19.06.2010
aerokurier

Meutsch Weltflug Adak UnalaskaReiner Meutsch absolviert spektakulärste Landung seines Lebens

Das Fly & Help Team ist mit seiner Piper Cheyenne in den Vereinigten Staaten angekommen. Der Anflug auf Unalaska/Dutch Harbour ist nach Einschätzung von Reiner Meutscg "die spektakulärste Landung meines Lebens"

Für die Leser von aerokurier.de beschreibt Reiner Meutsch seine Reiseeindrücke

Adak (PADK) – 51° 53′ 0″ N, 176° 39′ 0″ W
Unalaska/Dutch Harbour (PADU) - 53° 53′ 46″ N, 166° 32′ 15″ W
Distanz: 396 NM
Flugzeit: 2 Stunden

Tag 96, 17. Juni 2010
Die Zeitverschiebung und die Datumsgrenze machen uns zu ganz schön zu schaffen. Vor und zurück im Tag, vor und zurück auf der Uhr. Da kann man schon mal durcheinander kommen. Wir fragen am besten Sandy, unsere Vermieterin und dann sehen wir hoffentlich klarer.

Nach einem ausgiebigen Frühstück schauen wir uns das verlassene Örtchen Adak an. Noch vor 20 Jahren waren hier über 10.000 Soldaten stationiert, die meisten von ihnen Marines. Überall die verlassenen Häuser. Die alte Holzkirche ist marode. Ein Sturm vor drei Jahren mit Windgeschwindigkeiten von über 180 Knoten hat ihr den Rest gegeben. Andreas hat schon eine schöne Geschichte für n-tv von Arnim und mir in der Geisterstadt im Kopf.

Zusehen gibt es jedenfalls nicht allzu viel in Adak und so können wir uns rechtzeitig startklar für den Weiterflug nach Dutch Harbour machen. Der Wind weht mit fast 40 Knoten kräftig und um 14.00 Uhr Ortszeit heben wir ab. Sofort muss ich mit 1.200 Fuß steigen, da sich unmittelbar vor unserer Startbahn ein Berg befindet. Bei 9.000 Fuß „level“ ich aus und fliege mit 270 Knoten (40 Kilometer/Stunde Rückenwind) Richtung Osten über die Inselkette. Auch hier wieder Schnee auf den bis zu 2.000 Meter hohen Bergen, die mich an die Alpen erinnern.

Schon nach zwei Stunden erreichen wir Unalaska, eine etwas größere Siedlung auf den Aleuten. Ein vorgegebenes Landeverfahren führt uns vom Meer über zerklüftete Inseln und  beinahe in Schlangenlinien werden wir über die Bergwelt gelotst. Ich sinke mit der Piper wieder bis auf 2.000 Fuß, sodass die Gipfel immer näher kommen. Linkerhand zeigt sich bereits Unalaska. Das Flughafengelände ist so klein, das mir ein entsetztes „Und da sollen wir landen?“ über die Lippen kommt. Ich blicke auf eine kurze und an drei Seiten von Bergen eingefasste Landebahn, allein der Weg hin zur Bucht ist frei. Aufgrund der Windverhältnisse (30 Knoten Wind) und starken Böen (bis zu 40 Knoten) ist es jedoch unmöglich, die 1.200 Meter lange Bahn von Seeseite her anzufliegen. Das schlechte Wetter sorgt auch dafür, dass 20 Prozent der täglichen Flüge abgesagt werden müssen.

Arnim steht mir beim Landeanflug zur Seite und gibt punktgenaue Richtungsbefehle. Die Berge sind zum Greifen nah. Ich achte auf das genaue Powersetting und sinke weiter. Halte dabei den Blick zu den Bergen, zur unter uns liegenden Siedlung und der Landebahn. Dann: Gegenanflug, kurzer Queranflug ziemlich nah am Platz, Final, Full Flaps, Landerichtung 32 (320 Grad) und Wind mit fast 40 Knoten aus 250 Grad. Genau einen Meter über dem Aufsetzpunkt richte ich das Flugzeug auf 320 Grad aus. Aufsetzen, abbremsen –  die Landebahn endet am Wasser! – und Backtrack. „Puuh“, die wohl spektakulärste Landung meines Lebens! Arnim lobt das Manöver: „Perfekt“, sagt er. Ich bin überglücklich und ganz aus dem Häuschen. Andreas hat alles für die n-tv Dokumentation gefilmt und ich bin richtig gespannt auf die Aufnahmen.

Kurz darauf holen wir das Gepäck aus der Piper und laufen entspannt Richtung Ausgang. Dabei kommen wir an einem Hangar vorbei, in dem zwei über 50 Jahre alte Goose Seaplanes mit Sternmotor stehen. Arnim ist kaum zu halten, denn er ist auch Sea-Pilot. Unsere neugierigen Blicke bleiben nicht unbemerkt und so treffen wir auf John und Jack, die uns dreien die wunderschönen Flieger zeigen.

Die Insel Unalaska mit dem gleichnamigen Hauptort ging 1867 an die Vereinigten Staaten und wurde im Zweiten Weltkrieg heftig umkämpft. Viele Menschen verloren 1942 beim Angriff der Japaner ihr Leben. Heute wohnen in Unalaska und Port of Dutch Harbour etwa 4.000 Menschen. Wir befinden uns hier in der niederschlagreichsten Region der Erde, in der 250 Tage im Jahr Regen fällt. Es ist windig, Schnee liegt auf den Hügeln und das Thermometer zeigt nur 5 Grad (Jahresdurchschnitt 3,4 Grad).

Unser Quartier beziehen wir heute im Grand Aleutian Hotel mit tollem Blick auf die Margaret Bay, Ballyhoo Mountain und die Unalaska Bay. Dank Hotelchef Dan bekommen wir Zimmer zum Sonderpreis 39 US-Dollar. Bei einer kurzen Führung durchs Haus und Anekdoten zur Insel erzählt Dan, dass vor der Küste Unalaskas riesige Krabben, Königskrabben, gefangen werden. Genau diese werden wir gleich im Hotelrestaurant, dem einzigen Restaurant des Ortes, probieren. Ich lade Arnim und Andreas ein, denn dieser Landeanflug muss gefeiert werden. Auch heute bleibt es wieder lange hell, insgesamt sollen es 21 Stunden sein.

Morgen fliegen wir nach Anchorage weiter.




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