17.03.2016
Erschienen in: 09/ 2015 aerokurier

InterviewClemens Bollinger: Daumen runter für hohe Preise

Clemens Bollinger möchte, dass möglichst viele Menschen das Erlebnis des Selber-Fliegens erfahren können. Er vertreibt Flugtreibstoffe und Flugzeuge des franzö­sischen Herstellers Robin Aircraft.

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Clemens Bollinger. Foto und Copyright: Thomalla  

 

Wie bist du an die Fliegerei gekommen?

Ich habe mich schon immer für die Luftfahrt interessiert. Mit zehn Jahren habe ich mir vom Taschengeld meinen ersten aerokurier gekauft. Später bin ich dann mit dem Fahrrad zum Flugplatz  Koblenz-Winningen hochgefahren und habe mir die Nase am Flugplatzzaun plattgedrückt. Damals habe ich mir geschworen: Eines Tages stehst du auch da oben und zahlst deine Landegebühr.

Hast du gleich mit dem Motorflug angefangen?

Nein. Ich habe auf der Jugendbildungsstätte in Hirzenhain mit dem Segelflug begonnen und mich dort freigeflogen. Meinen ersten Alleinflug über dem Rothaargebirge, den werde ich nie vergessen.

Du hast beruflich aber keine Pilotenlaufbahn eingeschlagen.

Ich bin studierter Jurist, habe aber nie den Kontakt zur Fliegerei abreißen lassen. Nach dem Studium habe ich in verschiedenen Städten als Journalist gearbeitet, unter anderem beim „Kölner Stadtanzeiger“ und bei der „Welt“.  In dieser Zeit fiel die Entscheidung, den Motorflugschein zu machen. In Kempten habe ich mich in sechs Wochen bis zum PPL-B durchgekämpft. Sonntags war Prüfung, am Montag stand ich in Köln wieder in der Redaktion. In Bonn/Hangelar habe ich dann meinen PPL-A noch erworben.

Die Gründung der DFS hast du als Pressesprecher begleitet.

1992 hat die DFS in Gründung jemanden gesucht, der reden, schreiben und fliegen konnte. Da sind sie auf mich gekommen, und ich habe mich gegen mehrere Bewerber durchsetzen können. Der Aufbau der DFS war eine kommunikative Herausforderung. Sie hat mich entscheidend geprägt. Es gibt Hunderte von Airlines, aber pro Land nur eine Flugsicherungsorganisation. Als Flugsicherung hast du es mit allen Teilnehmern am Luftverkehr zu tun.

Wenig Werften für Robin

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Clemens Bollinger fliegt seit 18 Jahren eine Robin Major (hinten) und kann deshalb mit voller Überzeugung die Flugzeuge des französischen Herstellers vertreiben. Im Vordergrund eine moderne DR400 mit Dieselmotor. Foto und Copyright: Thomalla  

 

Mit der Jahrtausendwende hast du dich selbstständig gemacht.

Ja, ich habe zu vielen Unternehmen, die eine kommunikative Unterstützung benötigten, Kontakt gehabt. Aus dieser Beschäftigung heraus entstand die Idee, Produkte selbst zu vertreiben, die völlig neu am Markt waren, wie zum Beispiel Mototok-Schleppfahrzeuge, PowerFLARM oder die Treibstoffe von Warter Aviation. Mich reizen der Pioniergeist dieser Unternehmen und die Tatsache, dass diese Produkte das Fliegen günstiger oder sicherer  machen.

Du bist aber auch Deutschland-Vertreter für Robin Aircraft. Die sind ja schon länger am Markt.

2012 bin ich mit meiner eigenen Robin Major zur AERO nach Friedrichshafen geflogen, weil ich ein paar Fragen an den Hersteller hatte. Doch der stellte gar nicht aus. Also habe ich den Geschäftsführer Guy Pellissier angerufen, der jedoch nicht da war. Er hat aber zurückgerufen, und wir haben uns lange unterhalten. Dann fragte er mich, ob ich nicht die Vertretung für Robin übernehmen wollte, und seitdem ist Bollinger Aviation Robin-Vertretung in Deutschland. Robins sind die effizientesten Flugzeuge auf dem Markt, und die Kombination der Robin-Zelle mit dem Diesel ist einfach perfekt.

Hat dich in diesem Zusammenhang nie gereizt, irgendetwas in der Maintenance zu machen?

Nein. Als Händler und Flugzeugeigner hast du zwangsläufig immer mit Werften zu tun. Gerade für Robin-Flugzeuge gibt es eigentlich zu wenig Werften in Deutschland. Es ist schwierig, einen Termin bei einem Prüfer zu bekommen. Da gibt es noch ein großes Betätigungsfeld. Es ist gut, dass die Zulassungsbehörden offenbar erkannt haben, dass der Papierkrieg in der Wartung wieder auf ein erträgliches Maß zurückgeschraubt werden muss. Zu hohe Kosten halten die Menschen vom Fliegen ab. Zu geringe Flugstundenzahlen sind aber schlecht für die Sicherheit.

Du betätigst dich in der Luftfahrt auch ehrenamtlich?

Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der AOPA Germany und seit drei Jahren im erweiterten Vorstand. Und im Luftfahrt-Presse-Club, LPC, bin ich seit 16 Jahren ehrenamtlicher Geschäftsführer.


Wie bist du Treibstoff-Importeur geworden?

Als PR-Verantwortlicher der AOPA erhielt ich 2013 eine Einladung von der Warter Capital Group nach Plock in Polen zur Besichtigung einer Raffinerie, in der Avgas hergestellt wird. Das, was ich dort sah, brachte mich sofort auf den Gedanken: Genau dies brauchen wir in Europa. Damals lag der Avgaspreis bei 2,70 bis 3,00 Euro pro Liter. Warter konnte den Treibstoff  deutlich günstiger anbieten, auch für den Endverbraucher.

Wir bieten in erster Linie in Deutschland Avgas 100LL und UL91 an. Nach dem Markteintritt von Warter Aviation sind die Avgaspreise in Deutschland deutlich nach unten gegangen. Ich bin ein glühender Anhänger des Marktes, und in diesem Fall hat es auch funktioniert.

Hast du bei dieser Tätigkeit etwas gelernt?

Ja. Viele Clubs werden heute absolut professionell geführt. Das kann ich auch für die Zollverwaltung sagen. Im März war ich in Plock, im Mai konnte ich bereits den ersten Platz mit Avgas von Warter Aviation beliefern. Bis Weihnachten 2013 hatte Warter Aviation schon 50 Plätze überzeugt, inzwischen sind es 150, die ihren Kunden preiswerten Treibstoff anbieten.

Gibt es auch einen Clemens Bollinger ohne Luftfahrtaktivitäten?

Offen gestanden, nein. Meine Familie ist mir natürlich extrem wichtig. Umso mehr weiß ich es zu schätzen, dass meine Frau und mein Sohn viel Verständnis aufbringen.

Bollinger Aviation

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Gründer und Inhaber von Bollinger Aviation: Clemens Bollinger. Foto und Copyright: Thomalla  

 

Clemens Bollinger ist Gründer und Inhaber der in Oberursel ansässigen Firma Bollinger Aviation. In dieser Firma hat er seine Vertriebsaktivitäten rund um die Luftfahrt gebündelt. „Es gibt zu viele Kostentreiber in der Allgemeinen Luftfahrt“, sagt der 61-Jährige im Gespräch mit dem aeorkurier. Deswegen sucht er Produkte, die das Fliegen günstiger und sicherer machen. Mit dem irisch-polnischen Treibstoffhersteller Warter Aviation hat er einen Partner gefunden, der in die gleiche Richtung denkt.

Bollinger ist auch überzeugt davon, dass die Allgemeine Luftfahrt auf politischer Ebene eine starke Vertretung braucht: „Es ist wichtig, dass es Verbände gibt, die in Berlin, Brüssel und Köln Gehör finden und eine gute Arbeit für die General Aviation machen.“

aerokurier Ausgabe 09/2015

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Volker K. Thomalla


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