01.09.2015
Erschienen in: 06/ 2014 aerokurier

RetrofliegerOldtimertraining beim Verein "Fliegendes Museum"

Sie mögen Oldtimer? Sie würden gerne selbst mit einem Klassiker fliegen? Dann ab zum Verein „Fliegendes Museum“ in Großenhain! Hier lernen Piloten den richtigen Umgang mit den fliegenden Raritäten.

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Es riecht nach Leder, nach Öl, vielleicht noch nach einem Schuss Avgas. Spätestens wenn der Homo Aviaticus einem der Oldtimer des Vereins „Fliegendes Museum“ am Flugplatz Großenhain ganz nahe kommt, droht der Infekt. Schon manchen, der einfach nur mal vorbeischauen wollte, um die Klassiker an dem Platz nordwestlich von Dresden zu bewundern, hat er befallen, der Virus Oldtimerfliegen.  Wer sich dann noch auf eine Runde mit Fluglehrerin Biggi Koch in der Stampe SV4, Tiger Moth oder einem anderen historischen Flugapparat einlässt, ist, bis auf wenige Ausnahmen, endgültig infiziert. Schwere Fälle taumeln danach vom Platz mit nur noch einem Gedanken: Ich will mehr davon!

Dem Menschen kann geholfen werden. Denn eben das geht hier: Oldtimerfliegen lernen. Der Verein, erst vor zwei Jahren nicht zuletzt mit dem Ziel gegründet, die von Josef Koch aufgebaute Oldtimersammlung am Leben zu halten, zählt jetzt schon über 60 Mitglieder. Und es werden laufend mehr. „Manche nehmen hunderte Kilometer lange Anreisen in Kauf, um hier ihre Lust am Fliegen und gerne auch Pflegen der Raritäten auszutoben“, sagt Biggi Koch.

Einer davon ist Berny Rupp. Der Österreicher aus Innsbruck spult jedesmal gut 650 Kilometer ab, um nach Großenhain zu kommen. „Mein Traum war es schon lange, einmal eine Tiger Moth zu fliegen. Mein Freund Dany Hickl hatte mich vor zwei Jahren auf  Großenhain aufmerksam gemacht. Wir sind dann hingefahren und waren völlig überrascht, wie unkompliziert es dort zugeht.“ Mit der Tiger Moth hatte sich Rupp nicht das einfachste Flugzeug aus der Oldtimerflotte ausgewählt. Es braucht schon etwas mehr Übung, um den zum „Schwänzeln“ neigenden Doppeldecker wirklich sauber zu fliegen.

Wie alle Novizen im Verein absolvierte Rupp erst einmal einen Checkflug auf der Piper Cub. Wer es noch nie mit einem Spornradflugzeug zu tun hatte, wird auf ihr erst einmal fit für die kommenden Aufgaben gemacht. „Als langjähriger Segelflieger hatte ich damit kein Problem, und slippen war ich auch gewohnt.“ Gute Voraussetzungen für den Umstieg auf die Klassiker, die fast durch die Bank ohne Landehilfen auskommen müssen.

Sitzt die Start- und Landetechnik auf der klappenlosen Piper, geht´s gleich weiter. Nach gründlicher Bodeneinweisung steht der erste Trainingsflug im Doppeldecker an. Auf die meisten stürmen jetzt völlig neue Eindrücke ein: Ein enges, offenes Cockpit und mäßige Sichtverhältnisse, vor allem in der letzten Phase des Landeanflugs, wollen erst einmal verarbeitet werden.  Berny Rupp gelang das schnell. Über die Stampe kam er auf sein Traumflugzeug, die Tiger Moth – in nur zwei Tagen. „Wir sind von morgens bis abends geflogen, geflogen, geflogen“, freut er sich. Heute fliegt er eine ganze Reihe der ein gutes Dutzend zählenden Oldtimer der Vereinsflotte.

„Ich bin beinahe an der Stampe verzweifelt“, erinnert sich dagegen Ralf Gaida. Der Rangsdorfer, bis dato ohne jede Spornraderfahrung, war nach Großenhain gekommen, um sich auf seine Bücker Bestmann vorzubereiten, die er in langjähriger Arbeit restauriert hatte. „Es wollte mir damals einfach nicht gelingen, die Höhe beim Ausschweben richtig einzuschätzen“, sagt Gaida. Damit stand er nicht alleine da. Die Lösung hatte schließlich Biggi parat: „Klapp doch mal vor der Landung die Einstiegsklappe runter. Dann kannste auch besser rausgucken.“ Seitdem gab´s für Gaida keine verhunzte Stampe-Landung mehr. Manchmal haben kleine Dinge große Wirkung.

Inzwischen gibt es im Verein mehrere Fluglehrer. Der Flugbetrieb läuft   ganz individuell, besonders konzentriert aber an den „Fliegenden Wochenenden“, an denen immer viele Gäste geflogen werden, und in den  Einweisungswochen. Dann wird nicht nur geschult und frei geflogen, sondern oft auch kräftig gefeiert. Gästezimmer gibt‘s im Wohntrakt des Hangars.

Fliegen im „Fliegenden Museum e. V.“ verlangt, wie in anderen Clubs auch, Engagement. Hilfe bei der Wartung und Instandhaltung, die Josef Koch professionell erledigt, ist willkommen, aber keine Pflicht. Die Preise sind für Oldtimerverhältnisse moderat, der Spaßfaktor riesig. Biggi Koch bringt die Vereinsphilosophie auf den Punkt: „Wir freuen uns über jeden, der unsere Leidenschaft mit uns teilt.“


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