03.02.2010
aerokurier

Meutsch Etappe Ndola - KigaliReiner Meutsch erreicht Kigali in Ruanda

Auf seinem Weltflug hat Reiner Meutsch Kigali in Ruanda erreicht. Der Flug von Ndola dorthin dauert rund 3,5 Stunden und führte über eine Distanz von 730 NM.

Lesen Sie die Impressionen von Reiner Meutsch im Detail:

"An das frühe Aufstehen habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Denn um die Thermik zu umgehen ist es gut, möglichst zeitig zu starten. Neun Uhr ist nach unserer Erfahrung eine gute Zeit. Heute tragen wir drei, Arnim, Andreas von n-tv und ich einheitliche Pilotenuniformen. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch an den Kontrollstellen der afrikanischen Flughäfen für so manches nützlich.

Wir lassen Sambia hinter uns. Wir haben es als ein friedliches freundliches Land mit liebenswerten Menschen kennengelernt. Nach wie vor ist es sehr auf die Hilfe und Unterstützung der westlichen Welt angewiesen. Afrika darf man nicht vergessen! Meine Gedanken wandern weiter zum nächsten Ziel – Ruanda. Auch hier frage ich mich: Was wird uns erwarten?

Nach dem Start steigen wir nicht sehr hoch, denn wir wollen den Norden Sambias und die gigantischen Urwälder der Republik Kongo aus der Nähe sehen. Wir überfliegen den Tanganjikasee. In der Länge dehnt er sich fast so weit aus wie Deutschland von Nord nach Süd! Er schließt im Osten an den zentralafrikanischen Graben an und zählt zu den größten Binnenseen der Welt. Ich hatte vorher kaum etwas von diesem riesigen Gewässer gehört. In großer Tiefe werden noch unerforschte Fischarten vermutet. Eigentlich kann man kaum noch von einem See sprechen, denn es sieht aus, als läge ein Meer unter uns.

Je weiter wir uns Zentralafrika nähern, desto höher werden die schroffen, steilen und kaum zugänglichen Berge. Unter uns zieht der Königstaat Burundi vorbei. Der Bewuchs oder eher Dschungel nimmt immer mehr zu. Erinnerungen an Kamerun werden wach. Vor 14 Tagen erst waren wir dort im „King-Kong-Land“, wie ich es mit einem Augenzwinkern nenne.

Nach drei Stunden Flug erreichen wir die Grenze zu Ruanda. Das Land ist geprägt durch die schrecklichen Ereignisse des Jahres 1994. Damals fielen bei den Auseinandersetzungen zwischen Tutsi und Hutu 900.000 Tutsi dem Genozid zum Opfer. Knapp 10 Prozent der Gesamtbevölkerung verloren damit ihr Leben (etwa 85 Prozent der Bewohner gehören zur Volksgruppe der Hutu). Die Aufarbeitung des Völkermordes stellt eine enorme Herausforderung für Ruanda dar.

Am Flughafen Kigali werden wir mit einer herzlichen Umarmung von Richard (28 Jahre) empfangen. Er fährt uns ins Koordinationsbüro des Partnerlandes Rheinland-Pfalz und der Ruandahilfe, um Michael Nieden zu treffen. Für unseren Aufenthalt hat Michael schon ein fünftägiges Programm zusammengestellt. Höhepunkt wird der Besuch einer Schule in Nyinawimana sein. Dort im Norden Ruandas unterstützen wir über die FLY & HELP Stiftung mit über 30.000 Euro den dringend notwendigen Ausbau der Schule. Das Land Rheinland-Pfalz hilft bereits seit vielen Jahren beispielhaft beim Aufbau Ruandas.

Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, wie es ist, den Menschen in Ruanda in die Augen zu schauen. Täter oder Opfer? Die Devise ist nach vorne schauen und versuchen, den Menschen Unterstützung zu geben.

Noch auf dem Flughafen laden wir kiloweise Geschenke aus der Piper. Aus Deutschland haben wir Spielsachen, Stifte, Weltkarten, Fußbälle, Aufkleber und vieles mehr dabei. Unser Flugzeug wirkt plötzlich so leer. Kameramann Andreas freut es sichtlich, weil er nun mehr Platz hat.

Ruanda ist ähnlich groß wie Rheinland-Pfalz und die Berge erreichen Höhen von über 4.500 Meter. Am Freitag werden wir eine Tour machen, um Berggorillas zu beobachten, die in enormer Höhe in freier Wildbahn leben.

Bei der Fahrt durch Kigali ist die Sauberkeit der Stadt nicht zu übersehen. Wir erfahren, dass die Ordnung von ganz oben verordnet ist. Kurios auch: Es dürfen keine Plastiktüten ins Land eingeführt werden. Zudem dürfen die Grünstreifen in der Mitte zweier Straßen nicht betreten werden. Bei Zuwiderhandlung wird ein Strafgeld fällig.

Im täglichen Umgang der Menschen miteinander spricht man auch nicht mehr von Tutsi und Hutu, sondern den Einwohnern Ruandas – auch staatsverordnet.

Selten habe ich eine Stadt gesehen, die mich so beeindruckt hat. Eingebettet in und zum Teil auf Hügeln liegend. Von den knapp zehn Millionen Einwohnern Ruandas leben etwa eine  Million Menschen in Kigali.

Bei angenehmen Temperaturen zeigt uns Michael Nieden sein Büro und erläutert die Arbeit seines Teams. Es sei sehr wichtig, sich an die vom Staat vorgegebenen Regeln zu halten und am Wiederaufbau des Landes geordnet mitzuwirken. Wir lernen auch Martin Jäger, einen weiteren Koordinator, kennen. Er ist mit einer Kenianerin verheiratet und hat allein 2009 über 30 Schulprojekte konzipiert und geplant.

Die Ruandahilfe aus Rheinland-Pfalz setzt sich sehr engagiert für dieses aufstrebende Land ein. Wir sind schon sehr gespannt auf die von FLY & HELP unterstützte Schule, wo wir einen ganzen Tag zusammen mit den Kindern und Lehrern verbringen können.

Am Abend lade ich die Mitarbeiter des Partnerbüros von Rheinland-Pfalz zum Essen ein. Das Restaurant gewährt uns einen phantastischen Blick auf die Stadt. Wir sitzen auf einer Blumenwiese und genießen alles sehr. Einfach herrlich, und dann noch dieser Mondaufgang.

Man merkt schnell, dass Michael Nieden seine Arbeit, das Land und die Leute sehr liebt. Ich bewundere sein Wissen über die Vergangenheit und seinen positiven Blick in die Zukunft. Menschen wie er tun dem Land gut und tragen dazu bei, dass Deutschland ein positives Image trägt. Noch im 19. Jahrhundert stand Ruanda unter der Kolonialherrschaft Deutschlands.

Auf Empfehlung von Dr. Henning Bläsig von der Ruandahilfe Hachenburg sind wir im Gästehaus der Abizeramariya Schwestern untergebracht. In Kikuciru, einem Vorort Kigalis,  empfängt uns Schwester Agnes (29 Jahre) sehr herzlich. Die Zimmer sind spartanisch und einfach eingerichtet, aber zweckmäßig. Für zwei Nächte werden wir hier bleiben. Die Schwestern helfen, wo sie nur können, im ganzen Land. Ihr freundliches Lachen steckt sofort an.

Am Mittwoch besuchen wir die Genozid-Gedenkstätte und erkunden Kigali. Außerdem sind wir zu Besuch beim Botschafter der Bundesrepublik Deutschland! Mein Tagesplan sieht auch vor, eine Radio- und TV-Sendung aufzuzeichnen. Für die Expedition zu den Berggorillas müssen wir zudem noch Regenjacken besorgen.




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