14.01.2016
Erschienen in: 11/ 2014 aerokurier

Tipps für Trips: SchwerinEin Schloss und zwölf Seen

Mecklenburg-Vorpommerns lebendige Hauptstadt Schwerin ist ein ideales Sommerziel. Alleine das Märchenschloss am Wasser ist die Reise wert.

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Schloss-Stadt, Gartenstadt, Kulturstadt, Wasserstadt: Die Etiketten, die Schwerin umgehängt werden, sind vielfältig. In der Eigenwerbung nennt sich die Stadt im Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns gar „die wohl schönste Landeshauptstadt Deutschlands“. Sie ist, könnte man hinzufügen, mit weniger als 100 000 Einwohnern auch die kleinste.

Dass das Wasser-Etikett zutrifft, wird auf überwältigende Weise deutlich, wenn man auf dem Luftweg anreist. Die Stadt ist umgeben von zahllosen kleinen und ein paar größeren tiefblauen Tupfern. Jeder Anflug zum östlich der Stadt gelegenen Grasplatz Pinnow führt fast zwangsläufig über Wasser. Den Platzbetreibern liegt daher viel daran, dass man die Insel Kaninchenwerder im Schweriner See nicht zu tief überfliegt, da dort eine Seeadlerfamilie wohnt.

Auch bis zur Ostsee ist es nur ein leichter Dreh am Steuerhorn. Wismar zum Beispiel ist nur 18 NM entfernt. Gleich dahinter liegt die bezaubernde Insel Poel.

Das Wasser also beherrscht das Stadtbild. Zwölf Seen sind es, die zum Stadtgebiet gehören. Der größte von ihnen ist der Schweriner See, der zugleich eines der größten deutschen Binnengewässer ist. Damit ist klar, dass praktisch jede Form von Wassersport innerhalb der Stadtgrenzen betrieben werden kann: Kanufahren, Surfen, Angeln, Tauchen, Sportbootfahren. Unter Seglern gilt der Schweriner See als überaus attraktives Binnenrevier. Wer nicht selbst Hand anlegen möchte, ist mit den Schiffen der „Weißen Flotte“ gut bedient, die von März bis Oktober die Uferpromenaden mit ihren alten Villen abfahren. Die spontanste Kreuzfahrt wird auf Schwerins „Binnenalster“, dem Pfaffenteich am Rand der Fußgängerzone, geboten. Hier zieht ein altmodisches kleines Fährschiff seine Kreise – ohne festen Fahrplan, bestimmt nur durch die Haltewünsche seiner Fahrgäste.

Auch das sicherlich bekannteste Wahrzeichen der Stadt, das Stadtschloss, ist durch seine Nähe zum Wasser geprägt. „Märchenschloss“ wird es wegen seiner Insellage, seiner verspielten Fassade und seiner vielen goldenen Türmchen oft genannt. Die prunkvollen Räume sind im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Frei zugänglich ist der Garten drumherum, der auf kleinem Raum die Gartenbaukunst vergangener Jahr-hunderte präsentiert. Nebenan wartet der große barocke Schlossgarten auf einen ausgedehnten Entdeckungsspaziergang durch die Epochen fürstlicher Gartenarchitektur.

Überhaupt sind die eigenen Füße das ideale Transportmittel, um die Stadt zu erkunden. Das Zentrum hält mehr als genug Sehenswürdigkeiten für ein langes Wochenende bereit, die allesamt sehr bequem zu Fuß zu erreichen sind. Da wäre zunächst einmal die historische Altstadt als solche mit ihren zahlreichen, mittlerweile sehr schön restaurierten Häusern, Kirchen, Plätzen und idyllischen Ecken. Mittendrin steht der mittelalterliche Dom, norddeutsch-typisch aus Backstein gebaut. Im Innern der lichtdurchfluteten Kathedrale erstaunt neben vielen Kunstgegenständen die Ladegastorgel mit ihren mehr als 5100 Zinnpfeifen. Es ist die größte deutsche Orgel aus der Zeit vor 1900. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt eine Turmbesteigung über die enge Wendeltreppe. Belohnt wird man für die Anstrengung mit einem herrlichen Blick auf die Dächer und – natürlich – das Wasser. 

Zu den Glanzstücken des Kulturprogramms gehören die hochkarätigen Freiluft-Opernaufführungen vor der Schlosskulisse, die weit über die Grenzen Schwerins hinaus bekannt sind. Im nächsten Jahr wird Verdis „La Traviata“ geboten.  

Auch das Angebot an Museen lässt sich sehen. Das Staatliche Museum zum Beispiel beherbergt eine der größten Sammlungen niederländischer Meister.  Zudem erwartet die Besucher die deutschlandweit größte Kollektion von Werken Marcel Duchamps.

Etwas Spürsinn verlangt die Suche nach den Überbleibseln der weit zurückreichenden Luftfahrtgeschichte Schwerins. Aber es gibt sie: Anthony Fokker verlagerte 1913 seine Berliner Fliegerschule und eine Fabrik nach Schwerin. 

Zu sehen sind aus der Fokker-Zeit noch heute zwei Hallen an der Bornhövedstraße. Einige (verfallene) Gebäude des ehemaligen Fliegerhorstes aus der Zeit vor 1945, darunter die Flugleitung, sind im Stadtteil Görries zu finden.

Der Luftweg in die Landeshauptstadt könnte über Schwerin-Parchim (EDOP) führen. Der riesige, wenig frequentierte Platz ist allerdings auf dem Landweg etwa eine Autostunde entfernt. Sehr viel näher an Schloss & Co. ist der Grasplatz Pinnow. Der PPR-Platz  liegt recht idyllisch in einem Naturschutzgebiet. Für Auswärtige sind die Bahnen nicht ganz leicht zu erkennen, und die Rollwege sind etwas holperig. Das gleichen die Leute am Ort durch Nettigkeit und Hilfsbereitschaft aus.


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