21.02.2014
Erschienen in: 12/ 2013 aerokurier

Stark - Robust - PraktischPilot Report: Zlin Z 143 LSi Genius

Mit Garmin-Glascockpit und Einspritzmotor hat Zlin Aircraft seinen Viersitzer Z 143 modernisiert. Die AERO war die Premierenbühne für die LSi Genius. In diesem Herbst stand sie für einen Pilot Report zur Verfügung

Auf der AERO präsentierte Zlin Aircraft die Z 143 LSi Genius gleich in der Version als Patrouillen-Flugzeug mit dem Kamerasystem FLIR und großem Zusatztank im Fondbereich – passend für einen neuen Markt. Eigentlich ist der klassische Viersitzer von Zlin Aircraft ja ein alter Bekannter. Der Prototyp startete bereits im Frühjahr 1992 zum Erstflug. Mit einem 235 PS starken Lycoming-Vergasermotor und Dreiblatt-Constant-Speed-Propeller von Mühlbauer diente er sich als robuster, zuverlässiger Ganzmetall-Viersitzer mit guten Flugeigenschaften für den Einsatz in Flugschulen, in Vereinen, dort auch für den Segelflugzeugschlepp, und für private Reiseflüge an. In der Version LSi Genius fliegt die Z 143 jetzt mit einem Sechszylinder-Einspritzer von Lycoming und High-Tech-Cockpit. Ein Garmin 950 reduziert das Panel radikal auf zwei Bildschirme mit wenigen Notinstrumenten (Fahrtmesser, Horizont und Höhenmesser). Mehr Leistung hat die Z 143 mit dem neuen Motor nicht gewonnen, wohl aber Bedienungskomfort und Zuverlässigkeit. Mit dem überlegeneren Treibstoffmanagement und den Garmin-Leanhilfen ist der Einspritzer auch etwas sparsamer zu betreiben als die Vergaservariante. Die maximale Dauerleistung liefert der IO-540-C4D5 bei 2400 U/min mit 235 PS.

Mehr Stabilität durch Garmin 950

Stabilität hat auch das Bordnetz mit dem Einzug des Garmin 950 gewonnen, es arbeitet jetzt im 24-Volt-Niveau. Gelegenheit, die Zlin Z 143 LSi Genius im Flug kennenzulernen, ergab sich nach der AERO-Premiere für die aerokurier-Redaktion erst im Herbst in Otrokovice, wo Zlin Aircraft das neue Firmengebäude in unmittelbarer Nähe zum Werksfl ugplatz errichtet hat. Zur Verfügung stand mit der OKTUT eine mit Schleppkupplung ausgestattete, vereinsorientierte Variante. Ein Flugzeug mit gefälligen Formen, das im Gegensatz zu modernen Faserverbundkonstruktionen mit ihren eiförmigen Rümpfen und eng eingeschnürten Leitwerksträgern noch ganz der Vorstellung von einer konventionellen Einmot entspricht. Die große Schiebehaube öffnet einen bequemen Einstieg ins geräumige Cockpit. Auch breitere Schultern passen hier nebeneinander. Halt geben Vierpunktgurte. Die richtige Position lässt sich über eine Längsverstellung der Sitze wählen, so dass alle Bedienelemente gut erreichbar sind. Das Panel wirkt mit dem Garmin 950 fast schon klinisch aufgeräumt. Abgesetzt in dieser auch IFR-tauglichen Ausrüstung ist nur der S-TECAutopilot 55X, dessen Integration dem installierten Garmin die Bezeichnung 950 einträgt, das mit dem Garmin Autopiloten ein 1000er wäre. Die Bedienelemente sind funktionsgerecht angeordnet, die Sicherungen übersichtlich in der Mittelkonsole konzentriert. Dahinter liegen griffgünstig der Hebel für die mechanisch zu betätigenden Klappen und das Einstellrad für die Höhentrimmung, nur die weiter hinten liegende Seitenrudertrimmung erfordert Zuwendung. Mit dem Garmin 1000 und dem Anlassen von Einspritzmotoren vertrauten Piloten bietet die Genius keine Überraschungen.

Gute Wendigkeit

Angenehm fällt die Wendigkeit der Zlin mit dem gesteuerten Bugrad auf. Nach dem Backtrack zum Startpunkt „17“ von Otrokovice dreht sie auf engstem Raum in Startrichtung. Für den Start empfiehlt Blahomir Smetana, der mich begleitet, die Seitenrudertrimmung weit nach rechts einzustellen. Der Tipp spart mir im Startlauf und anschließenden Steigflug den sonst erforderlichen kräftigen Tritt ins Seitenruderpedal. Nach dem Übergang in den Horizontalflug muss die Federtrimmung dann weit zurückgedreht werden. Mit gut 100 Litern Avgas an Bord nur rund 1100 kg schwer, zirka 250 kg unter MTOW, beschleunigt die Genius zügig und erhebt sich bei 65 kts nach leichtem Zug am Steuerknüppel willig von der Bahn. Nach weiterem Beschleunigen auf 80 kts kommen die Klappen aus der Startstellung (14 Grad) zurück. Und mit 86 KIAS, der Geschwindigkeit für bestes Steigen, geht es Richtung Flugfläche 60. Propeller- und Gashebel stehen vorn, das Variometer signalisiert, dass es mit knapp 1000 ft/min aufwärts geht. Einmal auf Reisefl ughöhe, bietet die Z 143 auch in ihrer modernen Version nicht übermäßig schnelles Vorankommen. In 6000 ft zeigt das Garmin nach Reduzieren auf 2000 U/min bei 23 in Hg Ladedruck (65 Prozent/Leistung) den Handbuchwert von knapp 120 KTAS. Bei höherer Drehzahl (2200 U/min, 75 Prozent Leistung) legt die Genius zehn Knoten zu.

Für maßvollen Verbrauch empfiehlt sich die ökonomische Einstellung. Gut geleant nimmt sich der Lycoming dann immer noch fast 41L Avgas pro Stunde. Bei 75 Prozent sind es 51L. Interessant für den F-Schlepp: Bei „maximum power“ leeren sich die Flügeltanks mit 73L pro Stunde. Reichweite garantieren die zwei Tanks je Flügel mit insgesamt ausfliegbaren 216L. Die Tanks werden einzeln befüllt, sind aber auf jeder Flügelseite miteinander verbunden, so dass der Tankwahlschalter nur zwischen rechtem und linkem Tank unterscheidet. Mit der Z 143 ist sicheres Vorankommen ohne große Arbeitsbelastung für den Piloten angesagt. Sie erweist sich um alle Achsen stabil, so dass der hoch ins Cockpit ragende Steuerknüppel auch beimVerzicht auf den Autopiloten zeitweise sich selbst überlassen werden kann, ohne dass sie die Spur verlässt.

Auch Standardkurven dreht sie, einmal richtig ausgetrimmt, sich selbst überlassen weiter. Nach kurzen Seitenruderauslenkungen, mit denen ich Böenstöße simuliere, findet sie gleich wieder zurück auf Kurs. Im Überziehen zeigt sie ein gutmütiges Verhalten. Bis zum gut angekündigten Strömungsabriss lässt sie sich steuern, ohne in abrupte Manöver auszubrechen. Mit der großzügigen Cockpitverglasung ergibt sich nach vorn und zu den Seiten, selbst nach schräg hinten eine gute Sicht. Schön für jeden, der Fliegen auch als Seherlebnis begreift. Für den Sichtflieger erscheint allerdings die Anordnung des Garmin 950 im Panel etwas tief geraten. Zum Ablesen des Instruments muss der Blick recht weit gesenkt werden. Hier könnte eine höhere Unterbringung einen viel flüssigeren Ablauf bei der Luftraumbeobachtung und beim Instrumentencheck ermöglichen. So kooperativ sich die Z 143 LSi bis dahin gezeigt hat, so entgegenkommend gibt sie sich auch, als es an die Landung geht.

Das Setzen der Klappen (ab 103 kts) aus 90-kts-Platzrundengeschwindigkeit quittiert sie mit Fahrtreduzierung auf 80 kts. Diese Geschwindigkeit behält sie bei, sowohl in der 14- wie der 37-Grad-Stellung. Das passt exakt für den Endanflug. Vor dem Aufsetzen reduziert der Dreiblattpropeller (im Leerlauf) die Fahrt dann sehr schnell auf die dafür optimalen 62 kts. Mein Fazit: Die Zlin 143 LSi ist ein grundsolider Viersitzer mit satter Zuladung, einfachem Handling und ausgezeichneten Eigenschaften. Mit dem 235 PS Lycoming ist sie ausreichend motorisiert. Nachteil ist der hohe Verbrauch.

Technische Daten

Zlin Z 143 LSi Genius

Hersteller: Zlin Aircraft, Otrokovice, Tschechien 
Zulassungskategorie: normal/(utility) 
Sitzplätze: 4 
Konstruktion: Ganzmetall-Tiefdecker

Antrieb
Hersteller: Textron Lycoming
Typ: IO-540-C4D5

Propeller
Hersteller: MT Constant Speed Propeller
Typ: MTV-9-B/195-45 (3-Blatt

Abmessungen
Spannweite: 10,14 m
Länge: 7,58 m
Höhe: 2,91 m

Massen und Mengen
Leermasse: 855 kg (855)
Maximalmasse: 1350 kg (1080)
Tankinhalt: 2 x 61 l (2 x 61)
Zusatztanks:  2 x 51 l (0)

Leistungen
Max. Leistung bei 2400 rpm:  235 PS
Startrollstrecke:  295 m (170)
Startstrecke: 640 m (450)
Bestes Steigen:  965 ft/min (1457)
Max. Geschwindigkeit: 260 km/h (266)
Max. Reiseleistung bei 2200 rpm: 175 PS
Reiseleistung bei 2000 rpm: 140 PS
Reichweite (2000 rpm, 10 000 ft, 224 l): 1100 km
Lastvielfache: +3,8 g / -1,52 g (+4,4 / -1,76)

aerokurier Ausgabe 12/2013

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Gerhard Marzinzik


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