17.12.2010
aerokurier

Meyers 200D FlugzeugberichtMeyers 200D: Die Unkaputtbare

Er ist einer der schnellsten in Serie gebauten Viersitzer mit Kolbenmotor ohne Turbolader und müsste eine Berühmtheit sein. Aber die Meyers 200D ist kaumt bekannt.

Dieses Flugzeug ist von einigen zunächst rätselhaften Widersprüchen umgeben. Seine Anhänger sagen, dass es das beste, schnellste, stabilste, zuverlässigste und schönste Flugzeug sei, das jemals gebaut worden ist. Andererseits wird es selbst in Luftfahrtkreisen nur wenige Menschen geben, die ein Bild vor Augen haben, wenn die Musterbezeichnung Meyers 200 fällt.
Dieses Fragezeichen in den Augen der Gesprächspartner hat natürlich mit der kleinen Stückzahl und der Entstehungszeit zu tun. Es sind zwischen 1953 und 1968 wohl nicht mehr als 124 Exemplare des Ganzmetalltiefdeckers gebaut worden, etwa 100 sollen noch fliegen.
In Europa gibt es gar nur eine einzige, es ist die in Osnabrück-Atterheide stationierte D-ECDW von Jan-Cornelius Ebert. Hinzu kommt, dass der Konstrukteur des seltenen Stücks, der 1908 geborene Amerikaner Allen H. Meyers, nur Eingeweihten ein Begriff ist, auch wenn er in den USA für sein Lebenswerk vielfach geehrt wurde.
Das Modell 200 war seine dritte Konstruktion. Er zeichnete sie einige Jahre nach dem Erscheinen der Beech Bonanza und als Reaktion auf diese. 1966 kaufte North American Rockwell die Rechte an dem Entwurf, um ihn als Aero Commander 200 zu vermarkten. Bei dem Konzern gab es allerdings ein böses Erwachen, als man feststellte, dass Meyers und seine paar Leute die Flugzeuge praktisch in Handarbeit hergestellt hatten und sich das ungewöhnlich stabil gebaute Flugzeug nicht wirtschaftlich in Großserie fertigen ließ.
North American Rockwell gab schließlich die Produktion nach 83 Exemplaren auf. Dieser enorme Fertigungsaufwand sollte sich jedoch insofern auszahlen, als für das Modell mit seinem Chrommolybdän-Stahlrohrgitterrahmen niemals eine LTA herausgegeben wurde, die sich auf die Zelle bezog.
Den Ruf erstaunlicher Festigkeit genießt die Meyers/Aero Commander 200 also aus guten Gründen. Und den Titel „schnellste in Serie gebaute Kolbenmotor-Single ohne Turbolader mit vier Sitzen“ trug sie jahrelang tatsächlich zu Recht. In den 1960er Jahren beteiligte sich der Tiefdecker an den berühmten Luftrennen in Reno und sammelte diverse Geschwindigkeitsrekorde. 1966 zum Beispiel erzielte eine Standard-200D auf einem Drei-Kilometer-Rundkurs 208,26 Knoten. Seitdem ist dieser Rekord mehrfach überboten worden, aber nie mehr von einem Serienviersitzer mit schlichtem Kolbenmotor.
Moderne Einmots ohne Turbo, die schneller sind als die Meyers, gibt es natürlich schon. Aber in ihrer Kategorie fliegt die 200D noch immer in der Spitzengruppe mit. Der rote Strich auf dem Fahrtmesser liegt bei nach wie vor beeindruckenden 205 kts. Interessant ist das grüne Spektrum des Normalbereichs: Es reicht von 67 bis 182 Knoten. Letzterer Wert ist zugleich die maximale Reisegeschwindigkeit bei 75 Prozent Leistung.
Das Handbuch hält weitere erstaunliche Werte bereit. So darf das Fahrwerk noch am Ende des grünen Bogens, also bei 182 Knoten, herausgeworfen werden! Das unterstreicht einerseits nochmals die überaus solide Bauweise, andererseits verweist es darauf, dass das Abbremsen in der Platzrunde gedankenschnell vonstatten gehen kann.
Apropos solide Bauweise: Die Meyers gehört zu den wenigen Flugzeugen, bei denen die Landeklappen betreten werden dürfen. Es gibt aber auch eine Trittstufe, die zusammen mit dem Fahrwerk ausfährt. Hat man sich auf einen der bequemen Sitze fallen gelassen, kommt sogleich ein gewisses Limousinengefühl auf, was wohl mit dem Bewusstsein zusammenhängt, in einer praktisch unkaputtbaren Flugzeugkabine zu sitzen. Sehr viel tragen zu diesem Eindruck der hohe Kabinenhimmel und die großen Fenster bei, die eine fast komplette Rundumsicht erlauben.
Das Instrumentenbrett präsentiert sich mächtig und aufgeräumt wie eine gut sortierte Bücherwand. Den Schalterkleinkram hat Al Meyers in eine Konsole links unten vom Piloten verlegt. Vor diesem attraktiven Hintergrund verschwinden die Steuerhörner fast, die in ihrer Zierlichkeit nicht recht zu dem Kraftpaket passen wollen.




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