13.04.2010
aerokurier

Meutsch Weltflug Darwin - BroomeFly & Help: Von Darwin nach Broome in Australien

Weiterflug auf dem Fünften Kontinent: Die Fly & Help Crew erreicht Broome in Australien

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de

Darwin (YPDN) – 12° 27′ 0″ S, 130° 50′ 0″ E
Broome (YBRM) – 17° 54′ 0″ S, 122° 15′ 0″ E 
Distanz: 720 NM
Flugzeit: 3,5 Stunden


Tag 59, 11. April 2010
Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory, zeigt sich heute von ihrer besten Seite. Es ist Sonntagmorgen und wir frühstücken bei warmen 28 Grad draußen, direkt am Wasser.

Auf den Straßen ist noch kaum etwas los und so erreichen wir den Crocodylus Park, mit Tausenden von Krokodilen und Alligatoren, in gut 30 Minuten Taxifahrt für 30 AUD (Australische-Dollar). Die Mitarbeiter des Parks erforschen seit 30 Jahren das Verhalten der Salz- und Süßwasserkrokodile. Manche Tiere sind über fünf Meter lang und wiegen eine halbe Tonne. Bei einem Aufenthalt in Darwin wird man deshalb davor gewarnt, tunlichst nicht in niedriges Salzwasser zu gehen. Wir erfahren zudem, dass man in diesem Jahr schon über 200 große Krokodile in den Flüssen der Stadt gefangen und wieder ausgesetzt habe. Neben den gepanzerten Gefährten sind auch Raubkatzen, Primaten, Vögel und andere Reptilien im Park zu entdecken. Der Eintritt kostet 30 AUD und ist sein Geld wert.

Aus heiterem Himmel fängt es bei nunmehr 35 Grad in Strömen an zu regnen. Aber so schnell wie der Regen kommt, hört er auch wieder auf. Normalerweise beginnt in Darwin gerade die Trockenzeit, die bis September anhält. In den Herbst- und Wintermonaten steigt die Luftfeuchtigkeit dann auf über 90 Prozent.

Im Anschluss an den Parkbesuch machen wir uns auf den Weg in das „Museum and Art Gallery of the Northern Territory“. Hier wird die Geschichte der Aborigines und deren Verbindungen zu den asiatischen Seeleuten bis hin zur jüngeren Vergangenheit gezeigt. Mehr als 40.000 Jahre reicht die Geschichte der Ureinwohner Australiens im heutigen Northern Territory zurück.

Das Museum gibt auch anschaulich Auskunft über die gefährlichsten Tiere Australiens. Darunter Skorpione und Ameisen, deren Biss aufgrund einer chemischen Substanz für den Menschen tödlich endet. Auch die Vielzahl der heimischen Schlangen ist beeindruckend und furchteinflößend zugleich.

Der Stadtgeschichte ist zu entnehmen, dass Darwin an Weihnachten 1974 schwer vom Zyklon Tracy getroffen wurde. Uns zeigt sich ein Bild der Verwüstung und Zerstörung. Ein weiteres dunkles Kapitel der Stadt ist der Luftangriff der Japaner im Jahr 1942. Der zweite Weltkrieg traf die Australier hart.

Auf unserem Streifzug durch Darwin sehen wir in der Mitchell Street ein Aborigines-Pärchen in einem erbärmlichen Zustand. Ich gebe ihnen ein paar Dollar, wir reichen uns die Hand und verabschieden einander freundlich. Heute werden uns noch viele Aborigines am Straßenrand begegnen. Einige versuchen sich etwas Essbares aus dem Mülleimer herauszuholen. Sie verzweifeln an ihrer Perspektivlosigkeit.

Gegen 18.00 Uhr holt uns Klaus Dieter Hose vor dem Hotel ab und lädt uns zu sich nach Hause ein. Auf seiner Terrasse erleben Arnim, Paul und ich einen wunderschönen Sonnenuntergang. Den Abend lassen wir dann in Cullan Bay ausklingen und rufen Herbert von Coast Watch Flug 363 an. Wir hatten Funkkontakt auf dem Weg von Kupang (Timor) nach Darwin. Heute lösen wir wie versprochen die Verabredung ein und trinken ein Bier zusammen. Herbert ist gebürtiger Österreicher, wohnte 20 Jahre in Johannesburg (Südafrika) und lebt nun mit seiner Familie in Darwin. Seine Frau ist Italienerin. Als Pilot bei der Coast Watch ist es seine Aufgabe, die Küsten Australiens zu überwachen. Ein toller Tag in einer schönen kleinen australischen Stadt geht zu Ende.

Morgen geht es über die Kimberleys nach Broome. In errechneten 3,5 Stunden wollen wir unter Sichtflugbedingen das Etappenziel erreichen.

Tag 60, 12. April 2010
Handlingagent Hoss holt uns schon frühmorgens im Hotel ab und wir erledigen die aufwendigen Zollabwicklungsarbeiten. Am Flughafen angekommen treffen wir noch einmal Klaus Dieter, der uns in „seiner“ Halle sein Überwachungsflugzeug zeigt: eine mit Geräten vollgepackte Dornier 328. Aus dem Flugzeug könne man sogar Schmuggler erkennen, die es auf die Eier der Schildkröten abgesehen haben, schildert er stolz.

Um 11.00 Uhr starten wir Richtung Südwesten mit Kurs auf Broome. Die Kimberleys, ein Gebiet, in dem die Ureinwohner Australiens früh siedelten, offenbaren sich als ein wahres Naturschauspiel. Wir fliegen zwischen 1.500 und 3.000 Fuß über Grund und sehen tiefe Schluchten, riesige Krater und tosende Wasserfälle. Weit und breit keine Zivilisation und das schon seit zwei Stunden.

Dann führt uns der Flug wieder an die Nordwestküste Australiens. Das Wasser schillert türkisfarben und Hunderte von kleinen Halbinseln und Inseln liegen unter uns. Viele Kilometer vor Broome wird das Farbenspiel noch kontrastreicher, denn rot-orange leuchtende Klippen treffen auf azurblaues Wasser. Wir kommen aus dem Stauen nicht mehr heraus. Was für eine Landschaft! Als Filmkulisse ist sie übrigens auch in dem sehr erfolgreichen Film „Australia“ zu bewundern.

Nach über drei Stunden ist es soweit und Broome kommt in Sichtweite. Vor uns der endlos lange Cable Beach, einer der besten Strände Australiens. Traumhaft weiß und einfach nur  „wow“. Im 19. Jahrhundert war der Hafen dieser kleinen Stadt der berühmteste Umschlagplatz für den Handel mit Perlen. Damals wurden 80 Prozent des weltweiten Perlmuttbedarfes von hier aus gedeckt. Heute lebt der Ort überwiegend vom Tourismus.

Nach der Landung auf der 2,5 Kilometer langen Piste wird erst einmal getankt (Jet-A-1, der Liter für 80 Euro-Cent). Nur 15 Minuten Fahrt entfernt liegt das 3-Sterne-Hotel Mercure. Mein Zimmer mit der Nummer 825 liegt Richtung Westen – eine perfekte Aussicht auf den legendären Sonnenuntergang ist mir also sicher. Wir haben 38 Grad ohne drückende Luftfeuchtigkeit.

Was wir schon aus der Luft bewundert haben, wollen wir drei Morgen auch von Nahem sehen. Es geht unter anderem an den Cable Beach. Ich habe mir sagen lassen, dass man hier mit Kamelen am Strand entlang reiten kann.




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