30.12.2015
Erschienen in: 07/ 2011 aerokurier

Unterwegs mit den VitalienbrüdernIm Familienurlaub mit der Cirrus SR22 um die Ostsee

Klaus Störtebeker war einer der berüchtigsten Seeräuber, als die Vitalienbrüder Ende des 14. Jahrhunderts die Ostsee beherrschten. In der Gegenwart entern Luftfahrer wie Eckart Jahn die Hafenstädte friedlich – auf Urlaubstour mit der Familie an Bord einer Cirrus SR22.

Angefangen hatte alles mit einem Artikel über ein kleines, aber feines Hotel auf einer estnischen Insel, den meine Frau in einer Wohnzeitschrift gefunden hatte. „Da könnten wir doch mal hin. Und das liegt so abseits ausgetretener Touristenpfade, dass der Flieger dafür doch eigentlich genau das Richtige ist!“ Da habe ich natürlich sofort zugestimmt. So nahm die Urlaubsplanung für den Sommer ihren Lauf.

Das Fliegen mit Papa ist für Henri (4), Julius (7) und meine Frau Sonja zum Glück schon lange kein Fremdwort mehr, immerhin halte ich meinen PPL(A) schon seit zwölf Jahren gültig und bin hin und wieder auch mit der Familie in der Luft. Aber dennoch: Unsere 14-tägige Flugreise mit dem Leben aus dem Koffer stellt uns immer wieder auf Geduldsproben. Mal ist die Cockpittemperatur nahe dem Siedepunkt, weil die Standzeiten für den Abflug zu lang sind, mal ist der Tankwagen nicht da, oder mal ist das Wasser zu warm. Am Ende sind aber alle, vor allem natürlich die Jungs, begeistert.

Nach zahlreichen Flugreisen in Europa fällt mir die Vorbereitung nicht schwer. Allerdings wäre die Gepäckplanung für die gesamte Familie für mich eine kaum lösbare Aufgabe gewesen. Sonja geht mit dieser Herausforderung spielend um. Mit Schwimmwesten, Kindersitz und Fußball ausgestattet, wird das „Entdeckungsschiff“ Cirrus SR22 ausgestattet.

Der Himmel an unserem Heimatplatz Bielefeld zeigt sich anfangs regnerisch mit marginalen Wolkenuntergrenzen; Wetterbesserung ist heute kaum in Sicht. Na, das kann ja heiter werden, denke ich. Einzig die METARs für die Gebiete jenseits der Oder halten meine Hoffnung aufrecht, dass wir das Tagesziel Danzig doch noch schaffen können.

Tatsächlich heben sich nach zehn Flugminuten mit Kurs Nordost doch die Untergrenzen, und wir nutzen eine Wolkenlücke zum Weiterflug in FL 55. Auf der Strecke folgen immer weitere Wolkenschichten, so dass wir uns in Flugfläche 99 wiederfinden. Das Szenario der Regenwolken um uns herum sieht zwar schön aus, aber das Bedrohliche des Wetters ist doch spürbar, und der Lotse bietet von sich aus an, über FL 100 zu steigen, wenn Wolkenberührung drohen sollte.

Am Ende nehmen wir sein Angebot aber nicht in Anspruch und können VFR-konform über Usedom – nun mit freier Bodensicht – wieder auf Flugfläche 55 sinken. Entspannt fliegen wir dann für eine Stunde entlang der polnischen Küste, bis wir nach drei Stunden Flugzeit auf dem Danziger Flughafen „Lech Walesa“ aufsetzen. Bei 30 Grad Celsius tanken wir nach, laden das Gepäck aus, ordern ein Taxi und beziehen unsere Unterkunft. Klingt einfach, ist es aber nicht, weil der Tankwart am Platz keine Kreditkarte akzeptiert und weil der Taxifahrer bei der Bezahlung mit Euro einen völlig überzogenen Preis fordert.

Unsere Ferienwohnung, die wir bereits im Vorfeld gebucht haben, liegt in der Altstadt. Die beiden Jungs inspizieren kurz das Quartier und befinden es für gut. Gleich danach gehen wir wieder vor die Tür, denn die Mannschaft hat Hunger. Auf dem Weg ist dann aber doch noch genügend Zeit zum Erwerb von Holzschwertern und Schutzschilden. Immerhin muss man in Danzig, einer vom Bund der Hanse geprägten Stadt, ja auch adäquat ausgestattet sein, um die Schutzbefohlenen (Eltern) vor allerlei Gesindel zu bewahren.

In Wahrheit umgibt uns ein sehr buntes, fröhliches Treiben, festliche Aktivitäten beherrschen an diesem Wochenende Danzig. Wir genießen schöne Stunden in herrlicher Kulisse. Ein Hauch von Hanse und Piratenleben weht durch die Gassen. Zum Abschluss des Tages gibt es ein ordentliches Gewitter. „Hoffentlich nimmt das Flugzeug keinen Schaden“, denke ich, denn ein Vertäuen der Maschine war am zugewiesenen Stellplatz nicht möglich.

Am Morgen fahren wir gegen 10.30 Uhr wieder zum Flugplatz. Den Flugplan habe ich, der Kommunikationstechnologie sei Dank, schon über das iPad aufgegeben und die Flugvorbereitung abgeschlossen. Wir erbitten Special VFR zum Abflug und genießen tolle Ausblicke auf Danzig, bevor wir uns wieder entlang der Nehrungsküste weiter gen Osten bewegen.


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Eckart Jahn/rst


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