20.06.2015
Erschienen in: 11/ 2012 aerokurier

Tipps für Trips: WismarOstseeluft und Hansetradition

Wer Wismars Altstadt nicht gesehen hat, hat etwas verpasst. Und wer auf dem Luftweg kommt, findet auf dem Grasplatz am Stadtrand ein überaus ansprechendes Entree.

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Piraten sind hierzulande ja, dank zahlloser Romane und Spielfilme, von einem sympathischen Image umgeben. Das norddeutsche Gegenstück zu Sir Francis Drake heißt Klaus Störtebeker, der im 14. Jahrhundert wohlhabenden Pfeffersäcken auf Nord- und Ostsee ihren Reichtum abgenommen haben soll. Glücklich kann sich daher eine Stadt schätzen, wenn sie eine Beziehung zu dem Robin Hood der Hansezeit aufweisen kann, denn das lässt sich touristisch wunderbar verwenden.

Wismar, die alte Hansestadt, hält gar einen einmaligen Trumpf in der Hand: das Geburtshaus des sagenumwobenen Freibeuters. Kein Wunder, dass die Besuchergruppen sich zwischen März und Oktober bei der „Störtebeker-Führung“ staunend vor dem gemütlichen alten Häuschen in der Speicherstraße versammeln. Nicht weniger beliebt sind die „SOKO“-Führungen, die von der Tourismuszentrale angeboten werden, denn schließlich sorgt jeden Mittwoch im ZDF ein nett anzuschauendes Polizistenteam in der 45000-Einwohner-Stadt für Recht und Ordnung.

Zu sehen gibt es also genug in der alten Hafenstadt. Das hat auch die UNESCO registriert und Wismar 2002, gemeinsam mit Stralsund, in die Welterbeliste aufgenommen. Weniger wegen Störtebeker & Co. als mit Blick auf die historische Altstadt, die in ihrer Größe und Vollständigkeit unter den Hansestädten einmalig ist. Wismar ist, anders als Lübeck, im Zweiten Weltkrieg nicht großflächig zerstört worden. Die Liste der Baudenkmale ist folglich lang. Das vielleicht bewegendste ist die Marienkirche, die im Krieg stark beschädigt wurde. 1960 ließ das DDR-Regime das Schiff sprengen, nur der Turm blieb stehen. Bis dahin galt sie als eine der schönsten Backsteinkirchen im norddeutschen Raum.

Backstein ist überhaupt das große Thema in Wismar, der gebrannte rote Stein begegnet dem Besucher auf Schritt und Tritt. Ein besonders imposantes Beispiel ist das wunderschöne Giebelhaus „Alter Schwede“ aus dem 14. Jahrhundert, das heute ein Restaurant beherbergt.

Giebelhäuser sind ein weiteres großes Thema der Ostseestadt, die Vielfalt der Baustile und Formen ist erstaunlich. Die schönen, alten Bürgerhäuser sind fast ausnahmslos restauriert und machen den Bummel durch die Altstadt zur wahren Freude. Hier steht auch das Stammhaus von Karstadt. Der viergeschossige Jugendstilbau wird noch heute als Kaufhaus genutzt. Rudolph Karstadt begründete hier 1881 mit nur einem Angestellten sein Imperium.

Eine Sehenswürdigkeit für sich ist der Marktplatz, der von dem klassizistischen Rathaus und einer Vielzahl höchst individueller Giebelhäuser umrahmt wird. Wer ein Restaurant mit ungewöhnlichem Ambiente sucht, wird hier fündig.

Obligatorisch ist natürlich ein Spaziergang zu dem alten Hafen, wo Ausflugsboote, Fischkutter und Yachten festmachen und man sich im Vorbeischlendern ein lecker Fischbrötchen kaufen kann.
Von hier aus fahren auch die Ausflugsdampfer zu der bezaubernden Insel Poel, die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Rund um den alten Hafen gibt es Restaurants, Kneipen und nette kleine Hotels, so dass man hier den Abend überaus angenehm mit Blick auf das Wasser ausklingen lassen kann.

Das Entree für die Besucher, die mit dem Flugzeug kommen, ist der Flugplatz am nordöstlichen Stadtrand, etwa drei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Der Grasplatz ist einfach zu finden und hindernisfrei anzufliegen. Für ein kurzes Hoppla könnte allenfalls, wenn man auf der 26 ankommt, das deutlich spürbare Gefälle der gut gepflegten Bahn sorgen.

Gut möglich, dass man nach der Landung als Erstes Platzhalter Wilfried Mielke auf seinem Aufsitzmäher vorbeituckern sieht. Der gemütliche Norddeutsche, immer hilfsbereiter Vollblutpilot mit mehr als 66000 Landungen, ist den aerokurier-Lesern aus der Waldkalkungsreportage in Heft 1/2012 bekannt. Zusammen mit seiner Frau Margitta, die mit viel Routine den Funkverkehr betreut, hat er über die Jahre ein kleines Fliegerparadies errichtet. Kultverdächtig ist das Flugleitungsgebäude im Schrebergartenstil. Das muntere Ehepaar bietet seinen Gästen Avgas, einen Abstellplatz in einem umzäunten Areal, ein Eis aus der Truhe und höchstwahrscheinlich eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt an.

Und all das gibt es für eine sehr moderate Landegebühr. Bis hierhin sind die Piraten also nicht gekommen.


WEITER ZU SEITE 2: Infos zum Flugplatz Wismar (EDCW)

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