30.05.2016
Erschienen in: 05/ 2016 aerokurier

Genuss-FliegenMit der Mooney nach Nordspanien

Ein Reisebericht voller fliegerischer He­rausforderungen? Nein. Vielmehr verraten zwei Mooney-Piloten, dass die wahren „Leckerbissen“ auf ihrer Tour jenseits der sehr leeren Flugplätze zu finden waren.

Da kommst du bei strahlendem Sonnenschein in eine fremde Stadt, und alles wirkt wie ausgestorben: Kaum Menschen zu sehen, wenige Autos auf den Straßen. Du machst dich auf den Weg ins Hotel, checkst ein und beginnst deine Entdeckungstour. Du biegst um eine Ecke – und plötzlich passiert es, dass der Film richtig anfängt: Alles voller Leute, Dutzende kleiner Kneipen, Gerüche und Geräusche einer anderen Welt. So erging es meinem Mooney-Freund Werner Wohlfahrt und mir auf unserer Spanienreise.

Doch der Reihe nach. Werner und ich – wir haben uns im europäischen Mooneyclub EMPOA kennengelernt – sind ein Team, das nunmehr auf 120 Lebens- und 40 Fliegerjahre zurückblickt. Ingenieur und Flugkapitän: Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Welten. Die Liebe zu unserer Turbo-Mooney N252CG, dem „Silberschnabel“, hat uns viele schöne Erlebnisse beschert. Berufsbedingt ist Werner ein halber Spanier geworden, und es zieht ihn immer wieder auf die Iberische Halbinsel. Ich bin eher der Franzose, habe noch einiges in Spanien nachzuholen. Die Idee einer Tour durch dessen Norden kommt daher sehr passend, verspricht sie doch eine weitere Leidenschaft von uns abzudecken: das leckere Essen.

Bevor es losgeht, machen wir noch einen kleinen Abstecher nach Bayern, wo ich in Freising zum 20-jährigen Abiturtreffen eingeladen bin. Klar, dass wir uns die Landung auf Deutschlands erstem Verkehrsflugplatz, in Oberschleißheim, nicht entgehen lassen. Nach dem zweitägigen Heimatstopp hebt unser Silberschnabel an einem Sonntagmittag bei IFR-Wetter Richtung Südwesten ab: Etappenziel ist der Flugplatz Auch, noch auf der französischen Seite der Pyrenäen. Der Pick-up durch München Radar läuft problemlos, wir durchsteigen eine 2000 Fuß starke Wolkenschicht und sind bald im Sonnenlicht mit Kurs auf VOR Trasadingen in die Schweiz unterwegs. Nach Weitergabe an Swiss Radar und schließlich die französischen Lotsen werden unsere Wünsche nach Directs immer erfüllt.

Rund dreieinhalb Stunden sind wir unterwegs, ab Lyon unter einem wolkenlosen Himmel und über einer herbstlichen Landschaft. Die Landung auf der langen Asphaltbahn von Auch erfolgt im bewährten Unicom-Verfahren: Wie in den USA wird in Frankreich von den Piloten angesagt, was jeder macht. Flugleiterpflicht: non, merci. Am Platz wartet bereits EMPOA-Freund Andi Högl. Der in den Südwesten ausgewanderte Franke freut sich über unseren Besuch, hätte uns aber gerne zu seinem Heimatplatz Castelnau-Magnoac 20 Meilen weiter südlich gelockt, doch ich traue den Grasbahnen nicht so sehr. Wir tauschen alte und neue Geschichten aus und genießen ein leckeres Essen in der Altstadt von Auch.

Topmoderner Geisterflugplatz

Zapfenstreich ist für uns ungewohnt früh, denn am Montagmorgen ist frühes Abheben angesagt. Grund: Unser Zielflugplatz Logroño im Rioja schließt bereits um elf Uhr vormittags! Der Airport ist, was man einen Geisterflugplatz nennt: ein riesiger, topmoderner Flugplatz, den keiner braucht und keiner benutzt. Trotzdem wird er am Leben gehalten, aber eben nur bis elf Uhr. Die Lotsin von Pamplona Control ist deshalb verwundert, als sich eine Privatmaschine aus Frankreich ankündigt. Sie weist uns um 10.30 Uhr besorgt auf die bevorstehende Platzschließung hin.

Offensichtlich hat sie nicht mit der Mooney-Speed gerechnet: Um 10.50 Uhr setzen wir als einziger Verkehr des Tages in Logroño auf. Man weist uns einen Platz auf dem GA-Vorfeld zu. Wir sind das einzige Flugzeug neben einer spanischen TB10, deren Besitzer gerade Wartungsarbeiten beenden und uns in die Stadt mitnehmen.

Man erklärt uns, dass heute „Tag des Spanischtums“ sei, ein landesweiter Feiertag. Unser Plan, mit einem Mietwagen durch die Weinberge zu fahren, scheitert an geschlossenen Geschäften und Büros. Überhaupt haben wir von Logroño den Eindruck einer ausgestorbenen Provinzstadt, bis wir in die Calle del Laurel und ihre Nebenstraßen einbiegen. Dort tobt das Leben; eine solche Anhäufung von Tapaskneipen und Bars haben wir beide noch nicht erlebt. Besonderheit der Laurel ist, dass jedes Lokal neben den Tapasklassikern eine Spezialität des Hauses hat. Mal sind es Pilze, mal Meeresfrüchte, Blutwurst oder Eierspeisen. Die kleinen Leckereien kommen in allen Farben und Formen daher, als Brötchen (Bocadillo), aber auch als Spieße, auf kleinen Tellerchen oder in Terrinen. Wieder einmal sind wir überrascht, wie günstig das Essen in Spanien ist. Das Glas Wein immer unter zwei Euro, selten kosten die Tapas mehr als vier. Für kleines Geld findet hier jeder sein Lieblingsessen und wird satt – und kommt zwangsläufig ins Gespräch mit anderen Gästen in den überfüllten Lokalen.

José Gordón - Der Grillmeister

Die kulinarische Reise soll aber weitergehen, und am Dienstagmorgen machen wir uns auf Richtung Westen, nach León. Der Start muss wieder vor elf Uhr erfolgen, darum sind wir bereits um zehn Uhr am Airport. Nach umständlichen Formalakten werden wir mit maximaler Sicherheit konfrontiert: Zehn Polizisten der Guardia Civil nehmen sich der zwei deutschen Piloten bei der Passagierkontrolle an; sie eskortieren uns zum Flieger. Die Damen und Herren sind sehr freundlich, wir hingegen leicht fassungslos ob dieser Steuergeldverschwendung.

Der gut einstündige Flug nach León führt uns über die endlosen Weiten des nordspanischen Hochlands. Wir halten zuerst Kontakt zu Logroño, dann werden wir an Madrid und schließlich León Control weitergereicht. Nach der Landung ein bekanntes Bild: Weit und breit kein Flugzeug, aber jede Menge Bürokratie. Auf dem gähnend leeren Vorfeld erklärt uns der Feuerwehrmann, dass wir unsere Maschine lieber fünf Meter weiter südlich abstellen sollen. Er packt aber mit an beim Rangiervorgang.

Diesmal haben wir vorgeplant und einen Mietwagen reserviert. Wir beziehen Quartier in La Bañeza, bevor wir uns abends auf den Weg nach Jiménez de Jamuz aufmachen: Ziel ist El Capricho, die Fleischkathedrale von José Gordón. Der Grillmeister betreibt mitten in der spanischen Pampa und vier Autostunden von Madrid entfernt eines der fünf besten Steakhäuser der Welt. Ich hatte bereits vor Jahren über ihn gelesen. Gordóns Spezialität sind alte Arbeitsochsen, die er zwei Jahre lang mästet und massiert, bevor sie geschlachtet werden. Wir bestellen eine Chuleta, die locker für beide reicht. Das saftige Fleisch wird am Tisch vom Chef aufgeschnitten und kunstvoll mitsamt dem zarten Fett auf den Tellern arrangiert. Die Qualität ist unbeschreiblich, wir genießen und lassen diesmal keinen Anstandsrest zurück. Begleitet wird das Ganze von einem leckeren Bierzo-Wein aus der Gegend nordwestlich von León.

Diese klimatisch eher kühle Weingegend besuchen wir am folgenden Tag. Grüne Hügel bilden die Kulisse nicht nur für Reben kräftiger Rotweine, sondern auch für die Stadt Astorga, einen Hauptort des Jakobswegs. Dort verabschieden wir uns von Nordspanien. Zwei Stunden geht es am nächsten Tag die Küste entlang bis nach Périgueux. Ich sitze am Steuer und freue mich, dass der IFR-Anflug doch nicht so scharf ist wie zwischenzeitlich erwartet.

Yannick, der AFIS-Agent, bringt uns in ein nahe gelegenes Hotel. Das letzte Essen auf dieser Reise wird klassisch französisch, eine kleine Brasserie bietet sich an. Glück haben wir am nächsten Tag mit dem Wetter, unser Heimatplatz Mainz meldet VFR-Bedingungen. Der dreistündige Rückweg gerät somit zu einem sorgenfreien VFR-on-top-Leg, bis wir im Rheintal durch die mittlerweile aufgelockerte Wolkendecke sinken.

Die Reiseroute

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Grafik und Copyright: aerokurier  

 

Infos zur Tour: Avgas am besten in Frankreich tanken: Die Air-Total-Karte ist mittlerweile auch für Deutsche verfügbar und bietet 24/7-Automaten zu rund 30 Prozent günstigeren Preisen als in Deutschland.

Landegebühren in Frankreich inklusive einer Übernachtung: rund 10 Euro. In Spanien sind die Landegebühren selbst ebenfalls günstig, teuer wird dann das Abstellen (in LERJ 30 Euro, in LELN 70 Euro).

In Spanien auf Bürokratie gefasst sein und Avgas-Verfügbarkeit prüfen.

aerokurier Ausgabe 06/2016

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David Kromka


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