03.04.2012
aerokurier

Überwachungsflugzeug für Polizeifliegerstaffel HessenP 68 Observer 2: der neue Beobachter der Polizei

Hessen ist das erste Bundesland, das zu polizeilichen Überwachungsflügen ein zweimotoriges Flugzeug einsetzt. Am 30. März nahm die erste P 68 Observer 2 des italienischen Herstellers Vulcanair aus Neapel ihren Dienst auf.<br /> <br />

Bei einer maximalen Abflugmasse von 2084 kg werden im Polizeidienst Pilot, Copilot und ein Operator an Bord sein, der das komplexe Kamerasystem bedient. Es ist identisch mit dem Equipment an Bord der drei EC145-Helikopter von Eurocopter, die die „Polizeifliegerstaffel Hessen“ betreibt. Die Bezeichnung Polizeifliegerstaffel wurde ebenfalls mit dem 30. März wirksam, denn mit der Integration eines Flächenflugzeugs in den bisher reinen Helikopter-Flugbetrieb am Flugplatz Egelsbach, ist der Name "Polizeihubschrauberstaffel" nicht mehr zutreffend. Die Hochleistungskamera an Bord der P 68, mit der Kennung D-GHEA, kann im Flug über eine Öffnung im Rumpf ausgefahren werden, dabei darf die Fluggeschwindigkeit maximal 130 Knoten (240 km/h) betragen. Für die Systemintegration zeichnet Airborne Technologies aus Wiener Neustadt verantwortlich.

Die P 68 wird bei Vulcanair in Neapel gebaut, der Nachfolgefirma von Partenavia. Das robuste Flugzeug mit starrem Radfahrwerk, das im Einsatzfall auch auf weniger komfortablen Pisten und Segelfluggeländen landen kann, erreicht eine maximale Reisegeschwindigkeit von 300 km, seine Reichweite beträgt bis zu 3000 km, und je nach Zuladung kann das Flugzeug bis zu acht Stunden nonstopp in der Luft bleiben. Angetrieben wird es von zwei Lycoming-Motoren IO-360-A1B6 mit je 147 kW/200 PS Leistung. Den Piloten, derzeit sind sechs Polizeipiloten auf dem Muster lizensiert, steht im Cockpit ein modernes Garmin 950 zur Verfügung.  

Bei der Vorstellung in Egelsbach hob Hessens Innenminister Boris Rhein hervor, dass die P 68 Observer 2 auch bei schlechtem Wetter fliegen kann (Enteisungsanlage, Wetterradar) und erheblich schneller ist als der Polizeihelikopter. Daher werde, so Rhein, die Observer vorwiegend für Aufklärungsflüge eingesetzt, die den Helikopter entlasteten. Das sparsamere und ausdauerndere Flugzeug kann besonders bei Ereignissen punkten, die eine großräumige Überwachung aus größeren Höhen und eine längere Flugdauer erforderten sowie bei der Kontrolle von Gewässern. Dennoch betont Innenminister Rhein: "Das Flugzeug ist eine Ergänzung zur Helikopterflotte und kein Ersatz. Den Helikopter kann man nicht wirklich ersetzen."  

Mit dem Einsatz des Polizeiflugzeugs werden allerdings auch erhebliche Steuergelder gespart, denn die Betriebskosten liegen mit 700 Euro pro Flugstunde zirka 2000 Euro unter den Kosten einer EC145. Bei gleichbleibendem Flugstundenaufkommen spart das Land Hessen so im Jahr mehr als 250 000 Euro. Auch der Anschaffungspreis der Zweimot liegt mit 803 000 Euro deutlich unter dem Kaufpreis eines adäquaten zweimotorigen Helikopters. Zudem werden auch Synergieeffekte genutzt, denn auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung mit dem Innenministerium in Rheinland-Pfalz wird die P 68 aus Hessen künftig auch im Nachbarbundesland "Streife" fliegen. 

Hessens Polizei hat sich bewusst dafür entschieden, ihre P 68 deutlich als "Polizeiflugzeug" zu kennzeichnen, mit roter Markierung der Nase (in der auch die Technik für das an Bord befindliche Stormscope verborgen ist), roten Tragflächenspitzen und mit der großlettrigen Aufschrift "Polizei" an Rumpf und Flügelunterseite. "Der Bürger soll sehen", so Polizeidirektor Franz Thiemeyer, Leiter der Polizeifliegerstaffel Hessen, "dass wir für ihn immer präsent sind - wie ein Streifenwagen in der Luft."

 




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