05.07.2010
aerokurier

Fly & Help San DiegoFly & Help Team erreicht San Diego: Dritter Teil des Weltfluges ist geschafft

Reiner Meutsch und Arnim Stief haben den dritten Teil der Fly&Help-Weltumrundung absolviert. Die Crew erreichte San Diego. Hier beginnt Ende Juni der nächste Teil.

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die aerokurier.de-User

Las Vegas (KLAX) – 36° 10′ 30″ N, 115° 8′ 11″ W
Grand Canyon West – 35° 59′ 25″ N, 113° 48′ 59″ W
Kayenta Airport Monument Valley – 36° 42′ 54″ N, 110° 13′ 55″ W
San Diego (KSDM) – 32° 42′ 54″ N, 117° 9′ 45″ W
Distanz: 754 NM
Flugzeit: 3,5 Stunden

Tage 111 bis 113, 01. Juli 2010

Von Las Vegas Abschied zu nehmen fällt mir wirklich schwer. Die Stadt hat mich in ihren Bann gezogen und schon heute weiß ich, dass ich wiederkommen werde. Auf dem Henderson Executive Airport steht schon unsere Cheyenne für den Abflug bereit. Außer den Spritkosten (1 US-Dollar pro Liter Jet-A 1) fallen keine weiteren Gebühren an. Auch in dieser Hinsicht sind Amerika und Kanada für Piloten ein Traum.

Rund 50 Kilometer südlich von Las Vegas drehen wir einige Runden über dem Hoover-Staudamm,  an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Arizona. Nach einer Bauzeit von vier Jahren wurde die Staumauer im Jahr 1935 fertiggestellt. Der Damm staut den Colorado River zum Lake Mead auf, der etwa 170 Kilometer lang und bis zu 180 Meter tief ist. Ein Speichervolumen von rund 35 Milliarden Kubikmetern macht ihn zum größten Stausee der USA.

Nicht weit vom Damm entfernt liegt der Grand Canyon. Arnim hat die VFR-Karte und sieht, dass ich beim Anflug auf den Flughafen Canyon West nicht über die 1,5 Kilometer tiefe Abrisskante fliegen darf. Ich setze an zum Gegenanflug, es folgen ein enger Queranflug und dann das kurze Finale. Bei einer Platzhöhe von fast 5.000 Fuß benötige ich über einen Kilometer Landebahn. Doch alles passt und wir kommen sicher zum Stehen. Schon beim Ausstieg empfängt uns ein Schwall heißer Luft, 42 Grad warm ist es heute.

Bei diesem Zwischenstopp wartet auf uns ein EC-Helikopter-Trip inklusive Einflug in den Grand Canyon und eine Bootsfahrt auf dem Colorado River. Die Tour samt Verpflegung dauert zwei Stunden und kostet 189 US-Dollar. Obwohl im Hubschrauber Platz für sieben Personen ist, sind wir die einzigen Gäste an diesem Tag. Pilot Derrick ist zugleich auch der Tour-Guide. Für „Earthrounder“ würde er sich etwas Besonderes einfallen lassen, sagt der 28-jährige mit einem Augenzwinkern.

Und dann geht’s auch schon los. Zuerst fliegen wir über die Abrisskante in den Canyon hinein. Die Steilwände fallen hunderte Meter in die Tiefe hinab – was für ein spektakulärer Moment! Unter uns sehe ich den Skywalk, eine über den Abgrund hinaus ragende Aussichtsplattform. Ein Schauer läuft mir über den Rücken: Das wäre definitiv nichts für mich. Der 450 Kilometer lange Canyon im Norden Arizonas zählt zu den großen Naturwundern auf der Erde. Über viele Millionen Jahre hinweg hat das Wasser des Colorado River die Schlucht tief in das Gestein des Colorado-Plateaus geschliffen.

Pilot Derrick freut sich, dass er einen Gast mit Helikopter-Lizenz an Bord hat. Stillen Momenten des Staunens folgt munteres Fachsimpeln unter Kollegen. Nach der Landung klettern wir bei mittlerweile 47 Grad ins Boot auf den Canyon River. Auch hier sind wir wieder allein und genießen erfrischende 45 Minuten im Fahrtwind. Abschließend fliegt uns der Heli wieder aus der Schlucht hinauf zum Anfang des Grand Canyon. Das Mittagessen findet stilecht auf der Ranch einer Indianerfamilie statt.

Kurz darauf sitzen Arnim und ich wieder in der Piper und fliegen gut 500 Kilometer ins Landesinnere über den Bryse Canyon nach Utah – ein Abstecher nach Monument Valley inklusive, wo ich vor vielen Jahren schon einmal mit meiner Familie war. Im Vergleich zum Flug damals mit einer kleinen Cessna ist es ein wahrer Genuss, heute in der Piper Cheyenne sitzen zu dürfen. Trotz der großen Hitze liegt unser Flugzeug stabil in der Luft. Wir umkreisen die Felsen des Valleys, gelegen auf einer Ebene des Colorado Plateaus an der südlichen Grenze zu Arizona. Das Valley ist Teil der Navajo-Nation-Reservation und bekannt für seine Tafelberge. Wir landen kurz auf einem kleinen Flugplatz, entspannen und fliegen anschließend die letzten 640 Kilometer Richtung San Diego. Was für eine bizarre Landschaft unter uns.

Nach zwei Stunden landen wir um 19.00 Uhr auf dem Flugplatz Carlsbad, 50 Kilometer außerhalb von San Diego. Unserem Flugzeug wird hier die 200-Stunden-Kontrolle zuteil. Es hat uns bisher über eine Distanz von 65.000 Kilometer gute Dienste erwiesen. Der Zuverlässigkeit der Piper Cheyenne und der guten Vorbereitung unserer Flugleitstelle „N-Flight“ auf dem Flugplatz Egelsbach und Wiesbaden sowie den vielen Helfern im In- und Ausland ist es zu verdanken, dass wir auf den Tag genau im Zeitplan liegen.

In San Diego wohnen wir zwei im Hotel Omni. Es hat eine Superlage und ist damit der perfekte Ausgangsort, um die nur 40 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernte Stadt zu erkunden. Der Samstagmorgen ist jedoch für die Übertragung des Spiels unserer Fußballnationalmannschaft gegen Argentinien reserviert. Am Abend geht dann die dritte Etappe der FLY & HELP-Weltumrundung zu Ende.

Eine atemberaubende Route liegt hinter uns: Australien – Papua-Neuguinea – Indonesien – die Philippinen – Taiwan – Japan – Russland – die Aleuten – Alaska – Kanada und schließlich die USA. 23.000 Flugkilometer, hunderte neuer Bekanntschaften und unzählige Erlebnisse haben diese Strecke einzigartig gemacht.

Am 26. Juli starten Arnim und ich zur vierten Etappe. Sie führt uns nach Mittel- und Südamerika. Im brasilianischen Maceió besuchen wir zudem das nächste FLY & HELP-Hilfsprojekt!  Die komplette Tour über wird meine Tochter Jessina dabei sein. Sie spricht sehr gut spanisch und ist uns damit eine große Hilfe.




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