04.06.2010
aerokurier

Meutsch Etappe Port Moresby JayapuraReiner Meutsch nach Jayapura weitergeflogen

Nach einem Zwischenstopp in Port Moresby haben sich Reiner Meutsch und Arnim Stief auf den Weg nach Jayapura gemacht. Der Flug führt über atemberaubende Dschungeltäler.

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die Leser von aerokurier-online

Port Moresby (AYPY) – 9° 28′ 0″ S, 147° 10′ 0″ E
Jayapura/Port Numbay (WAJJ) – 2° 32′ 30″ S, 140° 42′ 22″ E
Distanz: 625 NM
Flugzeit: 3 Stunden

Tag 81, 02. Juni 2010

Punkt Mitternacht bringt Arnim frohe Kunde: Wir haben endlich die Genehmigung zum Einflug in den indonesischen Teil Neuguineas (West-Papua) erhalten! Jetzt muss alles zügig gehen. Wir frühstücken um 6.00 Uhr und fahren eine knappe Stunde später vom Swiss Belhotel zum Flughafen. Große Erleichterung stellt sich ein, als wir um 8.30 Uhr in der Luft sind. Durch das Hin und Her der letzten Tage kennen uns die Verantwortlichen am Flughafen schon und so geht alles etwas schneller. Komisch ist nur, dass keiner Geld von uns verlangt. Es fallen keine An-/Abfluggebühr, keine Abstellkosten, keine Handlingkosten an.

Wir starten gen Nordwesten durch und fliegen in 8.000 Fuß Höhe. Nervenkitzel pur, denn die Berge sind unglaublich nahe. Es geht durch sattgrüne Täler und Schluchten und der Dschungel liegt wie ein dicker Teppich unter uns. Aus der Vogelperspektive offenbart sich die gigantische Größe Papua-Neuguineas. Über 5.000 Meter hoch liegen die Berge links von uns, wesentlich höher als wir fliegen. Knapp über den Baumwipfeln steuere ich die Piper und dann quittiert der Funk seinen Dienst. Für 30 Minuten haben wir keinen Funkkontakt zur Bodenstation mehr, da wir zu weit weg im Landesinneren sind.

Unser heutiges Ziel liegt in Irian Jaya, einer indonesischen Provinz in West-Papua, die vor einigen Jahren von der Provinz Papua abgetrennt wurde. Unter uns ist die Landschaft weiterhin sehr bergig. Die Flüsse aus dem Hochland stürzen in die Tiefe und von der Nordküste der Insel erstreckt sich eine Reihe noch aktiver Vulkane. In Gedanken bin ich bei den Geschichten einiger Talkgäste meiner Radiosendung „Mein Abenteuer“ auf RPR1: Rüdiger Nehberg, Schorch Kirner und DoDo, der wahrscheinlich irgendwo auf seinen Reisen ums Leben gekommen ist. Keiner hat mehr was von ihm gehört. All diese Abenteurer haben die enorme Reiselust in mir geweckt. Die Insel Neuguinea übertrifft meine Vorstellungen von Wildnis, Urwald, Dschungel und unendlicher Weite.

Der Landeanflug auf Jayapura/Sentani gleicht einem Weg durchs Labyrinth. Über Bergketten geht es hinein in ein Tal, das von rechter Hand gelegenen hohen Berghängen flankiert wird. Dazwischen kommen wir uns doch sehr winzig vor. Und plötzlich geht alles ganz schnell. Vor uns der direkt am Wasser gelegene Flugplatz und jetzt heißt es volle Konzentration: „Right Downwind“ (Gegenanflug), Landeklappen auf Position „voll ausgefahren“, Speed auf „Blue Line“, aufsetzen, durchatmen und anhalten. Arnim und ich nehmen uns in den Arm, wir sind in West-Papua. Unser dritter Mann Wolfgang sitzt hinten und freut sich ebenfalls sehr.

Während der einstündigen Fahrt zum Hotel bleibt uns die Armut der Menschen nicht verborgen. Unser Fahrer Sehatu (25 Jahre) erzählt mir, dass er eine Million Rupiah (ca. 100 Dollar) im Monat verdient und damit seine Frau und das einjährige Kind versorgt. Sein Traumziel sei Australien, da möchte er einmal im Leben hin und er wünscht sich für sein Baby, dass es später ein besseres Leben haben soll, als er es hat. Ich merke ihm seine Zielstrebigkeit an und hoffe, dass dieser Traum eines Tages für ihn in Erfüllung geht.

Wir bleiben nur für eine Nacht im Land. Die Menschen in Jayapura leben abseits der Zivilisation und der Dschungel beginnt in einem Kilometer Luftlinie entfernt. Auf dem Berg am Rande der kleinen Stadt sehen wir ein Christuskreuz, das mich an das Wahrzeichen von Rio de Janeiro, die Christusstatue auf dem Corcovado, erinnert – eben nur viel kleiner. Der Abend legt sich bei feucht-warmen 30 Grad über die Stadt und wir genießen die Landschaft und das Meer.

Morgen fliegen wir weiter auf die Gewürzinseln: die Molukken. Es geht fast 1.500 Kilometer über den Ozean nach Ambon in Indonesien und von dort aus auf die Philippinen. Arnim freut sich schon, dass ihn dann seine Frau Marissa für vier Tage besuchen kommt. Sie nimmt eine große Reise auf sich für die kurze Zeit. Das ist Liebe.

Beste Erkenntnis: Wir sind wieder im Zeitplan!




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