15.09.2015
Erschienen in: 04/ 2015 aerokurier

Eigenes FlugzeugGlobaler Markt für Gebrauchtflugzeuge

Den Traum vom eigenen Flugzeug kann man sich als Einsteiger in die Fliegerei am schnellsten mit einem gebrauchten erfüllen. Wir haben die aktuelle Marktsituation beleuchtet.

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Auf Messen, mit Kleinanzeigen und im Web ist es leicht, sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen. Foto und Copyright: Sdun  

 

Die Anzahl der angebotenen Flugzeuge hat sich verringert, bei manchen Typen sogar deutlich“, sagt Hans Doll, Director Sales bei Atlas Air Service in Bremen. „Die Preise sind stabil geblieben über mehrere Quartale, so dass steigende Preise der nächste Schritt in der Entwicklung wären.“ Für Käufer, die sich schnell entscheiden, sind das gute Nachrichten, denn damit verringert sich der Wertverlust, den ein heute gekauftes Flugzeug erleidet. Wer beim Gebrauchtkauf allerdings zögert, der muss, je länger er wartet, umso tiefer in die Tasche greifen.

Der Markt für Gebrauchtflugzeuge hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Nach dem Beginn der Finanzkrise wurde er von einer großen Zahl an Flugzeugen regelrecht überschwemmt, während sich die Haltung von Banken und Finanzierern von einem auf den anderen Tag von „Wir finanzieren alles“ zu „Wir finanzieren nichts mehr“ drehte.

Teilweise standen von einem Muster 19 Prozent der aktiven Flotte zum Verkauf. Normal sind etwa fünf Prozent, so Hans Doll.

Fünf Prozent der Flotte stehen zum Verkauf

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Analog oder Digital? Flugzeuge mit integrierter Avionik lassen sich heute besser verkaufen als solche mit einem rein analogen Cockpit. Foto und Copyright: Herzog  

 

Durch neue Medien und Kommunikationsmöglichkeiten hat sich der Markt internationalisiert. Dies bestätigt auch Klaus Kühl von K-Aircraft Jet & Props aus Schwabmünchen im Gespräch mit dem aerokurier. „Wir haben schon eine Pressurized Cessna 210 nach Australien verkauft. Der Gebrauchtflugzeugmarkt ist ein globaler Markt“, sagt Klaus Kühl. 

Im Vergleich zu früher nehmen Händler heute keine gebrauchten Flugzeuge mehr in Zahlung, sondern vermitteln nur zwischen Verkäufer und Käufer. Sie können die Kapitalbindung nicht eingehen und müssten bei einem gewerblichen Verkauf auch die Gewährleistung garantieren. „Wir haben noch nie gehandelt, sondern immer vermittelt“, sagt Kühl. Wie lange ein Flugzeug angeboten werden muss, bevor es verkauft ist, beantwortet Klaus Kühl: „Das ist schon stark vom Preis abhängig. Wenn es in den ersten Wochen nicht weggeht, dann steht es zum Teil auch über zwei, drei Jahre zum Verkauf.“ 

Nach seiner Erfahrung gibt es allerdings auch Verkäufer, die die aktuelle Marktsituation nicht akzeptieren und Preise durchsetzen wollen, die über denen des Bluebook-Retail-Preises liegen. Diese Flugzeuge bleiben dann über längere Zeit unverkauft.

„Der  Markt hat sich nivelliert“, hat Hans Doll beobachtet. Wer heute was für welchen Preis anbietet, sei bekannt. „Das Schnäppchen findet man nicht mehr“, sagt er. „Zwischen drei und sechs Monaten dauert es heute, bis ein Besitzerwechsel stattgefunden hat“, ist seine Erfahrung. „Kunden, die ihr Flugzeug austauschen wollen, müssen wir helfen, ihr Flugzeug zu vermarkten. Das ist einfach ein Service für den Kunden.“

Die Motivation für den Verkauf eines Flugzeugs ist häufig abhängig von der Flugzeugklasse. Besitzer von Turboprops und Jets verkaufen ihre Flugzeuge häufig, weil sie auf ein anderes Muster umsteigen, da sich die Anforderungen an das Flugzeug geändert haben. Wenn das Unternehmen, für das das Flugzeug eingesetzt wird, expandiert, benötigen die Nutzer eine größere Reichweite oder eine größere Kabine. „Ich durfte manche Kunden sogar mehrfach beim Kauf und Verkauf ihrer Flugzeuge betreuen“, sagt auch Hans Obermeier, Geschäftsführer vom Augsburg Air Service.

Bei den Kolbenmotorflugzeugen steht allerdings nicht selten ein Ausstieg aus der Fliegerei hinter der Entscheidung, sich vom eigenen Flugzeug zu trennen. „Viele verkaufen ihre Einmot, weil sie zu wenig fliegen“, weiß Klaus Kühl zu berichten. 

Junge Gebrauchte kommen aus den USA

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Teure Schätzchen: Der Dollarkurs kann den Importpreis von Gebrauchtflugzeugen aus den USA nach Europa verteuern. Foto und Copyright: Thomalla  

 

Der Markt für gebrauchte Kolbenmotorflugzeuge ist aber nicht tot. Er zieht sogar seit ein paar Monaten wieder leicht an. Aber junge Gebrauchte sind in Europa  kaum zu bekommen, da rächt sich die Marktschwäche für Neuflugzeuge der letzten Jahre. Es waren einfach zu wenige Neue dieser Kategorie in Europa verkauft worden. Wer heute eine neuwertige Ein- oder Zweimot mit Kolbenmotor sucht, muss sich auf der anderen Seite des Atlantiks umsehen. Allerdings verteuert der aktuelle Euro-Dollar-Umrechnungskurs Käufe in den Vereinigten Staaten. Und beim Import der Flugzeuge muss darauf geachtet werden, dass die Avionik und andere Systeme auch für den Betrieb in Europa zugelassen sind. „Die Stärke des Dollars ist aber für den Export gut“, sagt Klaus Kühl.

Inspektion vor dem Kauf wird dringend angeraten

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Stets oder nie hangariert? Für die Wertermittlung eines gebrauchten Flugzeugs ist die frage des Abstellplatzes durchaus von Bedeutung. Foto und Copyright: Thomalla  

 

Alle Verkäufer raten bei einer Transaktion dringend zu einer ausführlichen Pre-Buy Inspection bei einem erfahrenen Instandhaltungsbetrieb, bei der viele Mängel erkannt und bewertet werden. Bei Kolbenmotorflugzeugen, die zu wenig geflogen wurden, kommt es im normalen Flugbetrieb nach dem Verkauf immer wieder zu Problemen mit dem Triebwerk, die im schlimmsten Fall zu einem Austausch der Zylinder oder gar des Motors führen. Bei einer ausführlichen Inspektion vor dem Kauf können solche Probleme erkannt und abgestellt werden. Bei der Wertermittlung eines Flugzeugs spielt es durchaus eine Rolle, ob es stets hangariert oder im Freien abgestellt war. Auch der Standort kann bei der Bewertung von Bedeutung sein. Flugzeuge, die auf einer Insel stationiert waren, sind anfälliger für Korrosion als solche, die nie in die Nähe von Salzwasser gekommen sind.

Nach einem Kauf gilt es, den Wert zu erhalten. Am besten geschieht das, indem das Flugzeug regelmäßig geflogen und gewartet wird. „Ein Flugzeug ist in der Regel ein stabiles Investment, aber nur, wenn es gepflegt und technisch immer okay gehalten wird“, sagt Hans Doll.

aerokurier Ausgabe 04/2015

Mehr zum Thema:
Volker K. Thomalla


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