17.06.2010
aerokurier

Meutsch Petropawlowsk - AdakWeltflug von Reiner Meutsch: Über die Datumsgrenze nach Alaska

Reiner Meutsch und Arnim Stief haben mit ihrer Piper Cheyenne Alaska erreicht. Auf dieser Etappe überquerte das Team die Datumsgrenze.

Reiner Meutsch beschreibt seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de

Petropawlowsk (UHPP) – 53° 1′ 0″ N, 158° 39′ 0″ E
Adak (PADK) – 51° 53′ 0″ N, 176° 39′ 0″ W
Distanz: 1100 NM
Flugzeit: 5 Stunden

Tag 95, 16. Juni 2010
Pünktlich um 7.00 Uhr morgens werden wir von unserem russischen Handlingagenten abgeholt. Das Wetter ist einfach genial zum Fliegen, aber die Flugleitstelle stellt sich quer und macht Probleme. Sie akzeptieren unseren Flugplan nicht und es ist ein Hin und Her zwischen russischen und amerikanischen Behörden. Nach stundenlangen Verhandlungen ist es um 13.00 Uhr dann endlich soweit. Die Wettervorhersage passt, wir haben den nötigen Rückenwind, ohne den wir erst recht nicht hätten starten können. Unser Ziel ist Adak auf den zu Alaska gehörenden Aleuten in 1.100 NM (knapp 2.000 Flugkilometer) Entfernung. Zurzeit meldet der Flughafen dort eine Wolkenuntergrenze von 1.250 Fuß (400 Meter), die für unseren Anflug nicht weiter absinken darf. Alles nicht optimal, zumal auch kein ILS (Instrumenten-Landesystem) oder dergleichen dort vorhanden ist, aber wir bekommen das hin. Der Wind soll bis 36 Knoten wehen – hoffentlich kommt er von vorn.

Wir starten zuerst gen Norden mit Blick auf die über 4.000 Meter hohen eingeschneiten Berghänge. Dann drehen wir gen Osten auf 50 Grad. Unter uns zahlreiche kleine Vulkanerhebungen, die uns die kommenden vier Stunden ständig begleiten werden. Zwischenzeitlich unterbricht die Funkverbindung, aber im Anflug auf Adak ist der Kontakt stabil. Wir tauchen in die Wolkendecke ein und hoffen, dass uns kein Bodennebel empfängt. Aber wir haben Glück, denn rund 350 Meter unter uns sehen wir schon Adak. Die Sicht auf die Landebahn, gute drei Kilometern vor mir, ist frei. Der Wind bläst ordentlich, 37 Knoten stark. Ich bin hochkonzentriert, Arnim gibt mir kontinuierlich die Koordinaten für den Anflug durch. Alles passt perfekt: Landen, durchatmen und abklatschen. Wir sind auf amerikanischem Boden.

Behördentechnisch müssen wir hier in Adak für den Moment nichts erledigen, keiner interessiert sich für uns. Die Einreiseformalitäten werden wir in zwei Tagen in Anchorage abwickeln. Wer aber kommt, ist der Tankwagen. Arnim und ich sind erstaunt, dass der Fahrer so schnell bei uns ist, gibt es doch auf diesem Flughafen nur 155 Flugbewegungen pro Jahr! Das nächste Flugzeug wird erst in drei Tagen erwartet, wie wir erfahren.

So schön der Flug auch war, so schlecht ist das Wetter auf der Insel. Es regnet in Strömen und es ist recht kalt bei nur sechs Grad. Adak ist ein wirklich kleines Dorf im Westen Alaskas und die westlichste Gemeinde der USA. Wir befinden uns hier etwa 2.100 Kilometer südwestlich von Anchorage an der Kuluk Bay.

Die Siedlung nahe dem Flugplatz wird nur von etwa 300 Personen bewohnt. Als russische Pelzjäger das Gebiet Anfang des 19. Jahrhunderts erkundeten, war die Insel noch stärker bevölkert. Die ersten Bewohner Adaks waren die Unangan.

Da wir hoch im Norden sind, ist es auch spät abends noch taghell, als wir unsere Unterkunft beziehen. Es sind zwei kleine Häuschen, die wir über eine örtliche Gastwirtin in der Nähe des Flughafens bekommen haben. Zum Abendessen hat sie uns Hühnchen gekocht und mitgebracht. Als Getränk gibt’s dazu Wasser aus der Leitung.

An diesem abgelegenen Fleckchen Erde ist ans Telefonieren, Skypen oder das Versenden von SMS nicht zu denken. Keine Verbindung, aber das macht nichts. Draußen stürmt es weiter ordentlich, der Regen peitscht an das Häuschen. Was für ein Tag! Was für ein Abenteuer! Wir haben die Uhren jetzt um einen Tag zurückgedreht und erleben den Dienstag quasi noch einmal. Das ferne Deutschland ist uns nun zwölf Stunden in der Zeit voraus.

Morgen geht’s weiter über die Aleuten in die Siedlung Dutch Harbour. Damit rücken wir wieder ein Stück näher an Anchorage und das Festland heran. Im Vergleich zu heute sind die 500 NM fast ein Katzensprung für uns. Es ist Mitternacht, wir legen uns schlafen und es wird nicht dunkel.




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