03.08.2015
aerokurier

Flugbericht von 1957Dornier Do 27

Im Januar 1957 berichtete der erste Chefredakteur der FLUG REVUE, Mano Ziegler, von seiner Begegnung mit der Do 27. Wir veröffentlichen seinen Report im Wortlaut.

Es ist ein eigenartiges Gefühl, nach so vielen Jahren Zwangspause der deutschen Luftfahrtindustrie vor der Begegnung mit der ersten deutschen Nachkriegskonstruktion eines Flugzeuges zu stehen. Es ist fast so, als nähere man sich dem Wiedersehen mit einem alten Freund, den man jahrelang nicht sah. Wie sieht er aus? Ist er dick geworden? Hat er eine Glatze? Kennt man ihn überhaupt noch? Und nun gar ein Flugzeug mit dem guten alten Namen „Dornier", den die Kühnheit umrankt wie die Eigenwilligkeit, und der sich mit diesen beiden Eigenschaften dereinst Weltruhm erarbeitet hat! Und so hat man ein wenig Bangigkeit in den Gliedern wie vor dem Comeback eines einst großen Athleten, und vor dem Mitleid und der Lächerlichkeit, jenen gefährlichen Schwestern eines jeden Comebacks…

So fuhr ich zum Dornier-Platz Oberpfaffenhofen bei München, wo ich dieses Wiedersehen mit Dornier und das Kennenlernen seines ersten Nachkriegskindes erleben sollte.

Es gibt ein Fliegerlatein, wie es ein Jägerlatein gibt, und ich hielt für Fliegerlatein, was ich am Rande bisher von der Do 27 gehört hatte. Ein dazu noch gesehenes schlechtes Amateurbild hatte mich gar nicht begeistert. Das war ja geradezu altmodisch, was da fotografiert war. Und das von Dornier! Ich schämte mich ein bißchen...

Dann stand ich ihr gegenüber - genau von vorn - Auge in Auge gewissermaßen, und sie stand vor mir wie ein - ja, wie ein zum Angriff bereiter Gamsbock. Die starken Beine leicht gespreizt, rechts und links in den Boden gestemmt, die kräftige Brust stolz geschwellt und die Schultern darüber leicht eingezogen - ein Bild eleganter Kraft.

Der schlanke Rumpf zeigt klassische Dornier-Linie, und die freitragenden Flächen, sonst durchaus nicht üblich bei diesen Baumustern, die so oft erlebte Dornier-Kühnheit.

Heinrich Schäfer, einst Fieseler- und Arado-Einflieger, dann eine Zeit lang Kamerad bei den Nachtjägern in Altenburg, hat als erster deutscher Testpilot der Nachkriegszeit die Do 27 nach ihren Vorläufern 25 und 26 fliegerisch mit aus der Taufe gehoben. Ihre Entwicklungszeit begann in Spanien, wohin sich Dorniers nach dem Krieg zurückgezogen hatten, um sofort weiterschaffen zu können. Ich werde später über diese hochinteressante Geschichte ausführlicher berichten. Jedenfalls wünschten sich die Spanier ein „schnelles und wendiges Langsamflugzeug", und diesem frommen Wunsche nachzukommen, war gar nicht so einfach, aber es war die Geburt der Do 27.


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Mano Ziegler/pat


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