16.02.2015
Erschienen in: 09/ 2011 aerokurier

Nasse KufenRettungstraining für Polizeihubschrauber-Piloten

Jährlich geraten Hunderte von Menschen in deutschen Gewässern in Lebensgefahr. Eine Rettung ist äußerst zeitkritisch, denn nur wenn es schnell geht, kann das Opfer vor dem Ertrinken bewahrt werden. Nordrhein-Westfalens Polizeihubschrauberstaffeln setzen da auf die Kufenrettung.

Das Szenario lässt mir den Atem stocken. Gleich muss der Helikopter doch ins Wasser eintauchen. Er ist so nah über der Oberfläche. Die linke Kufe wird schon umspült. Aus meiner leicht erhöhten Perspektive am Ufer sieht es aus, als treibe der Hubschrauber flussabwärts, als könne er nichts mehr ausrichten gegen die starke Strömung des Wassers. Doch die Szene bleibt konstant. Er sinkt nicht, dreht nicht weg, neigt sich nicht zur Seite. Er taucht auch nicht weiter ein   im Gegenteil: Wenige Zentimeter über den Wellen des Rheins schwebt die BK 117 nun schon seit 20 Sekunden, die Nase weist konstant in Richtung Nordwesten. Die Vorwärtsfahrt von knapp sechs Stundenkilometern, kaum zu erkennen, ist angepasst an die Fließgeschwindigkeit des Flusses. Um die Maschine herum hat sich auf der Wasseroberfläche eine Art Corona gebildet. Der Rotorabwind lässt am Rand des Kreises einen Hurrican mit aufschäumender Gischt toben, während es dicht am Helikopter, im „Auge des Zyklons“ sozusagen, relativ ruhig ist.

Das nutzt der Mann, der in Fliegerkombi, gesichert mit Gurtzeug, auf der linken Kufe hockt. Über sein Helmmikrofon spricht Polizeioberkommissar Christian Walczak auf seinen Piloten, Polizeihauptkommissar Dirk Imhof,  ein: „Langsamer, tiefer, zwei links, eins rechts, Kufe im Wasser, etwas höher, Kontakt! Person auf Kufe“.

Walczak ist neu im Metier, absolviert heute seine erste Kufenrettung. Der Bordoperator ist kein Pilot und er kennt die typischen Kommandos noch nicht. In seinem Polizeialltag bedient er die komplexe Elektronik der Wärmebildkamera, die im hinteren Teil des Helikopters untergebracht ist.

Die Aktion, die zwar mit der gelungenen Bergung des Mannes endet, verläuft dem vorn links sitzenden Einweisungspiloten, Klaus Kuhlmann, allerdings einen Tick zu eilig: „Das war viel zu schnell, Christian. Wir waren zwar erfolgreich, aber wenn er zum Heckrotor durchgerutscht wäre, hätten wir ihn nie gekriegt.“ Der erfahrene Polizeipilot meint damit die Vorwärtsgeschwindigkeit des Helikopters. Bei der Kufenrettung kommt es auf zahlreiche Faktoren an, und die Geschwindigkeit ist einer.


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