13.04.2010
aerokurier

Meutsch Weltflug Timor - DarwinFly & Help: Australien ist erreicht

Der nächste Kontinent ist geschafft. Die Piper Cheyenne von Reiner Meutsch und Arnim Stief hat Darwin in Australien erreicht.

Reiner Meutsch schildert seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de

Kupang, Timor (WATT) – 10° 11′ 3.48″ S, 123° 35′ 41.64″ E
Darwin (YPDN) – 12° 27′ 0″ S, 130° 50′ 0″ E
Distanz: 480 NM
Flugzeit: 2,5  Stunden

Eine Hochzeit im Regenwald
Von Timor nach Darwin: Im Funk spricht man Deutsch

Tag 57, 9. April 2010

Gestern Abend hatten wir uns bereits um ein Auto und einen Fahrer gekümmert und so erwartet uns heute Morgen David Ndoen mit seinem Toyota. Er ist 49 Jahre alt und verheiratet - wie wir erfahren, hat er seine Ehefrau „gekauft“. Denn auf Timor müsse grundsätzlich jeder Mann für seine Frau bezahlen. Man nennt es hier Brautgeld.

Wir verlassen Kupang und fahren ins Hinterland. Schon bald erreichen wir eine Siedlung aus Bambushütten, deren Dächer mit Palmenblättern bedeckt sind. Viele Kinder sind sogleich um uns herum. Nicht aufdringlich, aber neugierig.

Wir beobachten, wie eine Frau Zucker kocht und diesen in Palmenblätter hüllt. Sie erzählt uns, dass sie ihre Ware später auf dem hiesigen Markt in Kupang anbieten wird. Der Tageslohn: 30 Cent. Ihr Mann ist unterdessen mit nackten Füßen an einer etwa 20 Meter hohen Palme empor geklettert und pflückt Kokosnüsse. Seine Hände sind total eingekerbt und die Füße schon stark geschunden.

Weiter im Landesinneren ähneln die Menschen vom Aussehen den Menschen aus Papua-Neuguinea. Wasser wird über ein kompliziertes Bambusrohrgeflecht aus Bachläufen ins Dorf geleitet. Inmitten des Dorfes befindet sich der Pig Place, wo wöchentlich ein Schwein geschlachtet und an die Dorfbewohner verteilt wird.

Als wir mitten im Regenwald von Timor stehen, fängt es plötzlich an heftig zu regnen. Und einfach alles, die Straße, die Hütten und die Lehmwege sind im Nu überschwemmt. Es ist ein Tropenregen, wie er hier oft zu erleben ist. Die Bäume sind teilweise bis 50 Meter hoch, die Palmen sind gigantisch und die Spinnen überdimensioniert groß.

Im nächsten Dorf werden wir Zaungäste einer Hochzeit. Wir drei begrüßen das Brautpaar und Paul gibt dem Ehemann als Geschenk 50.000 Rupiah, umgerechnet etwa vier Euro. Der Mann dankt und möchte davon Zigaretten und Alkohol kaufen. Paul nimmt beherzt das Geld zurück und gibt es der gerade frisch vermählten Ehefrau. Sie möchte davon etwas zum Essen kaufen. Unter Planen wird bei strömendem Regen getanzt, gelacht und gefeiert - und wir sind mittendrin.

Spätnachmittags geht es wieder zurück nach Kupang ins Kristal Hotel. Morgen erwartet uns ein besonderer Tag auf unserer FLY & HELP-Weltumrundung: Wir fliegen auf den nächsten Kontinent nach Australien!

Tag 58, 10. April 2010

Es ist Samstagmorgen, wir stehen am Flughafen Kupang und warten auf den Zollbeamten. Wie sich herausstellt, hat er kein Auto und kann deshalb nicht kommen. Schnell ruft er jedoch Freunde herbei und lässt sich zum Flugplatz fahren. Rasch sind wir in der Luft. Noch mal Glück gehabt!

Die ersten 15 Minuten fliegen wir unter VFR (Sichtflugbedingungen) in rund 400 Meter Höhe  über die urwüchsig wilde Insel Timor. Knapp vor der Grenze zu Osttimor drehen wir nach rechts ab und steigen auf 21.000 Fuß über den indischen Ozean Richtung Australien.

Per Funk werden wir aufgefordert über die Frequenz 128,50 Kontakt zur Coast Watch 363 aufzunehmen. Es folgt das Fliegerenglisch-Ritual und plötzlich fragt uns der Kapitän des Coast Watch Fluges: „Seid ihr aus Deutschland?“. Arnim antwortet und erzählt  von unserem Flug um die Welt. „Ich bin der Herbert von Coast Watch Flug 363“, kommt es aus dem Funk zurück. „Wenn ihr mal Lust auf ein Bier habt, ruft mich an! Hier meine Telefonnummer … “. Wir werden ihn anrufen und ein Bier mit Herbert trinken. Hundertprozentig!

Nach zwei Stunden Flug taucht die Küste Australiens vor uns auf. Paul kommt zu Arnim und mir nach vorne ins Cockpit und wir genießen gemeinsam den Anflug.

Schon wenig später erscheint Darwin vor uns. In der Stadt leben gut 100.000 Menschen – im gesamten Northern Territory, das sich über ein Gebiet von 1.500 x 800 Kilometer ausdehnt, nur 220.000.

Unter Sichtflugbedingungen setzten wir bei 33 Grad Außentemperatur sicher auf australischem Boden auf. Das übliche Abwicklungsprozedere findet in einer äußerst harmonischen und freundlichen Atmosphäre zwischen dem Tower und uns statt. Meine 22-jährige Tochter hat ein Jahr in Australien gelebt und studiert. Oft hat sie uns Daheimgebliebenen von der Freundlichkeit der Menschen vorgeschwärmt. Nun erlebe ich es selbst.

Am Boden erwartet uns schon der Herborner Klaus Dieter Hose. Er arbeitet hier als Testpilot. Sein Sohn Florian ist auf meinem Heimatplatz Siegerlandflughafen in der Flugschule tätig. Florian hat seinen Vater gebeten, sich Vorort um uns zu kümmern. Klaus Dieter hilft uns gemeinsam mit Michael, genannt Hoss, denn er sieht aus wie Bonanza-Hoss,  bei den Einreiseformalitäten. Zusammen gehen wir auch auf eine erste Stadtrundfahrt durch Darwin.

Über die Travelagentur Insightaustralia aus Sydney/Melbourne haben wir gute Preise für all unsere Übernachtungen in ganz Australien bekommen. Für Darwin hat Birgit Bourne, Mitinhaberin der Agentur, das Vibe-Hotel gebucht. Eine sehr schöne Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Da das Hotel direkt an der Waterfront liegt, genießen wir den Ausblick aufs Meer und werden heute Abend auf unsere Tagesetappe anstoßen.

Endlich sind wir in Down Under angekommen. Wie freuen uns auf Stationen wie Kimberley, Broome, Exmouth, Perth, Melbourne, Sydney, Brisbane und Cairns. Tausende von Flugkilometern liegen in den nächsten zwei Wochen vor uns. Ein unbeschreibliches Gefühl!




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