20.06.2016
aerokurier

Blog (Teil 3) Flug DomRep - Turks & Caicos

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Türkisblaues Wasser der Karibik. Foto und Copyright: Trike Globetrotter  

 

Zwei volle Monate warten wir nun auf unser neues Certificate of Registration. Die FAA in den USA lässt sich Zeit damit aber ich hatte das total verpennt, das unsere FAA Zulassung als Special-Light Sport Aircraft (SLSA) für unser französisches DTA Voyageur II Trike nach drei Jahren erneuert werden muss. Wir starteten unsere Tour ja in den USA und haben daher mit einem kleinen Trick unser Flugzeug dort mit der N-Nummer N217TG zugelassen. Schon deshalb, da dieser Flugzeugtyp in Deutschland nur als Ultraleichtflugzeug zugelassen werden kann. Obwohl der Begriff Ultraleichtflugzeug umgangssprachlich mehr oder weniger umfassend für Leichtflugzeuge verwendet wird, unterliegen letztere deutlich strengeren Zulassungs- und Wartungsvorschriften. Und in einigen Ländern dürfen Ultraleichtflugzeuge nicht einfliegen. Ohne diese FAA Zulassung als Special-Light Sport Aircraft könnten wir solch eine sicher zehnjährige Flugtour gar nicht machen!

Aber heute ist es endlich so weit. Flüge innerhalb der Karibik sind in der Regel mit extrem wenig Bürokratie verbunden. Zoll und Ausreisebehörde auf dem Cibao International Airport / MDST in Santiago de los Caballeros in der Dominikanischen Republik haben uns schon am Vorabend „ausgestempelt“, da sie zum Sonnenaufgang nicht schon zum Flughafen kommen wollten. Einfach den Stempel umstellen und es ist morgen! Latinos haben halt ihren ganz eigenen, oft unkomplizierten Weg. Und das ganz ohne Schmiergeld!

Nur als der Fluglotse im Tower unseren internationalen Flugplan kurz vor Abflug in die Hände bekommt werden wir gebeten, den bereits aufgewärmten Motor wieder abzustellen. Unser Flugzeug hat keinen eigenen Code im ICAO-Luftfahrzeugmusterkatalog. Noch weder der Hersteller, noch das Muster bzw. die Baureihe sind in dieser internationalen Liste verzeichnet. Also habe ich in meinen Flugplan brav ZZZZ als Flugzeugtyp geschrieben und bei Bemerkungen TYP Trike-WSCL für „Weight Shift Control-Land“. Nur damit möchte mich der Fluglotse absolut nicht abfliegen lassen. Denn so kann sich der Fluglotse in unserem 385 Kilometer entfernten Zielflughafen Providenciales International Airport / MBPV nicht vorstellen, was da auf seinem Flughafen landen wird, meint er.

Denn dort landen täglich Flugzeuge der American Airlines aus Charlotte, Miami, New York-JFK, Boston, Dallas/Fort Worth und Philadelphia, die British Airways aus Antigua und London, Delta Air Lines aus Atlanta, Boston und New York–JFK, United Airlines aus Newark, Chicago–O'Hare und Houston sowie unzählige kleinere Fluglinien, die die hunderten anderen karibischen Inseln anfliegen. Und zwischen den riesigen Fliegern möchte ich schon sicher auf dem immerhin 2807 mal 45 Meter messenden Runway landen.

Wir einigen uns ULAC einzutragen – „Ultraleicht-Aircraft“. Nicht ganz richtig, aber gut, und das hat auch schon bei anderen internationalen Flügen auf unserer Tour geklappt. Ich darf meinen 100PS starken Rotax 912 ULM Motor anwerfen und rolle vom Hangar des Flugclubs gerade noch vor der startbereiten Boeing 737-800 der American Airlines vorbei und melde mich bei der Bodenkontrolle.

Der Wind kommt aus 210° mit nur 5 Knoten und ich bekomme Anweisung zum Haltepunkt für Startbahn 29 zu rollen. Der Tower erteilt uns sofort Starterlaubnis und bittet uns noch etwas näher an seinen Turm zu fliegen, da er noch ein Foto haben möchte. Kein Problem, solche Abschiedsfotos sind wir gewohnt!

Der Plan ist, nicht auf direktem Kurs zum Zielflughafen zu fliegen, sondern zuerst rund 40 Minuten die 63 Kilometer in Flugrichtung 308 Grad, bis die 1250 Meter hohen Berge der Cordellera Septentrional nur noch rund 400 Meter hoch sind. Dann weiter 354 Grad in fast zwei Stunden und rund 190 Kilometer über das karibische Meer mitten in das Bermuda Dreieck herein und vorbei am ersten Notlandeplatz, dem ins Meer gebauten kleinen Flugplatz der Ambergris Cay Insel, der ersten Insel der Inselgruppe Turks & Caicos. Dann 319 Grad noch weitere 85 Kilometer weiter über das Meer direkt zur nächsten Insel - Providenciales. Durch den günstigen Rückenwind von neun Meilen auf der geplanten Route auf 6500ft kalkuliert das AirNavPro-System auf meinem iPad anstelle der drei Stunden und 20 Minuten Flugzeit für die 338 Kilometer nun nur noch zwei Stunden und 51 Minuten.

Nach rund 2500 Kilometer über dem türkisblauen Wasser der Karibik innerhalb der letzten 17 Monate, sind Flüge über Wasser irgendwie schon beinahe etwas „Normales“ geworden aber wir staunen nicht schlecht, als rund 70 Kilometer vor Providenciales unter uns leuchtenden, türkisenes Wasser, wie wir es so noch nie gesehen haben, erscheint. Doreen bittet mich nun in 100 Meter Höhe über das Wasser zu fliegen, um aus allen möglichen Höhenlagen Fotos machen zu können. Und die Anflugkontrolle spielt mit und lässt mich munter auf jeder gewünschten Flughöhe fliegen. 

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Empfang auf dem roten Teppich nach der Landung auf den Turks- und Caicosinseln. Foto und Copyright: Trike Globetrotter  

 

21 Kilometer vor der kleinen Insel gehe ich auf 2000 Fuß hoch und ich kann den Flughafen deutlich erkennen. Der Fluglotse im Tower lässt sich meinen Flugzeugtyp genau erklären. Naja ich versuche es aber so recht verstehen kann er es nicht. ULAC, Trike, Ultraleicht – alles Fremdwörter für ihn, die er noch nie in seinem Leben gehört hat. So etwas hat sich hierher noch nie „verirrt“. Erst als ich ihm sage, das ich aussehe wie ein fliegendes Motorrad mit einem Motor hinter unseren Sitzen und einem Drachensegel über uns, fängt er sofort schon beinahe hektisch an, alle großen Verkehrsflugzeuge in eine Warteschleife zu beordern und erteilt uns umgehend Landeerlaubnis, obwohl ich noch 12 Minuten bis zur Landung auf Bahn 10 benötige. 

Es ist immer ein tolles Gefühl mit unserem Miniflieger auf solch riesige Flughäfen zu landen und die erstaunten Gesichter der Flughafenangestellten zu sehen, wenn erstmals auf diesem Flughafen ein Trike landet! Die Bodenkontrolle leitet uns zum privaten FBO von Provo Air Center, die bereits mit einem Einweiser auf uns warten, um uns zwischen den Privatjets der Millionäre hindurch ganz in die hintere Ecke des Vorfeldes dirigieren. Hier wartet eine Prämiere auf uns – ein roter Teppich! Wir können uns vor Lachen kaum halten, was die Angestellten nicht ganz verstehen. Erst als wir ihnen erklären, dass wir ansonsten meist wegen unseres geringen Budgets auf kleinen Flughäfen landen und dort versuchen im Zelt zu schlafen, fangen auch sie an mitleidig zu lächeln. 

Der Manager von Provo Air Center erlässt uns seine kompletten Gebühren von einigen hundert US-Dollar, sorgt innerhalb von wenigen Minuten für die notwendigen Stempel im Reisepass und in unserer Zollerklärung. Wir warten  - noch in Flugkleidung - in luxuriösen Ledersesseln bei einem frischen Kaffee in der privaten Lounge. Skeptisch begutachten uns die uniformierten Kollegen der Privatjets. Naja, mit Skiunterwäsche, die unter meiner wasser- und winddichten Flughose noch etwas zu sehen ist, haben sie sicher noch keinen Piloten gesehen. 

Die langbeinige Sekretärin lässt sich von uns Bilder zeigen, die ich auf dem iPad durchblätttere. Im nu sind wir umstellt von Zollbeamten und Piloten, Gepäckträgern und Putzfrauen. Jedes Bild bekommt ein Ohhhhh und Ahhhh. Der Manager hat ein billiges Hotel gefunden, entschuldigt sich aber gleich und warnt uns, dass wir nichts Besonderes erwarten sollten. Es ist das billigste Zimmer der Inselgruppe – 180 US-Dollar die Nacht! Aber immerhin ordert er einen seiner Mitarbeiter ab, um uns mit einem riesigen Luxusschlitten mit edlen Ledersitzen in das Hotel zu fahren. Vorher sind nur noch die Landegebühren zu zahlen, die er an die Regierung weiterleiten muss – 384 Dollar. Naja Turks & Caicos sind eh viel zu teuer für uns. Hotels oder besser Pensionen fangen bei 180 Dollar an, und ein warmes Essen bei 25 Dollar für ein halbes Hühnchen. Morgen geht es weiter auf die Bahamas!


WEITER ZU SEITE 4: Drei Flaschen Wein und eine Schnapsidee

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