing (LS1-f) von Stadtlohn aus geflogen. Von den Temperaturen her wenig sommerlich, von den Bedingungen her aber deutlich besser waren die Tage zwischen dem 5. und 8. Juni. Zwar etablierte sich über Skandinavien ein Hoch, immer wieder schafften es aber Tiefs zu stören, was Vorhersage und Streckenwahl nicht gerade einfacher machte. Thermisch absolut lohnend war die Luftmasse allemal.

In einem Fernduell West versus Süd fielen die 1000er gleich in Folge. Den Anfang machte Wilfried Großkinsky (Nimbus 4M) am 5. Juni von der Dahlemer Binz aus. Kein klassisches Dreieck, aber eine weit aufgezogene Fläche brachten in der Summe knapp 1000 Punkte im OLC.
Auch der Norden hatte einen guten Tag. Hier orientierten sich die Flüge mehr an den Reihungen. Oliver Springer flog mit seiner ASG 29 von Bad Zwischenahn im Jojo über 900 km.

Der 6. Juni war der erste gute Tag im Süden. Geflogen wurden gleich mehrere 1000er. Patrick Puskeiler war mit dem „gräflichen“ Nimbus 4 auf den klassischen Linien unterwegs und landete nach 1067 km wieder auf der Hahnweide. Die Nase vorn hatte aber Alexander Späth, der 929 km mit einem Discus 2 absolvierte.

Mit einem Hang zur Labilität war der Folgetag dort nicht mehr so gut – dafür aber wieder über Eifel und Sauerland. Wieder setzte Wilfried Großkinsky die Topmarke. Mit Kraftwerksunterstützung waren es am Ende 1032 km.

Umgekehrte Verhältnisse herrschten am 8. des Monats: Jetzt kochten die zentralen Mittelgebirge über, während über Schwarzwald und Alb mit 2- bis 3/8 Cu die Thermik zeichnete. Mit 920 km holte Patrick Puskeiler den Tagessieg in den Süden. Mit 1378 Flügen war dieser Sonntag der Tag mit den meisten Meldungen – ein Zeichen für die Großräumigkeit des Wetters, auch wenn drei verschiedene Luftmassen über Deutschland lagen.

Nach dieser guten ersten Woche brachte der schwache Einfluss eines langsam nach Osten wandernden Hochs vor allem für den Osten und Südosten gute Bedingungen: Das gute Wetter verlagerte sich sukzessive von Nord nach Süd. Zwischen Elbe, Müritz und Oder erreichte Martin Werner (ASH 25) am 10. bereits knapp 800 km. Das gute Wetter zog am Folgetag etwas weiter nach Süden. Gerd Kalisch nutzte es über Sachsen und Südost-Polen für einen Flug über 819 km. Am 12. flog Wolfgang Clas 850 km über das Erzgebirge und vor dem überentwickelnden Bayerischen Wald.
  
Die anrückende Front, vor der die Gewitter hochkochten, läutete erneut keine richtige Pause ein. In einigen Regionen konnte trotz Überentwicklungen oder Ausbreitungen weiter geflogen werden.

Kräftige Warmluftadvektion sorgte ab dem 16. verbreitet für hochsommerliche Temperaturen. Seinen Höhepunkt fand die Hitzewelle am 19. Die Außentemperaturen ließen sich mit dem Fieberthermometer messen. Unter solchen Bedingungen sind die orografisch stark strukturierten Gebiete im Vorteil, während man im Flachen brütet und keinen Anschluss an die Thermik findet. Über den Alpen wurden denn auch die größten Strecken geflogen. Die Maximalstrecken lesen sich wie eine stetig steigende Fieberkurve: 920 km am 17., am 18. knapp 800 km, erneut 930 km am 19. und schließlich über 1000 km am 20. von Mathias Schunk und Reinhard Schramme.

Dass an dem Tag nicht einmal 30 Flüge den Weg in den OLC fanden, zeigt, wie sehr er auf der Kippe stand. Vor einem Kaltlufttropfen über Frankreich labilisierte die Luftmasse immer mehr und entlud sich schließlich in kräftigen Gewittern. Das Satellitenbild vom 20. Juni zeigt eindrucksvoll gleich mehrere Gewitter-Cluster von der Nordsee bis in den Bayerischen Wald. An einigen Orten fielen in wenigen Stunden höhere Niederschlagsmengen als sonst im ganzen Monat.

Die Hitzetage waren damit erst einmal gezählt. Von Nordwesten brach die Kaltluft wieder durch und sorgte noch einmal für gutes Wetter. Das Wochenende 22. und 23. brachte unter leichtem Hochdruck gute Bedingungen. Am weitesten flog Michael Schlaich von Winzeln aus: 820 km über Schwarzwald, Odenwald und Alb.
  
Damit hatte der Juni mehr gebracht, als man von ihm (vor allem im Süden) erwartet hatte. Nach einer guten Woche Pause gab es zwar noch einmal gut fliegbares Wetter, an die Toptage reichte das aber nicht mehr heran.

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Bernd Fischer/ma



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