26.02.2010
aerokurier

Bär attackiert Piper Super Cub - Klebeband ermöglicht RückflugBär attackiert Super Cub - Tape ermöglicht Rückflug

Die Geschichte klingt, als ob sie erfunden wäre - ist sie aber nicht: In Alaska hat ein Bär eine Piper PA-18-150 Super Cub angegriffen und schwer beschädigt. Der Pilot ließ Klebeband und Haushaltsfolie einfliegen, "reparierte" das Flugzeug und flog es anschließend nach Hause in die Werft.

Die Fotos des Vorfalls kursieren schon mehrere Wochen in einigen Foren im Internet. Der aerokurier hat recherchiert und die Geschichte hinter den Fotos herausbekommen: Am 26. September 2009 flog Luke Miller aus Anchorage, im US-Bundesstaat Alaska, vom Flugplatz Lake Hood mit der Piper Super Cub PA-18-150 seines Vaters zu einem Jagdrevier südwestlich von Anchorage, so berichtet die Tageszeitung "Alaska Disptach". Auf dem Weg zu seinem Ziel geriet er in schlechtes Wetter mit Starkregen und heftigen Winden, so dass er sich entschloss, neben den Jagdhütten seines Freundes, des Jägers Gary LaRose, zu landen, um dort zu übernachten. LaRose hatte als Stützpunkt für seine Jagdgäste zwei Hütten gebaut: Eine zum Übernachten und eine weitere, in der das erlegte Wild separat gelagert wurde. Diese Hütte ist im Hintergrund des vierten Fotos der unten stehenden Bilderstrecke zu erkennen.

LaRose hatte in der Vergangenheit mehrfach nachts Besuch von einem Bären erhalten, der sich über das Fleisch in der Wildhütte hermachte. Der Jäger hatte die Hütte jeweils mit Bleiche und starken Mitteln gereinigt, um zu verhindern, dass der Bär von dem Geruch des Fleiches angelockt würde. Am 27. September weckte ein Jäger aus seiner Jagdgruppe Gary LaRose noch vor Sonnenaufgang, um ihm zu sagen, dass der Bär zurückgekehrt sei und erneut in die (nun leere) Hütte eingebrochen sei. An der Hütte hatte der Bär wie zuvor das Fenster herausgerissen, aber sonst keinen Schaden angerichtet. Als auf dem Rückweg zur Schlafhütte der Schein von LaRoses Stirnlampe auf die rund 30 Meter von der Hütte entfernt geparkte Piper PA-18 fiel, erkannte er, dass der Bär sich über das Flugzeug seines Freundes hergemacht und es buchstäblich auseinandergerissen hatte.

Der Schaden war enorm: Alle drei Reifen des Spornradflugzeugs waren zerbissen, das Höhenleitwerk verbogen, die linke Seite des Rumpfes aufgeschlitzt wie eine Konservendose. Lediglich die Tragflächen waren ohne größere Blessuren. Miller wusste sich aber zu helfen. Er bat einen Buschpilotenkollegen, ihm drei neue Reifen, mehrere Rollen Haushaltsfolie und Duct-Tape-Klebeband zu besorgen, dann machte er sich an die Reparatur. Mehrere Stunden Arbeit waren notwendig, um das Flugzeug einigermaßen herzurichten. Dann schrieb Miller noch mit Kugelschreiber die Kennung N9368D auf das Klebeband, und flog anschließend zurück nach Lake Hood, wo die PA-18 repariert werden sollte. 

Die im Internet kursierenden Gerüchte, dass der Pilot Angelköder im Flugzeug gelassen und vorher Lachs transportiert haben soll, sind falsch. Mehrere Wochen vor dem Zwischenfall hatte Miller in der PA-18 zwar Kariboufleisch transportiert, aber er ist ein erfahrener Buschpilot, der weiß, wie man das Flugzeug anschleßend säubern muss, damit man keine Raubtiere anlockt. Gary LaRose vermutet, dass der Bär einfach sauer war, dass er in der Hütte kein Futter fand und seine "Wut" einfach an dem Flugzeug ausließ. Nach dem Zwischenfall wurde das Tier nicht mehr gesehen, was LaRose aber nicht überrascht, denn im Oktober dürfen Bären in Alaska gejagt werden, und ab Ende Oktober verziehen sie sich in ihre Höhlen zum Winterschlaf. 

Die amerikanische Flugunfall-Untersuchungsbehörde NTSB hat keine Akten über den Vorfall.

 




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