15.04.2010
aerokurier

Meutsch Weltflug Broome ExmouthFly & Help: Flug von Broome nach Exmouth

Reiner Meutsch und Arnim Stief sind mit der Fly & Help Cheyenne unterwegs durch Australien. Auf der Etappe von Broome nach Exmouth eine Schrecksekunde - die Fahrwerks-Kontrollampe leuchtet rot.

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de

 Broome (YBRM) – 17° 54′ 0″ S, 122° 15′ 0″ E
Exmouth (YPLM) – 21° 56′ 0″ S, 114° 8′ 0″ E  
Distanz: 620 NM
Flugzeit: 3 Stunden



Tag 62, 14. April 2010
Frühmorgens ist Paul schon unterwegs zum Subway-Restaurant, um Brötchen zu holen, damit wir heute anständige Bordverpflegung haben. Er hat genug von Gummibärchen und Schokolade während des Fluges. In der Zwischenzeit gibt Arnim den Flugplan telefonisch auf und nach einem letzten Wettercheck heben wir pünktlich um 10 Uhr Richtung Exmouth ab.

Unter uns liegt noch einmal der tolle Cable Beach – nahtlos geht er in den Eighty Mile Beach Richtung Südwesten über. Entlang der Küstenlinie fliegen wir in 1.000 Meter Höhe über dem Strand und können auch große Salzabbaugebiete sehen. Für kurze Zeit müssen wir jedoch auf 300 Meter sinken, um ein Tiefdruckgebiet zu unterfliegen. Nach zehn Minuten herrscht aber schon wieder schönstes Fliegerwetter.

Wenn ich nach links aus dem Cockpit schaue, sehe ich die große Sandwüste des Bundesstaates Western Australia. Eine Landschaft eingehüllt in rotem Sand mit spärlichem grünen Bewuchs. Auf die Wüste folgen die Berge von Chichester Range und Hamerslay Range. Ihre Gipfel ragen bis zu 1.200 Meter empor – nach all dem Sand eine abwechslungsreiche Gegend. Wir sind begeistert von den in Rottönen gefärbten Schluchten.

Dann erreichen wir die Coral Bay und überfliegen die Pinnacles. Letztere kann man am besten als eine Art Natur-Sehenswürdigkeit beschreiben, denn tausende kleine und große Kalksteinsäulen ragen aus dem unwirklich gelben Sand.

Nach drei Stunden taucht in 35 Kilometer Entfernung der Militärflughafen von Exmouth auf. Vorher drehen wir aber noch eine Schleife über dem Korallenriff, das dem Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens ähnelt. Bei 30 Grad Lufttemperatur und leichtem Seitenwind lande ich die Piper Cheyenne auf Piste 18 (liegt genau Richtung 180-Grad gen Süden). Wir tanken nur und dürfen nicht länger stehen bleiben, weil das Militär die Hoheit über den Platz hat. Wir starten erneut und fliegen den 20 Kilometer entfernt liegenden kleinen Flugplatz von Exmouth an. Eine Tankmöglichkeit gibt es nicht und die 1.500 Meter lange Piste ist aus Sand und Schotter.

Als ich im Endteil das Fahrwerk ausfahre, zeigt das Aufleuchten der roten Kontrolllampe im Cockpit einen Fahrwerksdefekt an und auch eine der drei grünen Fahrwerkslampen ist nicht an – ein Zeichen dafür, dass das Fahrwerk nicht eingerastet ist. Mehrmals versuchen wir das Ein- und Ausfahren, aber die grüne Lampe bleibt aus und die rote leuchtet immer noch.

In Sekundenschnelle findet Arnim im Flughandbuch Informationen für das Notprozedere. Derweil drehe ich über dem Wasser mehrere 360-Grad-Kurven. Wir gehen alles der Reihe nach durch und pumpen, wie im Handbuch beschrieben, 40 mal die Hydraulikpumpe. Zwischenzeitlich tauschen wir auch die Leuchtbirnchen der Kontrollleuchten aus – alles besonnen und ohne Hektik.

Nochmals fahren wir das Fahrwerk ein und wieder aus. Nun leuchten endlich alle drei Lampen und auch die Notlampe erlischt. Geschafft: Ohne weitere Komplikationen bekomme ich die Piper auf Piste 21 zum Stehen. Arnims mehr als 35-jährige Erfahrung in der Luftfahrt ist von unschätzbarem Wert. Was bin ich froh, ihn an Bord zu haben! Morgen wird er die gesamte Hydraulikanlage überprüfen, denn wir müssen unbedingt wissen, wo die Ursache für das Problem liegt.

Während wir auf das Taxi zum Hotel warten, höre ich aus der hintersten Ecke einer Werfthalle jemanden fluchen: „Ach du Sch….“ Es ist der deutsche Mechaniker Wolfgang Duchardt. Der Sauerländer lässt seinem Unmut über einen technischen Defekt an einem Helikopter freien Lauf. Wir schauen ihm bei der Reparatur über die Schulter, fachsimpeln ein wenig und verabreden uns zum Abendessen im Hotel.

Exmouth ist ein 3.000-Seelenort in Westaustralien. Von der US-Marine 1967 als Militärstützpunkt gegründete, reicht die Geschichte noch nicht allzu weit zurück. Wir wohnen im erst 2007 erbauten Novotel Ningaloo Reef Resort direkt am Strand.

Das Korallenriff hier gilt als eines der besten Tauchgebiete der Welt. Ein perfekter Ausgangsort fürs Schnorcheln und Tauchen mit Walhaien und Mantarochen. Der Tipp kommt von meiner Tochter, die während ihrer Studienzeit in Australien das Land ausgiebig bereist hat. Die Wale, die bis zu 14 Meter lang werden, sind wie in jedem Jahr seit Anfang April hier und bleiben bis Oktober. Von Seiten der australischen Navy sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr streng. Auf Anweisung darf nur mit einem Tauchführer getaucht werden. Wir sind schon sehr gespannt darauf die größten Haie der Welt, die Walhaie zu sehen.

Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel bietet Flugzeugmechaniker Wolfgang Arnim an, ihn morgen bei der Überprüfung unseres Flugzeuges zu unterstützen.




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