09.08.2015
Erschienen in: 07/ 2013 aerokurier

Gegen den TrendFlugzeugreport: Binder Elektro EB 29DE

Der „Sport-Doppelsitzer“ von Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau: die EB 29DE mit Elektroantrieb – ein Doppelsitzer mit wenig mehr Ausmaß als ein Einsitzer. Die Idee dahinter: doppelsitzig fliegen mit den Leistungen eines Einsitzers.

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Der Familienbetrieb in Ostheim vor der Rhön ist immer wieder für eine Überraschung gut. Laufend hält er seine Palette an Offene-Klasse-Flugzeugen auf technisch aktuellem Stand. Zum Doppelsitzer EB 28 kam die „edition“ und der Einsitzer EB 29 für den scharfen Wettbewerbseinsatz. Michael Sommer wurde damit Deutscher Meister und Weltmeister, Markus Frank Europameister.

Welches Potenzial in diesem Flugzeug steckt, hat Walter Binder, der mit Oliver Binder den Betrieb führt, nun – ganz im Gegensatz zum Trend zur Miniaturisierung der Offene-Klasse-Flugzeuge – mit einer kleinen Vergrößerung gezeigt: der Modifikation des Einsitzers zum sportlichen 1+1-Sitzer. Und gleich dazu mit einem elektrischen Antriebssystem, das satte Reserven bereithält. Die Initiative für dieses Flugzeug kam von Willi Balz. Der hatte schon geholfen, mit dem Arcus E einen Elektromotorsegler aus der Wiege zu heben. Er wünschte sich ein eigenstartfähiges Elektro-Segelfl ugzeug, das nach dem Start noch über reichlich Akkukapazität verfügt. Es sollten mehrere höhere Steigflüge und damit eine praxisgerechte große Reichweite möglich sein.

Walter Binder konnte in dieser Forderung nichts Unmögliches erkennen. Im Flügel der EB28/EB29 steckten schon alle Voraussetzungen, er verträgt dank 16,5 m2 Flügelfläche in der Version mit 28,3 m Spannweite und sehr großer Streckung (48) durchaus hohe Flächenbelastungen. Selbst in schwacher Thermik steigt eine schwere EB 29 noch gut. Das zeigte sich Ende Mai bei dem Probeflug mit der EB 29DE zwischen Rhön und Thüringer Wald unter aufgeblasenen, wässrigen Cumuli.

Anstelle von Wasserballast und Benzin nehmen die Innen- und Mittelflügel des sechsteiligen Tragwerks der EB 29DE 170 kg Lithium-Ionen- Akkus der neuesten Generation von Panasonic auf. Im Vergleich zur Version mit dem Klapptriebwerkssystem mit Solo-Motor, die Ende Mai als EB 29D zum Erstflug kam, wurde die EB 29DE nicht gleich um diesen Betragschwerer. Das Antriebssystem mit dem flüssigkeitsgekühlten Emrax- Elektromotor von Enstroj fällt deutlich leichter aus als das konventionelle System mit Verbrennermotor. An Mehrgewicht stecken in der EVersion denn auch „nur“ 110 kg.

Ein Gewichtsproblem hat die EB 29DE nicht. Die Zulassung soll für eine maximale Flugmasse von 900 kg erfolgen, dann können in den Doppelsitzer zwei 100 kg schwere Piloten ins Cockpit steigen. Nur für den Wettbewerbseinsatz muss sich die Besatzung bescheiden, dort gilt eine Obergrenze von 850 kg.

Die Sorge, dass das Auf- und Abrüsten des Elektroflugzeugs zur Herausforderung wird, relativiert Walter Binder rasch mit einem Vergleich: „Die Teilflügel mit den Akkus sind nicht schwerer geworden als der Innenflügel der neuen kleinen Offene- Klasse-Flugzeuge.“

Sollten allerdings tatsächlich zwei 100-kg-Piloten ins Cockpit steigen wollen, wird es eng. Walter Binder spricht bei der EB 29DE deshalb auch nicht von einem Zweisitzer, sondern von einem 1,5-Sitzer. Die Einschränkung leuchtet sofort ein, wenn man sich vergegenwärtigt, dass zwei Piloten unter der Haube des Einsitzers Platz nehmen müssen. Den Platz für zwei Piloten hat eine Verlängerung im Mittelbereich des Cockpits um gerade einmal 25 cm und eine Aufdickung um rund zwei Zentimeter ergeben. Im Unterschied zum Einsitzer sitzt der Pilot jetzt steiler, während der Copilot oder Gast etwas in den Rumpf versetzt Platz findet.

Die Piloten, die das Cockpit entern oder besser gesagt, sich die EB 29D „anziehen“, fliegen auf Tuchfühlung. Einen Teil des Cockpits müssen sie gemeinsam nutzen. So streckt der Copilot, um hinten unterzukommen, seine Füße weit nach vorn, seitlich am Vordermann vorbei bis in den Bereich von dessen Oberschenkeln und kann sie dort auf kleinen (demontierbaren) Seitenruderpedalen abstellen. Walter Binder und ich haben bei unserem Flug damit kein Problem.


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