15.01.2008
aerokurier

Undichte TankdeckelUndichte Tankdeckel: Geschlossen, aber nicht dicht

Der Tankdeckel ist an sich ein unscheinbares Bauteil. Wie existenziell wichtig er ist, zeigt sich, wenn er vergessen wird oder undicht ist.

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 Einer der teuersten Flüge von Bonn-Hangelar zum wenige Flugminuten entfernten Köln/Bonner Verkehrsflug kostete etwa 100 Liter Avgas. Der Pilot einer Cessna 182 registrierte kurz nach dem Start einen phänomenal hohen Verbrauch und entschloss sich zur sofortigen Landung. Und tatsächlich: Der Tankdeckel fehlte und der Luftstrom hatte eine große Menge Treibstoff aus dem Tank gesaugt. Zum Glück war der Pilot so umsichtig, die Tankuhren auch zu Beginn seines Fluges zu beobachten.

In einem anderen Fall kam der der Pilot einer PA-28 gar nicht erst über die Platzrunde hinaus. Am Rollhalt wartende Piloten hatten gesehen, dass der Tiefdecker beim Start eine Fontäne hinter sich herzog. Und so rollte der PA-28-Pilot nach wenigen Minuten erneut zur Tankstelle, wo er auch den liegengebliebenen Tankdeckel wieder in Empfang nehmen konnte.

Vergessene Tankdeckel standen am Beginn einer Fehlerkette, die zum Absturz einer Beech C90A in Werneuchen führten. Dieser Unfall ist im aerokurier 8/2007 beschrieben. Aber auch ein scheinbar korrekt aufgeschraubter Deckel kann zur gefährlichen Leckstelle werden. In den Akten der BFU ist ein Vorgang dokumentiert, der unter die Rubrik "Kleine Ursache, große Wirkung" fällt und der leicht in einem schweren Unfall hätte enden können:

Beim Öffnen des linken Tankdeckels an einer Cesssna 182 Turbo RG brach der Spannbügel ab. Der Deckel ließ sich zwar noch schließen, aber der Bügel konnte nicht mehr umgeklappt werden und wurde daher im Flugzeug verstaut. Bei der nächsten Vorflugkontrolle wurde dieser Schaden bemerkt, aber als unbedenklich eingeschätzt, da der Tank verschlossen aussah. Für den Start und den Reiseflug wähltendie Piloten die Tankschaltung "beide". Bereits nach 15 Minuten Flugzeit fiel ihnen ein unnatürlich schneller Abfall der rechten Tankanzeige auf, während der linke Tank laut Anzeige randvoll war. Nach der Landung zeigte sich, dass die Cessna innerhalb von 47 Minuten mehr als 100 Liter Kraftstoff verbraucht hatte, ausschließlich aus dem rechten Tank. Eine derart ungleichmäßige Entnahme ist in der Tankschaltung "beide" normalerweise nicht möglich. Entsprechendes gilt für den hohen Verbrauch. Nach etwa 30 Minuten Standzeit hatte sich die Füllmengen auf beiden Seiten wieder angeglichen. Was war geschehen?

Da der Spannbügel am linken Tankdeckel fehlte, wurde die Deckeldichtung nicht wie vorgesehen unter Spannung gesetzt. Damit war der Tank nicht wirklich dicht verschlossen. Dies hatte zur Folge, dass durch den Sog auf der Tragflächenoberseite ein so großer Unterdruck im linken Tank entstand, dass dieser sich nicht mehr durch die Schwerkraft entleeren konnte. Zusätzlich wurde durch die Verbindung zwischen den beiden Tanks Kraftstoff von der rechten Seite auf die linke gezogen, der dann durch den undichten Verschluss verloren ging. Bei einer Fortsetzung des Fluges wäre nach kurzer Zeit der rechte Tank vollständig entleert gewesen, was zu einem sehr ernsten Problem für die Besatzung hätte werden können.




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