29.06.2010
aerokurier

Fly & Help Seattle San FranciscoFly & Help Cheyenne erreicht San Francisco

Das Team an Bord der Fly&Help Piper Cheyenne ist unterwegs an der US-Westküste. Von Seattle aus nehmen Reiner Meutsch und Arnim Stief Kurs auf San Francisco.

Reiner Meutsch schildert seine Flugerfahrungen für die Leser von aerokurier.de


Seattle (KBFI) – 47° 36′ 35″ N, 122° 19′ 59″ W
Garberville (KACV) – 40° 6′ 0.96″ N, 123° 47′ 37.89″ W
San Francisco (KSQL) – 37° 46′ 45.48″ N, 122° 25′ 9.12″ W
Distanz: 624 NM
Flugzeit: 3 Stunden

Tag 105, 25. Juni 2010
Bereits gestern haben wir Taxifahrer Kaith kennengelernt, der uns vom Flughafen zum schönen 3-Sterne-Hotel Paramount in der 8. Avenue mitten in Seattle gefahren hat.
Der 29-Jährige ist Vietnamese und Familienvater zweier kleiner Kinder im Alter von vier und fünf Jahren. Er ist ein netter junger Mann und fährt sicher, weshalb wir ihn gebeten haben, uns am Abend zum Cirque du Soleil zu bringen. Die Show „Kooza“ ist Weltklasse, eine großartige Darbietungen internationaler Künstler vor 2.400 Besuchern im ausverkauften Zelt. Wolfgang hatte die Karten kurzfristig am Nachmittag organisiert und es hat sich wirklich gelohnt. Kaith hat währenddessen auf uns gewartet, ohne Zusatzkosten zu berechnen. Wir haben vereinbart, dass er uns auch heute und morgen durch Seattle begleitet, denn bei ihm fühlen wir uns gut aufgehoben.

Unser Tag startet mit einem ausgiebigen Geburtstagsfrühstück für meinen Freund und Kollegen Arnim. Ein schöner Anlass, um die vergangenen sechs Monate Revue passieren zu lassen. Ganz schön weit sind wir bisher gekommen: 60.000 Kilometer und 200 Flugstunden liegen zwischen dem Siegerlandflughafen und Seattle. Unglaublich, wie die Zeit vergeht!

Für mich persönlich ist Seattle die wohl schönste Stadt, die ich bisher in den Staaten erlebt habe – eine saubere grüne Oase und dazu viele junge Menschen auf den Straßen. Nicht umsonst trägt sie den Beinamen „Smaragdstadt“, eine Anspielung auf das viele Grün. Der eigentliche Name Seattle lässt sich zurückführen auf Noah Sealth, Häuptling der Duwamish und Suquamish. Seattle hat Bergen und Hügel, mit der größten Steigungen hier in Downtown. Aber dominiert wird die Großstadt vom Wasser. Zum einen durch den Puget Sound, ein Sund, der den Zugang zum Pazifik schafft und mehrere Seen innerhalb der Stadtgebiets, wie zum Beispiel Lake Washington und Lake Union, die mit Kanälen verbunden sind. Im Mount-Rainier-Nationalpark, nur 83 Kilometer südöstlich von Seattle, liegt der 4.392 Meter hohe Mount Rainier. Ein Schichtvulkan, der zuletzt Ende des 19. Jahrhunderts ausbrach. Aufgrund seiner imposanten Erscheinung nennt man ihn rund um Seattle einfach nur „The Mountain“.

Besonders freuen wir drei uns heute auf den Besuch des Boeing Werkes, um hautnah bei der Produktion des Jumbo 747-400 sowie des Dreamliners und fünf verschiedener Boeing 777 dabei zu sein. Auf einer anderthalbstündigen Werkstour gibt uns Mark Smith einen sehr eindrucksvollen Einblick in die Arbeit der 150.000 Boeing Mitarbeiter. Schon in Melbourne hatten wir zufällig einen der leitenden Boeing Mitarbeiter kennengelernt. Das Unternehmen wurde 1916 in Seattle gegründet und stellt bis heute einen starken Wirtschaftsfaktor in der Stadt dar. Zuletzt zog Boeing im Jahr 2001 seinen Hauptsitz aus Seattle ab und verlegte ihn nach einem Wettstreit verschiedener amerikanischer Städte nach Chicago. Die Verkehrsflugzeugsparte hat jedoch ihren Sitz immer noch hier.

Ganz geduldig hat Taxifahrer Kaith währenddessen auf uns gewartet – volle drei Stunden! Als kleine Aufmerksamkeit erstehen wir verschiedene Flugzeug-Spielsachen für seine Kinder und für ihn eine Kleinausgabe des Dreamliner. Plötzlich hat er Tränen in den Augen und kann gar nicht fassen, dass seine Fahrgäste ihn beschenken.

Nachmittags geht die Tour weiter auf den fast 200 Meter hohen und über 40 Jahre alten Space Needle, ein Turm mit hervorragender Sicht auf ganz Seattle. Einmal mehr meldet sich meine Höhenangst zurück, als wir den Außenfahrstuhl mit seinen vielen Fenstern besteigen. Mir ist mulmig, aber ich will auf keinen Fall die Aussicht verpassen.

Zu dritt genießen wir den letzten Abend in Seattle, denn schon morgen verlässt uns unser Pilotenkollege Wolfgang und fliegt wieder zurück nach Deutschland. Es war eine schöne Zeit!


Tag 106, 26. Juni 2010
Pünktlich holt uns Kaith für die Fahrt zum Flughafen ab. Er hat Fotos seiner Kinder dabei und berichtet freudig, dass das Spielzeug bei den Kleinen sehr gut angekommen ist. Der Abschied ist herzlich und dann starten wir gen Südwesten durch. Richtung Rocky Mountains sehen wir links von uns schon bald riesige Vulkane und die Kaskadenkette unter uns. Vom Bundesstaat Washington aus geht’s nun quer über Oregon nach Kalifornien. Es ist wolkenlos, fast windstill und der Himmel leuchtet sattblau. Was für eine Traumkulisse!

Nach gut zweieinhalb Stunden setzen wir für einen Zwischenstopp auf dem kleinen Flugplatz Garberville, inmitten von Bergen und Hügeln gelegen, zur Landung an. Der Anflug führt uns dicht an den Hängen vorbei und knapp über die Baumkronen auf die 1.000 Meter lange Piste.

Vor 14 Jahren war Arnim als Safety Pilot hier und fand ein Quartier bei dem örtlichen Apotheker, der auch gleichzeitig Flugzeugbesitzer ist. Der Ort selbst liegt rund sechs Kilometer vom Platz entfernt – zu weit weg um zu laufen, da wir ja nur einen kurzen Stopp auf dem Weg nach San Francisco einlegen. Unverhofft drückt uns ein Pilot seinen Autoschlüssel in die Hand. Wir schauen zunächst ungläubig und zögern, weil er uns doch gar nicht kennt. Dankbar nehmen wir die freundliche Geste an und fahren in die Stadt zum Essen. Bei der Rückkehr am Flugplatz ist die Überraschung groß, als Arnim Fred Baron erblickt, den Apotheker von damals. Unsere Ankunft in dem typischen Westernörtchen ist nicht unbemerkt geblieben und hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Ein kurzes Fachsimpeln unter Kollegen und schon geht’s weiter mit Kurs auf San Francisco.

Beim Anflug ist die Stadt fast frei von Seenebel, nur die Golden Gate Bridge ist komplett in Schleier gehüllt. In der Bucht von San Francisco fliegen wir auch über Alcatraz hinweg, bevor ich zur Landung auf dem Howard Stadtflugplatz ansetze. Nach der Abwicklung bringt uns das Taxi direkt zum Prescott Hotel Downtown. Wieder ein Tophotel, das uns Margret  Dietermann von American Ring Travel kostenfrei besorgt hat. Ein großes Dankeschön hierfür.

Ich bin voller Erwartung. Gleich morgen starten wir bunt in den Tag, denn die alljährliche „San Francisco Pride“ findet statt. Eine große Schwulen- und Lesben-Parade direkt vor unserer Haustür. Tausende Menschen werden die Straßen säumen und feiern, wir sind gespannt.

Der Abend klingt am Fisherman`s Wharf aus. Die Musikband draußen spielt stilecht „San Francisco“ von Scott McKenzie aus dem Jahre 1967. Meine Frau liebt diesen Song – ich fühle mich ihr nah in diesem Moment.




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