10.11.2015
Erschienen in: 06/ 2015 aerokurier

Klare KantePiper PA-25 Pawnee

Ein gefälliges Äußeres kann man der Pawnee kaum bescheinigen. Sie ist eher der kernige Typ für die grobe Arbeit in der Landwirtschaft. Genau dafür ist sie einst geschaffen worden.

Die PA-28 kennt jeder, der öfters auf dem Flugplatz ist. Und die Piper Cub ist in Sachen Popularität ohnehin unschlagbar. Aber die Pawnee? Wenn dieser Name fällt, dürfte bei den wenigsten Propellerpiloten ein Bild vor dem geistigen Auge entstehen. Dabei gehört die PA-25 zu den Piper-Modellen, die in durchaus ansehnlicher Stückzahl über einen längeren Zeitraum gebaut worden sind. Zwischen 1959 und 1981 sind immerhin fast 5200 Exemplare entstanden. Schwerer ins Gewicht fällt der Umstand, dass die Pawnee bei ihrem Erscheinen  aufgrund ihrer ungewöhnlichen Konstruktion für Aufsehen gesorgt hat und in mancherlei Hinsicht wegweisend war. Warum also kann kaum jemand etwas mit ihrem Namen anfangen? Vielleicht deswegen, weil die kantige Einmot den größten Teil ihres Lebens mit unglamouröser Handarbeit unter praller Sonne im Staub der riesigen Felder in den USA verbracht hat. Denn geschaffen wurde die Pawnee für Sprüheinsätze in der Landwirtschaft. Und Piper gab der PA-25, diesen harten und gefährlichen Arbeitsalltag vor Augen, einige neuartige konstruktive Merkmale mit. 

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg waren ehemalige Militärflugzeuge das übliche Arbeitsgerät in der Landwirtschaft der USA. Die Boeing Stearman etwa erlebte hier eine zweite Karriere. Auch die Piper PA-18 musste sich mit dieser Rolle anfreunden.  Bald aber kam der Wunsch nach leistungsstärkeren Flugzeugen auf, und Piper nahm eine Neukonstruktion in Angriff. Pragmatisch, wie man zu jener Zeit war, übernahm man viele bewährte Komponenten aus den bekannten Piper-Flugzeugen. Die Flächen, Klappen und Querruder zum Beispiel  liehen sich die Piper-Leute von der Super Cub und verstärkten sie für die Pawnee. Das Fahrwerk bauten sie aus Teilen der Tri-Pacer und anderer Modelle zusammen. Auch der anfangs eingebaute Motor war ein alter Bekannter: der 150 PS starke Lycoming O-320.

Ein wichtiges Anliegen war es den Konstrukteuren, den Piloten bestmöglich vor den Folgen eines Unfalls zu schützen. Denn bei dieser Art der Tieffliegerei war das Risiko für einen Zusammenstoß mit nachfolgendem Überschlag naturgemäß nicht klein. Und so setzten die Piper-Konstrukteure das Cockpit wegen der guten Sicht ungewöhnlich hoch an. Zugleich verlegten sie es weit nach hinten, um so viel energieverzehrendes Metall wie möglich vor dem Piloten zu haben. Den Fahrwerksbeinen verpassten sie scharfe Vorderkanten, um gegen Oberleitungen gewappnet zu sein. Dem gleichen Zweck diente ein starkes Kabel zwischen Cockpitdach und Leitwerksspitze.


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