20.06.2016
aerokurier

BlogDie Reise der Trike Globetrotter

Wenn Menschen ihr altes Leben für einen Traum aufgeben, können sie alles verlieren. Oder das ganz große Los ziehen und ein neues, intensives Leben beginnen. Sowie Doreen Kröber und Andreas Zmuda, die mit ihrem Hängegleiter-Trike um die Welt fliegen. An dieser Stelle berichten die beiden Trike-Globetrotter über ihr Leben als fliegende Nomaden und nehmen die aerokurier-Leser mit auf ihre Reise bis ans Ende der Welt – Australien.

New York City – die riesigen Wolkenkratzer sind schon rund 40 Meilen vorher deutlich zu erkennen. Und je näher wir kommen, umso dichter wird der Flugverkehr. Im Umkreis von 50 Kilometern bestimmen nicht nur die drei riesigen Bravo-Flughäfen JFK, Newark und La Guardia das Geschehen, sondern auch sechs Charlie- und drei Delta-Flughäfen sowie endlos viele große Heliports mit rund 100 Hubschraubern für touristische Rundflüge. 

Auf jeder denkbaren Flughöhe schwirren vor neben und über uns große und kleine Flugzeuge und dutzende von Helikoptern. Mein TRX-2000 ADS-B Empfänger meldet derart viel Verkehr um mich herum, so dass ich den elektrischen Tragflächentrimm ganz hochziehe um unsere Reisegeschwindigkeit von 58 Knoten auf für uns stolze 76 Knoten zu erhöhen. Ich will nur noch irgendwie ganz schnell sicheren Boden unter meinen drei Rädern haben. Wir haben bisher auf den rund 40.000 Kilometern über 33 Ländern schon viel erlebt, aber das hier ist die absolute Krönung! 

Die Bodenkontrolle auf dem Morristown Municipal Airport begrüßt mich auf ihrem "first-class GA airport" und leitet mich zum Signature FBO, einer Privatfirma, die hier den Flughafen verwaltet. Der Einweiser winkt uns in die äußerste Ecke seines Vorfeldes und lacht. Ich weiß gar nicht warum!? So etwas wie wir ist hier wohl noch nie gelandet! Ich klettere aus meinen Sitz und wir werden sofort vom Flughafenmanager Cesar Rizik und seiner Assistentin Maria begrüßt. 

"Ich habe schon von Euch gehört. Eine Woche wollt Ihr hierbleiben? Ja dann werden wir Euren Flieger besser in unseren Hangar stellen."

„Das ist super, aber wie steht es mit den Kosten?“, frage ich vorsichtig nach. „Ihr zahlt hier nichts. Ihr seid unsere Gäste“, antwortet Cesar.  Keine Lande- oder sonstige Gebühren und das Crew Car, eine schnittige schwarze Limousine, steht schon vollgetankt für uns bereit. Nein auch das kostet nichts und wir können es die ganze Woche benutzen. Wo wir schlafen? Auch da hat Cesar gleich eine Idee.

"Wir haben hier einen Ruheraum für Piloten mit Computer und gutem Internet und die Duschen sind gleich da vorne. Wenn ihr Wäsche waschen wollt auch kein Problem, Waschmaschine und Trockner sind im Hangar. Wenn ihr sonst noch irgendetwas braucht, sagt mir Bescheid!". 

Das ist nun unser Raum, unser zu Hause für die nächsten Tage. Ob er wohl zu allen Piloten so offenherzig und großzügig ist? Ich glaube, Cesar hat einen Narren an uns gefressen, er ist einfach begeistert von unserem Flugabenteuer.

Maria backt gerade Cookies und der frisch gebrühte Kaffee duftet, aber Cesar drängelt.

„Ihr müsst doch hungrig wie die Wölfe sein nach diesem Flug, und außerdem will ich mehr über Euch und diese wunderbare Reise erfahren. Ich lade euch ein zum Hungry Man Breakfast!“ 

Schon sitzen wir in seinem riesigen Truck und Minuten später in einem typischen Diner. Die Speisekarte ist allumfassend, aber zum Glück übernimmt Cesar die Bestellung und das Frühstück macht seinem Namen alle Ehre.

„Cesar, wir würden zu gerne einmal den Hudson River rauf, an den Hochhäusern von Manhattan vorbei und dann im Tiefflug um die Freiheitsstatue herumfliegen. Kannst Du uns da irgendwie eine Sondergenehmigung besorgen?“, will ich wissen.

Cesar lacht und ich komme mir wie ein kleiner Schuljunge vor, der etwas völlig Absurdes gefragt hat. Natürlich ist die Frage unsinnig. Nach den Terroranschlägen vom 11. September darf sicherlich kein Flugzeug so nahe an die Freiheitsstatue und Manhattan heranfliegen, beantworte ich mir meine Frage selbst. „Es gibt keine Sondergenehmigung. Du fliegst einfach los Andreas!“, sagt Cesar. „Wirklich?“, frage ich überrascht. Ich traue meinen Ohren nicht. „Es gibt folgende Möglichkeiten“, sagt Cesar. „Entweder verabschiedest du dich nach dem Start rund 10 Meilen außerhalb von unserem Fluglotsen und fliegst unter 1400 ft, um unter allen kontrollierten Bravo-, Charlie- und Delta-Lufträumen zu bleiben. Sowie Du den Hudson River erreichst, biegst Du an der Washington Brücke ab, fliegst rechts am Ufer entlang den Fluss runter, vorbei an Manhattan und der Freiheitsstatue. Dabei musst Du an drei bestimmten Stellen Deine Position den anderen Piloten durchgeben. Und auf dem Weg zurück fliegst du ganz rechts, dann kommst du ganz dicht an die Hochhäuser heran. Das ist die eine Möglichkeit.“

Mir erscheint das zu gefährlich, außerdem bin ich korrekter Deutscher und entscheide mich für die zweite Möglichkeit. Ich lasse mich von einem Fluglotsen zum nächsten weiterleiten und fliege sicher durch alle kontrollierten Flugräume.

Am nächsten Morgen sind wir um 6 Uhr im Hangar und bereiten uns vor. Keine Wolke am Himmel, absolut windstill. Perfektes Wetter, aber ich bin etwas nervös, da es mir immer noch nicht gelungen ist, unsere neuen Helme und Headsets von Flycom mit meinem Funkwerk-833-Radio perfekt einzustellen. Doreen und ich können uns sehr gut beim Flug unterhalten und ich verstehe auch jeden ATC. Nur bei hohen Drehzahlen verstehen mich die Fluglotsen kaum, da die Motorengeräusche zu hoch sind.

Nachdem ich den ATIS abgehört habe, leitet mich die Bodenkontrolle zur Startbahn 23. Vor mir sind bereits zwei Learjets auf dem Taxiway und bei Intersection Foxtrott bitte ich um Startfreigabe direkt von der Intersection. Wir brauchen nur rund 200 Meter um abzuheben, und so starten wir noch vor den Learjets in den Morgenhimmel. 

Kaum sind wir abgehoben, bittet mich der Fluglotse mit seinem Kollegen auf dem Essex County Flughafen auf 119.8 Kontakt aufzunehmen. Also Funkfrequenz neu einstellen und nach nur 10 NM werde ich wieder gebeten die Funkfrequenz zu ändern: 119,5, Teterboro Airport. 

Auch bei dem Fluglotsen bin ich nicht lange. Er bittet mich, auf 1500ft zu fliegen und sobald ich den Hudson River auf Höhe der Washington Brücke erreicht habe, auf 118,7, La Guardia International Airport, zu wechseln, da ich mich dann in deren Bravo befinde.

„N217TG, sind sie mit den New York Clas B Airspace Hudson River and East River Exclusion Special Flight Rules vertraut?“, fragt mich der Fluglotse. Ja klar, ich habe ich mich hierauf vorbereitet. 

Ab geht es den Hudson River entlang. Unglaublich, dass ich mit meinem kleinen Moskito hier fliegen darf. Und das ohne jegliche Kontrollen. Wir fliegen auf 1500 ft Höhe, und einige der Wolkenkratzer sind sogar noch höher als wir. Unter uns sehe ich die ersten Helikopter, die nun im Fünf-Minuten-Abstand auf 1000 ft den Hudson herunter zur Freiheitsstatue sausen. 

Als wir den Meldepunkt COCH erreichen und gerade dort sind, wo bis zum 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers standen, werde ich gebeten, nun auf 127.85 des Bravo-Flughafens New York Newark zu wechseln. Aber der versteht mich nicht. „N217TG, ich kann Sie nicht klar verstehen“, sagt er immer wieder, und das, nachdem er wunderbar meine Kennung verstanden und wiederholt hat. 

„Bitte gehen sie auf 1200 ft und wechseln sie auf CTAF 123.05. Dort verständigen sie sich mit den anderen Piloten“. Mist – genau da wollte ich nicht hin. Ich gehe sehr langsam runter, 1400, 1300… und schon meldet sich der Tower: „N217TG sie befinden sich immer noch in Bravo. Gehen sie sofort 100ft weiter runter“. Mein Transponder mit Höhenkennung funktioniert anscheinend einwandfrei…


WEITER ZU SEITE 2: Bermudadreieck: Turks & Caicos - Stella Maris / Bahamas - Nassau / Bahamas - Fort Lauderdale / USA

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