25.07.2016
Erschienen in: 07/ 2016 aerokurier

Ausbilder im CockpitFluglehrer an gewerblichen Flugschulen

Ohne sie kommt niemand in die Luft – die Fluglehrer. In der Vereinsfliegerei im Ehrenamt, arbeiten die Fluglehrer in der gewerblichen Luftfahrt freiberuflich oder in Festanstellung.

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In der gewerblichen Luftfahrt arbeiten Fluglehrer freiberuflich oder in Festanstellung. Foto und Copyright: Frank Martini  

 

Wenn du dir so viele Wegpunkte auf der kurzen Strecke raussuchst, ist das sicher gut für deine Orientierung. Aber alle in den Flightlog einzutragen, bringt dich gleich in der Luft nur in unnötigen Stress“, sagt Moritz vom Heede beim Briefing zu Lena Meurer. Die 22-Jährige absolviert bei TFC Käufer eine Ausbildung zur Verkehrsluftfahrzeugführerin und ist gerade in der Basisausbildung auf einer Cessna 152. 

Zwölf Flugstunden und ihre erste Soloplatzrunde hat sie bereits hinter sich, heute geht es an ihren ersten kurzen Überlandflug von Essen/Mülheim zum nur wenige Flugminuten entfernten Flugplatz Dinslaken – Schwarze Heide. Etwa eine Stunde hat sich Moritz zuvor Zeit genommen, mit Lena die Flugvorbereitung durchzugehen und ihr Tipps für die einzelnen Schritte zu geben. Lena ist eine von drei Flugschülerinnen, die der angestellte Fluglehrer derzeit durch die praktische Ausbildung bis zur PPL(A)-Prüfung führt.

Über den PPL zum ATPL

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Lernfortschritte individuell anpassen: Für Moritz vom Heede heißt das auch Zeit für theoretische Fragen und eine intensive Flugvorbereitung. Foto und Copyright: Frank Martini  

 

TFC Käufer, als Vertragsschule von airberlin, Aerologic und Condor einer der größten Pilotenausbilder bundesweit, bietet in integrierten ATPL-Kursen die Möglichkeit, auf dem Weg zum Verkehrspiloten schon mal den PPL(A) zu erwerben. Gut 130 Flugschüler hat das Essener Unternehmen derzeit in Ausbildung, sie werden von Moritz und neun weiteren festangestellten Kollegen betreut – unterstützt von einem Pool freiberuflicher FIs. Unterrichtet wird in Kursen von etwa zwölf Schülern, die die Lehrer für die praktische Ausbildung in Gruppen von drei bis vier Personen aufteilen. Im Theorieunterricht deckt der 29-Jährige das Fach Meteorologie ab. Die Verzahnung von Unterricht und praktischer Basisausbildung ist für ihn ein entscheidendes Qualitätsmerkmal seines Berufs: „Wenn ich einen Schüler vom ersten Tag an durchgehend betreue, kann ich den Lernstoff individuell angepasst systematisch aufbauen.“ 

Neben den eigenen Lizenzen und dem Spaß an der Fliegerei gehört die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Charaktere einzulassen, für Moritz vom Heede zu den wichtigsten Voraussetzungen für seinen Beruf. So verschieden die Anwärter sind, ist die Fähigkeit des Ausbilders, Stärken und Schwächen zu erkennen, elementarer Teil seiner Verantwortung als FI. Vor einem Jahr hat er seine Stelle als Fluglehrer bei TFC Käufer angetreten. Die Lehrberechtigung hat er 2012 während seiner eigenen ATPL-Ausbildung erworben, die er nach Erhalt seiner Segelfluglizenz mit 17 Jahren angetreten hatte. Für ihn ein effizienter Weg zu einem Job im Cockpit – auch ohne Anstellung als Pilot bei einer Airline. 

Die Lehrberechtigung kann man bereits als Privatpilot mit 200 Flugstunden, 150 davon als PIC, erwerben. Hinzu kommen neben einer zehnstündigen Instrumentenflug­ausbildung ein Theorielehrgang, die Praxisausbildung sowie die Theorieprüfung zum CPL beim LBA. Alles Schritte, die der junge Fluglehrer in seiner Ausbildung zum Verkehrsluftfahrzeugführer bereits absolvierte. Als Ausbilder von Flugschülern nur bis zum LAPL würde hingegen der PPL sogar ohne die CPL-Theorie ausreichen. 

Schüler bis zur ATPL-Prüfung durchgehend zu begleiten erfordert dagegen deutlich umfangreichere Berechtigungen. Denn nach der Basisausbildung inklusive PPL-Prüfung folgt auf den anschließenden ATPL-Theorieblock mit großer LBA-Prüfung wieder eine praktische Phase – die IFR-Ausbildung auf einer Einmot. An die schließt sich die MEP-Schulung bis zur praktischen Prüfung zum CPL-IFR-MEP an. Dafür erweitert der junge Fluglehrer gerade seine Lehrberechtigung als MEP-FI. In diesem letzten Ausbildungsabschnitt wird die Praxis in der Luft mit dem Training auf Airbus- und Boeing-Simulatoren kombiniert, einer weiteren Facette des Berufs als Fluglehrer für Verkehrsluftfahrtführer. 

Mehrheit arbeitet freiberuflich

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Vom Cockpit in einen der Essener Airbus-Simulatoren: ein Kollege Moritz vom Heedes beim Training mit zwei fortgeschritteneren ATPL-Anwärtern. Foto und Copyright: Frank Martini  

 

Mit dem Erwerb der Berufspilotenlizenz mit IFR-Berechtigung und MEP Class Rating und der zuvor absolvierten ATPL-Theorieprüfung schließen die Schüler ihre Ausbildung bei Käufer ab und haben die Basis für einen Cockpitjob bei einer Airline in der Tasche. Weil der für Moritz vom Heede nach seiner ATPL-Ausbildung nicht in Sicht war, entschied er sich für den Weg als hauptberuflicher Fluglehrer. „Viele Kollegen nehmen auch erst mal einen Kabinenjob an oder verdingen sich als Ramp Agent“, so der 29-Jährige, der sich stattdessen für den Cockpitjob als FI entschied: „Natürlich ist es nach wie vor mein Ziel, für eine Airline zu fliegen. Dabei möchte ich mir die Tätigkeit als Trainer aber aufrechterhalten.“ 

Seine jetzige Arbeit als hauptberuflicher Fluglehrer bei einer der größten deutschen Schulen für die Verkehrsluftfahrt könnte sich dafür als wichtiger Pluspunkt erweisen. Denn bei den Fluggesellschaften wird die weitere praktische Pilotenausbildung mit ihren Type Ratings von erfahrenen Kapitänen mit Lehrberechtigung durchgeführt. Die haben einen Arbeitsvertrag als Piloten, festangestellte Fluglehrer gibt es dagegen auch bei den Airlines nicht allzu viele. So ist der überwiegende Teil von Moritz’ Kollegen auch freiberuflich tätig, nicht wenige von ihnen gleich an mehreren Flugschulen. Fluglehrer im Hauptberuf ist also eine recht schmale Nische – aber immerhin eine zusätzliche, sein Geld auch ohne Anstellung als Verkehrsluftfahrzeugführer oder Berufspilot im Cockpit zu verdienen. Für ehemalige Airliner zum Beispiel ist es daher ein Weg, der Fliegerei beruflich verbunden zu bleiben. So auch für Axel Goyke: Früher als Flugingenieur bei der LTU im Cockpit, deckt der Freiberufler heute 8 der insgesamt 14 Theoriefächer bei TFC Käufer ab.

Beruf Fluglehrer

Die Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 Jahren, der CPL oder der PPL mit CPL-Theorieprüfung und mindestens 200 Flugstunden, von denen 150 als Pilot in Command absolviert worden sein müssen. Hinzu kommen mindestens 10 Stunden Instrumentenflugausbildung sowie die Fluglehrerausbildung mit einem 125-stündigen Theoriekurs und 30 Flugstunden Praxis bei einer ATO.

aerokurier Ausgabe 07/2016



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