20.06.2016
aerokurier

Blog (Teil 2) Bermudadreieck: Turks & Caicos - Stella Maris / Bahamas - Nassau / Bahamas - Fort Lauderdale / USA

IN DIESEM ARTIKEL

Eine Stunde vor Sonnenaufgang sind wir am privaten FBO von Provo Air Center. Man weiß Bescheid, dass wir kommen, hier auf dem Providenciales Internation Airport auf der Inselgruppe Turks & Caicos. Man lässt uns ohne jegliche Kontrolle auf das Vorfeld, wo unser kleines Trike neben 17 privaten Luxusjets steht und schon etwas wirkt, als kämen wir von einem anderen Stern. 

Am Nachbarterminal werden gerade die Maschinen von American Airlines und Delta aufgetankt. Das haben wir schon gestern erledigt. Zum Glück gibt es hier AvGas 100LL. Das war nicht immer so auf unserer bisherigen Route durch 32 Länder. Im Amazonasgebiet Brasiliens mussten wir zum Beispiel oft MoGas mit einer Handpumpe aus alten Benzinfässern irgendwo bei einem Urwaldbauern pumpen. Damit ich sicher sein konnte, dass der Motor auch mindestens seine 91 Oktan bekommt, habe ich stets einige Liter AvGas aus unserem kleinen Zusatztank hinzu gemischt. 

Pünktlich zum Sonnenaufgang bekommen wir Starterlaubnis und fliegen mit der Sonne im Rücken in Richtung Bahamas. Dabei gehen mir die ganzen Geschichten über das Bermuda Dreieck nicht aus den Sinn. Im berühmt-berüchtigten Bermudadreieck sind auf mysteriöse Weise seit Jahrhunderten viele Schiffe, Flugzeuge oder ihre Besatzungen spurlos verschwunden. Um dieses Fleckchen Erde ranken sich die wildesten Geschichten. Viele Fälle konnten nie restlos aufgeklärt werden. Und nun fliegen wir tief in dieses Teufelsdreieck rein.

212 NM haben wir heute zu bewältigen. Bei 55 Knoten Reisegeschwindigkeit ein Abenteuer für sich. 3 Stunden 48 Minuten gibt mir meine App auf dem iPad vor. Wir werden heute wieder von AirNavPro auf ForeFlight wechseln. Letzteres hat nicht nur genauere Karten, sondern auch viel mehr Infos über Lufträume und Flughafendaten wie einblendbare Taxi-Diagramme. 

Nach knapp einer Stunde über Wasser erreichen wir die erste Insel der Bahamas, Mayaguana Island mit ihrem alten, seit vielen Jahren geschlossenen Militärflughafen der Amerikaner aus dem zweiten Weltkrieg. Aus 800 Meter Flughöhe ist deutlich zu erkennen, wie die zwei Kilometer lange Landebahn schon fast wieder komplett von Büschen und Gras zugewachsen ist. Über der kleinen Insel hängen Wolken, ein Szenario, dass sich nun bei allen anderen Mini-Inseln hier wiederholt. 

Mit 12 Stundenkilometern Crosswind setzen wir nach knapp vier Stunden auf dem Miniflughafen von Long Island in Stella Maris auf. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Einen Tower gibt es hier nicht, nur eine Intercom-Frequenz, aber da reagierte schon im Anflug keiner. Wir binden das Trike am kleinen Zaun fest, damit der inzwischen auf 20 Stundenkilometer aufgefrischte Wind unseren Flieger nicht ohne uns abheben lässt. In den beiden Hütten des Flughafens finden wir dann doch jemanden, wenn auch schlafend. Der Zollbeamte findet es nicht lustig, aufgeweckt zu werden und knallt uns die Formulare zum Ausfüllen hin. Die Pässe werden von ihm abgestempelt, da der Polizist, der das ansonsten macht, wohl lieber zuhause schläft als hier. Wir werden dann auch gleich zur nächsten Hütte geschickt, um den nächsten aufzuwecken. Der Herr stellt sich als Mike, der Airport-Manager vor, verlangt 10 US-Dollar pro Nacht und schläft, nachdem ich ihm 30 Dollar ohne Beleg in die Hand gedrückt habe, gleich weiter.

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Nach anderthalb Jahren Karibik und endlosen Flügen über Wasser endlich wieder Festland! Foto und Copyright: Trike Globetrotter  

 

Nach einigen Nächten auf dieser Trauminsel geht es bei Sonnenaufgang weiter nach Nassau. Nach drei Stunden entlang der Inselkette Exuma, rund 20 nautische Meilen vor Nassau, nehme ich Kontakt mit der Anflugkontrolle des Lynden Pindling International Airport auf. Der schickt mich gleich wieder raus auf das offene Meer, und ich frage sicherheitshalber die Fluglotsin, ob sie auch verstanden hat, dass ich auf ihrem Flughafen landen will. „Süßer, ich will Dich nur aus Einflugschneise haben“ bekomme ich als Antwort! 

Nach 10 Minuten bekomme ich endlich Erlaubnis, mich ihrem Flughafen wieder etwas zu nähern, aber die Dame teilt einem Flieger nach dem anderen eine Nummer zu: „Du bist Nummer 8, Du Nummer 9…“. Nur ich bekomme keine! Alle zwei Minuten landet oder startet hier eine Maschine. Wie sollen wir da je herunterkommen?

„N217TG eine 360 bitte“. Na gut und nach 20 Sekunden melde ich Vollzug. Damit hat die Dame nicht gerechnet und bittet mich, schnell noch zwei weitere 360 zu fliegen und mir da auch einige Zeit zu lassen. So kreise ich in einem weiten Bogen über Nassau, aber nach 12 Minuten habe ich den Kanal voll, denn meine Tankanzeige nähert sich dem linken roten Strich. Nachdem ich ihr das mitgeteilt habe, bekomme ich sofort Erlaubnis mich einzureihen und darf nach einer weiteren Ehrenrunde auf der 3460 Meter langen Piste 14 landen. 

Den Nachmittag nutzen wir, um schnell nach Miami zum Mittagessen zu fliegen – allerdings mit American Airlines! Als Deutscher braucht man für die Einreise in die USA das ESTA-Visum, das man online schnell und einfach bekommt. Nur damit darf man nicht mit einem Privatflugzeug einfliegen! Zuerst muss man das ESTA „Aktivieren“, also mit einer zugelassenen Fluglinie in die USA einreisen. Danach kann man mit dem Privatflugzeug 90 Tage lang beliebig ein- und ausfliegen. Allerdings muss die Einreise in die USA mit einem Privatflugzeug auch online mit einem eAPIS angemeldet werden, und man muss den Zoll mindestens einen Tag vorher beim Zielflughafen anrufen. Das erledige ich alles während wir darauf warten, in den Flieger der AA zu borden und zum Mittagessens-Ausflug nach Miami zu düsen.

Am nächsten Morgen erhalten wir von der Flugsicherung noch eine Anweisung, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir vor der Küste der USA von Kampfjets begrüßt werden. Wenn diese ganz dicht an uns heranfliegen, sollen wir mit der Tragfläche wackeln und den Kampfjets folgen. Ich lache nur. Wie sollen wir mit 55 Knoten Reisegeschwindigkeit einem Kampfjet folgen? 

Die drei Stunden von Nassau nach Fort Lauderdale Executive Airport vergehen schnell. Kampfjets sehen wir auch, aber die sind rund 500 Meter weit entfernt. Wir wackeln lieber nicht mit unserem Segel. 

Auch der Fort Lauderdale Executive Airport ist riesig groß, aber wir bekommen sofort Landeerlaubnis. Endlich wieder Festland! Nun versucht mich die Bodenkontrolle über die 33!! Taxiwege zum Zoll zu lotsen. Ich verfahre mich permanent und der arme Fluglotse, den ich kaum verstehe – vermutlich hat er 90 Kaugummis beim Sprechen im Mund – hat alle Mühe mit mir! Der Zollbeamte empfängt mich strahlend: „Welcome back in the US!“ 


WEITER ZU SEITE 3: Flug DomRep - Turks & Caicos

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