25.03.2015
Erschienen in: 09/ 2014 aerokurier

Fly-in in BienenfarmStearman-Treffen 2014

Die Boeing Stearman steht für klassisches Doppeldeckerdesign, kernige Motormelodie und eine spannungsreiche Historie. Wenn die „Quax“-Piloten zum Stearman-Treffen einladen, geht es familiär-entspannt zu: Wer kommt, der kommt. Und der einzige feste Programmpunkt lautet: Spaß haben.

Wenn der Doppeldecker mit wohligem Brummen und Rauchschleppe so tief über die Terrasse des Restaurants kurvt, dass die Gläser auf den Tischen klirren und die jubelnden Gäste das Profil der Reifen sehen können, dann muss man wohl auf einem Stearman-Treffen irgendwo im Land der fliegerischen Unbeschwertheit sein. Der Grasplatz Bienenfarm ist so ein Ort: Der Himmel ist hoch hier, das Land von stimmungsvoller Abgeschiedenheit und der nächste quengelige Anwohner weit weg. Kein Wunder, dass Theodor Fontane diesem Havelland viele wunderbare Geschichten gewidmet hat.

Kein Wunder auch, dass die „Quax-Flieger“ hierher zum Stearman-Treffen eingeladen haben. Die Quax-Flieger sind ein Verein, der sich die Erhaltung seltener Flugzeuge auf die Fahne geschrieben hat, wobei alle Flugzeuge fliegen sollen. Im Vordergrund steht die Freude am Fliegen, Schrauben, Fachsimpeln und den gemeinsamen Unternehmungen. Und Bienenfarm, nordwestlich von Berlin in Brandenburg, ist einer von mehreren Quax-Standorten in Deutschland. Gemäß der zwanglosen Lebensart des Vereins wurde im Vorfeld des Treffens keine große Welle gemacht und die Einladung nur in interessierten Kreisen gestreut. Der Text der Einladung für das erste Juli-Wochenende fiel dementsprechend knapp aus und lässt sich zusammenfassen als „Einfach vorbeikommen und Spaß haben“.

Und so war es dann auch. Auf die Ausarbeitung eines Programms hatten die Quax-Flieger bewusst verzichtet. Obwohl: Das abendliche Barbecue am Samstag mit Blick auf die abgestellte Stearman-Flotte und den Sonnenuntergang ist selbstverständlich ein Pflichttermin  für alle Freunde des Sternmotor-Klassikers.  Und dann gibt es noch die Kunstflugbox über dem Platz, die von allen, die wollten, spontan genutzt wird. Wobei Kunstflug so eine Sache ist mit dem massigen Doppeldecker, der mit den üblichen 220 PS nicht gerade übermotorisiert ist. Etwas anders sieht es aus, wenn 450 PS unter der Haube ans Werk gehen, einige Stearman haben diesen stärkeren Pratt & Whitney-Siebenzylinder im Lauf ihres Lebens erhalten. Aber auch dann macht die Stearman weniger durch überschäumende Agilität  auf sich aufmerksam als vielmehr durch diese Ausstrahlung von selbstbewusster Unkaputtbarkeit.

Die treibende Kraft dieses Stearman-Treffens war Quax-Mitglied und Stearman-Pilot Alexander Stendal, dessen fliegerische Heimat der brandenburgische Grasplatz ist. Gemeinsam mit anderen hat er überlegt, dass es seit langem kein solche Zusammenkunft mehr in Deutschland gegeben hat. „Lass uns mal gucken, ob jemand Bock hat“, lautete der Arbeitsauftrag. Ein Hintergedanke ist, dass das Netzwerken innerhalb der Stearman-Szene nur von Vorteil sein könne, schließlich sind alle Stearman-Piloten früher oder später mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Wie zum Beweis muss am Ankunftstag der Werkzeugkasten herausgeholt werden: Bei Alexander Stendals Stearman hat sich die Tankanzeige verklemmt. Mit vereintem Sachverstand und mit Hilfe geschickter Hände kann  das Problem, das auch bei einem anderen Flugzeug zutage tritt, ergründet werden. „Deswegen sind wir hier“, freut sich Alexander Stendal ein weiteres Mal über seine Idee. Immerhin elf der Doppeldecker haben sich auf den Weg nach Bienenfarm gemacht. Besatzungen sind sogar noch mehr da. Des Rätsels Lösung: Zwei von vier Gelnhausenern sind mit dem Auto gekommen. Auf dem Rückweg bekommen sie dann den Steuerknüppel anstatt des Lenkrads in die Hand.

Die Flugzeuge, die hier so einträchtig beisammen stehen, sind so unterschiedlich wie die zugehörigen Besitzer. Da ist zum Beispiel die PT-17  in ungewöhnlichem Dunkelgrün von Wolfgang Bax und seinem Sohn Oliver aus Rinteln. 1942 gebaut, flog sie zunächst für die Army Flight School und später als Agrarflugzeug. Vor drei Jahren wurde sie zerlegt und komplett neu aufgebaut, dabei erhielt sie einige Besonderheiten wie größere Scheiben und vier Querruder.

Das überraschendste Gastflugzeug am Platz allerdings ist keine Stearman, sondern eine Beech Staggerwing aus dem Jahr 1943.  Hergeflogen hat sie Bill Charney alias „Captain Biff“. Der pensionierte Flugkapitän befindet sich, aus Neuseeland kommend, auf der Heimreise in die USA - seit April 2009. Lohnende Abstecher nimmt der unternehmungslustige ältere Herr gerne mit. Oder anders gesagt: „Einfach vorbeikommen und Spaß haben.“

aerokurier Ausgabe 09/2014



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